Sportbetrieb im Lockdown

So geht es im Bremer Sport weiter

Laut Berliner Beschluss soll der Amateur- und Breitensport ab kommenden Montag für einen Monat stillgelegt werden. Was bedeutet der Lockdown für den Sport in Bremen?
30.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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So geht es im Bremer Sport weiter
Von Olaf Dorow
So geht es im Bremer Sport weiter

Heute kein Sport: Mit dieser Aussicht gehen viele Vereine und Vereinssportler in die Novembertage.

Patrick Seeger /dpa

Nun warten sie wieder alle. Am Freitagnachmittag werden sie dann, wahrscheinlich, wissen, woran sie sind, wenn der Senat nach seiner Sitzung die neue Corona-Verordnung online gestellt hat. Viel Hoffnung brauchen die Bremer Sportler und Sportvereine nicht zu hegen. Viel wird nicht mehr gehen nach dem Berliner Beschluss, den Amateur- und Breitensport ab Montag für einen Monat stillzulegen und nur noch Profisport ohne Zuschauer zu gestatten. Und Individualsport.

Individualsport, da geht es schon los. Was das konkret bedeuten soll, wie das konkret definiert ist, ob individuell nur im Wald oder auf einer Sportanlage Sport betrieben werden darf, ist Gegenstand unzähliger Telefonate und Beratungen in den Gremien der Behörden. Wer gehört noch zum Profi-, wer schon zum Amateursport? Die Grenzziehung läuft da nicht konform mit der allgemeinen Wahrnehmung. So werden zum Beispiel Werders Bundesliga-Fußballerinnen – wie auch die Zweitliga-Handballerinnen des Klubs – als Profis eingestuft, obwohl sie nicht entlohnt werden für ihren Fußball und ihr Geld anderweitig verdienen.

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Womöglich werden auch Kadersportler wieder jener Gruppe zugeordnet, die weiterhin zumindest ins Training auf die Anlagen darf. Mit einiger Verzögerung ist das beim ersten Lockdown im Frühjahr so gehandhabt worden. Auch für Pferdesportvereine muss eine Regelung gefunden werden. Die Pferde müssen bewegt, das Tierwohl gewahrt werden. Dürfen noch zwei Leistungstänzer miteinander tanzen? Und so weiter und so weiter.

Fernab all der zu klärenden Detailfragen – und auch fernab von all den existenziellen Sorgen – schwankt die Stimmung im Bremer Sport zwischen Einsicht und Enttäuschung. Training und Wettkampf seien wahrlich keine Superspreader-Events, hatte die Bremer Sportsenatorin Anja Stahmann, derzeit auch Vorsitzende der deutschen Sportministerkonferenz, vergangene Woche zum WESER-KURIER gesagt.

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Das ist praktisch die Zusammenfassung dafür, wie es in den vergangenen Monaten gelaufen ist mit dem Sport und Covid-19. Trotz des schrittweise gelockerten Lockdowns blieben sportbedingte Infektionen weitgehend aus. Dass am Ende aber nur ein neuer Sport-Lockdown herauskommt, „das ist natürlich bitter“, sagt Karoline Müller vom Bremer Landessportbund (LSB). Zumal die vielen Vereine mit ihren unzähligen Angeboten „ein guter Puffer und ein gutes Ventil“ für viele Eltern und Kinder gewesen seien in einer Zeit voller Beschränkungen.

Als Ganzes gesehen darf sich der Bremer Amateursport nun als das fühlen, was gemeinhin unter dem Stichwort Sisyphos verstanden wird. Nach der Kraftanstrengung ist vor der Kraftanstrengung. Zur Kopf-hoch-Strategie gibt es wenig erfolgversprechende Alternativen. Der LSB versucht, den Vereinen Mut zu machen, die Vereine versuchen, den Mitgliedern Mut zu machen. Wie vor einem halben Jahr werden überall wieder verstärkt Online-Angebote aufgelegt und wird ans Durchhaltevermögen appelliert. „Da kannst jetzt nur Motivator sein“, sagt Bremens Schwimmpräsident Stephan Oldag. Und wählt ein Bild aus dem Sport dafür, wenn auch nicht aus seinem eigenen. Wie ein getroffener Boxer müsse man jetzt sein. „Aufstehen und weiterboxen“, sagt Oldag.

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