Unisee als Alternative Warum der Parkrun im Bürgerpark und Stadtwald untersagt wird

Direktor Tim Großmann untersagt die Parkrun-Veranstaltung im Bürgerpark und im Stadtwald. Jetzt ist der Unisee als Alternative für die Veranstaltungen ab Mai im Gespräch.
12.03.2019, 05:50
Lesedauer: 4 Min
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Warum der Parkrun im Bürgerpark und Stadtwald untersagt wird
Von Mathias Sonnenberg

Der erste Gedanke war ein „Meinen die das wirklich ernst“? Bastian Fraune wollte in Bournemouth doch eigentlich nur ein bisschen Joggen als Ausgleich zum Studium in Südengland. Doch was ihm ein paar Kumpels dann erzählten, klang erst mal schräg. Dass da ein paar Leute jeden Sonnabendmorgen um 9 Uhr fünf Kilometer durch einen Park laufen.

„War eigentlich nicht so meine Zeit“, erinnert sich Fraune. Als Student sei man schließlich am Wochenende andere Zeiten gewöhnt. Aber dann schleppte er sich doch morgens in den King’s Park, lief gemütlich seine Runde, quatschte locker mit anderen Joggern – und fand Gefallen am Parkrun, wie die Fünf-Kilometer-Runde international genannt wird. Und zwar so sehr, dass er sich irgendwann vornahm: „Wenn ich wieder in Bremen bin, muss es das dort auch geben.“

Das ist jetzt auch schon wieder anderthalb Jahre her. Und Fraune erlebt gerade, dass es gar nicht so leicht ist, seine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen zu lassen. Immerhin sind sie jetzt schon zu siebt in dieser Bremer Parkrun-Gruppe, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

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Doch das Ziel, Mitte Mai im Bürgerpark loszulegen, haben sie schon wieder ad acta gelegt. Der Grund: Parkdirektor Tim Großmann hat die Lauf-Veranstaltung verboten. „Es gibt ja schon einige Läufe im Bürgerpark“, sagte er dem
WESER-KURIER, „das dürfen letztlich nicht zu viele werden. Denn hier im Bürgerpark wollen viele ja auch ihre Ruhe finden. Deshalb müssen wir da einen Mittelweg finden.“ Und der lautet: „Derzeit wird solch eine Veranstaltung weder im Bürgerpark noch im Stadtwald erlaubt.“

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Für Fraune ist die Absage nicht so ganz nachvollziehbar. Denn schließlich sei der Park­run eine Möglichkeit, sehr niedrigschwellig einen Einstieg ins Laufen zu schaffen, sagt er. Und überhaupt sei der Bürgerpark doch offen für alle Läufer und gerade am Sonnabendmorgen noch relativ leer. „Das haben wir selbst getestet“, sagt Fraune, „und der Aufwand für unseren Lauf ist sehr gering.“

Doch für Großmann gibt es noch andere Argumente, die gegen die Veranstaltung im Bürgerpark sprechen. „Mir war das ganze Konzept zu indifferent und auch die Verantwortlichkeit ungeklärt. Was ist, wenn dort plötzlich 500 Leute mitlaufen“, fragt er. Wer sorge für die Sicherheit, wer kümmere sich um das Parken und den Müll, der entstehe? „Das war mir alles zu locker und leicht. Wir sind der Verpächter und stehen deshalb in der Verantwortung. Das gilt auch für versicherungstechnische Fragen.“

Kostenfrei und ehrenamtlich organisiert

Es ist ja nicht so, dass sich Fraune und sein Team darüber keine Gedanken gemacht hätten. Denn der Parkrun ist mittlerweile eine weltweite Lauf-Bewegung, die in 20 Ländern an mehr als 1000 Orten jeden Sonnabend im Jahr um 9 Uhr morgens Menschen gemeinsam zum Laufen bringt – und zwar immer in einem Park in der Stadt. Fraune: „Die Veranstaltungen sind alle versichert, es gibt Ordnungspersonal mit Westen, Start- und Ziel-Schilder und einen offiziellen Community-Manager, also Verantwortlichen vor Ort.“ Kurzum: Auch wenn der Parkrun eine absolut nicht kommerzielle Veranstaltung ist, seien die Bedingungen zur Durchführung total professionell.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Lauf-Veranstaltungen ist der Parkrun grundsätzlich kostenfrei und ehrenamtlich organisiert. Das sei, so Fraune, ja das Schöne am Parkrun. „Es ist eben kein Wettkampf, sondern es geht nur ums Laufen. Deshalb gibt es keinen Ersten und auch keinen Letzten.“ Auf den fünf Kilometern seien immer ganz unterschiedliche Menschen dabei: Junge, Alte, Frauen oder Männer mit Kinderwagen und Hunden. „Und fünf Kilometer schafft jeder, das ist eine echt machbare Distanz“, sagt Fraune. Aber das Laufen sei noch aus einem anderen Grund so gut: „Man lernt dabei andere Menschen kennen. Deshalb ist der Parkrun gerade auch für Menschen, die neu in einer Stadt sind, eine gute Veranstaltung.“

Dazu passt: Bevor es morgens auf die Strecke geht, gibt es von den Teilnehmern Applaus für den Park, Applaus für die ehrenamtlichen Helfer und noch mal Applaus für die Neulinge und Geburtstagskinder. Das Prozedere für die Anmeldung ist an jedem Ort der Welt gleich. Die Läufer müssen sich auf der Website registrieren, dann bekommt man einen Barcode, der nach den fünf Kilometern im Ziel an einen Scanner gehalten werden muss. Per Mail bekommen die Läufer dann die Zeit übermittelt – und wer mag, auch noch Tipps, wie man sich verbessern kann.

Utz Bertschy hat von Fraunes Lauf-Plänen noch nichts gehört. Er ist der Organisator des jährlichen Bremen-Marathons und anderen Lauf-Veranstaltungen wie der Winterlauf-Serie im Bürgerpark. Als Konkurrenz sieht er den Parkrun nicht, eher als Ergänzung. „Wichtig ist doch, dass die Menschen überhaupt laufen. Und wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Teilnehmer beim Parkrun dann ja plötzlich doch Lust auf einen Lauf mit einer richtigen Startnummer.“ Schade sei allerdings, dass es inzwischen in Bremen immer weniger Laufstrecken gebe, findet Bertschy. „Das ist mittlerweile echt ein Problem“, sagt er. „Im Bürgerpark ist es tatsächlich schon ziemlich voll mit Veranstaltungen, am Werder-See sehr windig. Und das war’s dann ja auch schon.“

Der Traum vom Run im Bürgerpark

Wann der erste Parkrun jetzt endlich in Bremen startet, ist noch nicht geklärt. „Wir wollen weiter Mitte Mai loslegen“, sagt Fraune. Und weil es mit dem Bürgerpark jetzt ja nichts wird, haben sie sich nach einer anderen Strecke umgeschaut. Es soll nun der Stadtwaldsee werden, eigentlich ja nur Unisee genannt. „Wenn man den zweimal umrundet, kommt man auch auf fünf Kilometer“, weiß Fraune. Er hat es erst am vergangenen Wochenende getestet. Jetzt muss noch die Erlaubnis vom Umweltamt kommen, dann geht es in die letzte Planung. Bürgerpark-Direktor Tim Großmann wird dann auch mal vorbei schauen, hat er versprochen. „Ich habe ja nur gesagt, dass es Moment nicht im Bürgerpark geht. Wer weiß, was in zwei Jahren ist“, sagt er. Klingt fast so, als ob sich Fraunes Traum vom Run im Bürgerpark vielleicht doch noch erfüllen könnte.

Info

Zur Sache

Der Parkrun wurde in England erfunden

Gegründet wurde der Parkrun am 2. Oktober 2004 vom Briten Paul Sinton-Hewitt (59). Der Anlass war banal: Der Marathon- und Ultraläufer konnte nach einer Verletzung keine weiten Strecken mehr bewältigen. Doch weil er den Kontakt zur Lauf-Bewegung nicht verlieren wollte, fing er an, sonnabends um 9 Uhr in Richmond im Bushy Park zu laufen und nach den fünf Kilometern einen Kaffee mit den anderen Läufern zu trinken – die Idee von Parkrun war geboren. In Deutschland wurden bislang in 15 Städten (unter anderem Münster, Osnabrück, Berlin) 568 Läufe absolviert. Die durchschnittliche Zeit der Läufer für die fünf Kilometer liegt übrigens bei 29,03 Minuten. Informationen über den Parkrun unter www.parkrun.com.de.

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