Andreas Kuhlen, SWB-Marathon-Sieger 2017 Wenn die Zeit über die Distanz entscheidet

2017 gewann Andreas Kuhlen den 13. SWB-Marathon. Auch 2018 tritt er an, aber für zehn Kilometer. Er erzählt, warum er seinen Titel nicht verteidigt, wie man am besten trainiert und wer sein Favorit für 2018 ist.
14.09.2018, 13:23
Lesedauer: 4 Min
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Wenn die Zeit über die Distanz entscheidet
Von Stefanie Heitmann

2:30:06 Stunden brauchte Andreas Kuhlen 2017, um den 13. SWB-Marathon zu gewinnen. Er war damit sogar zwei Minuten schneller als Oliver Sebrantke bei seinem Sieg im Jahr davor.

Dabei war dies erst der dritte Marathon, den Kuhlen bisher absolviert hat. Dass der 34-Jährige in Bremen siegte, war eigentlich gar nicht der Plan. Kuhlen wollte den Lauf nutzen, um für den anstehenden Frankfurt-Marathon zu trainieren und mit einem Freund zu laufen. Doch der musste aufgeben und Andreas Kuhlen lief weiter.

In diesem Jahr startet der aus Garrel bei Oldenburg stammende Athlet jedoch nicht in der Marathon-Distanz in Bremen. "Ich bin nicht zufrieden mit der Trainingsvorbereitung", so seine Begründung. Es sei nicht genügend Zeit gewesen, sich ausreichend vorzubereiten. Da helfe auch die überragende Kulisse mit Schlachte und Weserstadion nicht und den Tausenden Zuschauern, die auf den letzten Kilometern anfeuern und helfen Kraftreserven zu aktivieren. "Es ist notwendig, Zeit für längere Läufe einzuplanen. Das hat mit meiner Selbständigkeit und meinem Privatleben nicht zusammengepasst."

Andreas Kuhlen hat jedoch einen Tipp, wer in diesem Jahr den 14. SWB-Marathon für sich entscheiden könnte. Jan Knutzen von der SG akquinet Lemwerder habe gute Chancen. "Ein Sieg geht nur über ihn."

Passion zum Beruf gemacht

Doch wie schafft man es, die 42,195 Kilometer in solch einer Topzeit zu bewältigen? 200 Kilometer läuft Kuhlen in der Woche, wenn er für einen Marathon trainiert. 30 Kilometer an einem Tag. Mehrere Monate vor dem eigentlichen Lauf. Das sei wichtig, um sich auf die Distanz vorzubereiten. Und diese vor allem in einer guten Zeit zurückzulegen. Nun konzentriert er sich auf die Zehn-Kilometer-Distanz. Die Trainingseinheiten passen besser in seine derzeitige Lebenssituation. Zudem liegen Kuhlen die 800- bis 1500-Meter-Strecken persönlich mehr.

Kuhlen hat seine Passion mittlerweile zum Beruf gemacht. Er bietet Laufreisen und Trainingseinheiten für Läufer an, die etwa selbst einmal einen Halbmarathon oder Marathon laufen wollen. Er hat eine Trainer-A-Lizenz und ist auch Athletikcoach der Bundesligahandballerinnen des VfL Oldenburg.

Wie man sich auf einen Marathon am besten vorbereiten und diesen dann absolvieren kann, weiß Kuhlen also nur zu gut. Anfängern rät er, mehrere Monate vorher lange Vorbereitungsläufe zu absolvieren. 30 Kilometer plus X sollen es sein. Kuhlen selbst läuft nach eigener Aussage maximal 38 Kilometer vor einem Marathon. Nie die ganze Distanz wie am Wettkampf-Tag. Dies sei für seinen Körper eine Überbelastung.

Was beim Laufen wichtig ist

Wichtig sei es auch, sich schon in der Vorbereitungsphase die Trink- und Ernährungs-Phasen anzugewöhnen. "Der Bremen-Marathon startet ja schon sehr früh um 9.30 Uhr. Da sollte man schon drei oder vier Stunden vorher etwas essen. Daran muss man sich auch erst gewöhnen", so Kuhlen. Optimal seien im Vorfeld längere Läufe mit Fünf-Kilometer-Runden, an deren Ende man immer etwas essen und trinken sollte, um sich an den Rhythmus zu gewöhnen. Und wer sich gegen den inneren Schweinehund schützen will, sollte sich einer lokalen Laufgruppe anschließen, um dran zu bleiben. Der Schweinehund kommt natürlich auch mal bei Kuhlen vorbei. Doch große Chancen hat der bei ihm nicht. "Es gibt immer Gründe, kein Training zu machen. Aber es gibt eben auch immer Gründe das Training durchzuziehen", sagt er.

Um das optimale Tempo zu finden, kann Anfängern eine Pulsuhr helfen. Jedoch nur, wenn man im Vorfeld die optimale Pulshöhe ermitteln lässt. "Am besten ist es, die anärobe Schwelle minimal zu unterschreiten", sagt Kuhlen und meint damit den Punkt, an dem der Körper seine höchstmögliche Belastungsintensität erreicht. Eine Faustregel für die beste Pulshöhe sei zwar 220 minus dem Lebensalter. Diese Rechnung treffe aber nur auf zehn bis 15 Prozent aller Sportler zu. Und ohne einen Laktattest sei dies nur unzureichend.

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"Es ist schon einmal gut, wenn man sich während des Laufens noch unterhalten kann", sagt Kuhlen. Neben einer teuren Pulsuhr, sollte an den richtigen Laufschuhen nicht gespart werden, meint der Sportler. Nachrangig sei hingegen die Laufkleidung.

"Wo fängt Doping an?"

Was man sich ebenfalls sparen sollte, sind Medikamente, so Kuhlen. Dass viele Läufer bewusst zu Substanzen greifen würden, bezweifelt der 34-Jährige. "Aber wo fängt Doping an?", fragt er. Medikamente wie etwa Aspirin Complex seien frei in Apotheken verkäuflich. Und wer sich leicht erkältet fühlt, greift vielleicht zu dem Mittel, das aber auf der Liste der verbotenen Dopingmittel steht. Manche würden auch präventiv Schmerzmittel wie Ibuprofen einnehmen. Die Wirkung solcher Präventivgaben bezweifelt Kuhlen allerdings. Denn wenn der Körper Schmerzsignale aussende, habe dies auch eine Ursache. "Man sollte bewusst mit der Einnahme von Medikamenten umgehen." Als Trainer bekommt er vom Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) in jedem Quartal eine Liste mit den aktuellen Substanzen, die als Dopingmittel eingestuft sind. "Da bin ich schon besser informiert als ein Arzt, der diese Liste gar nicht bekommt und weiß, was verboten ist." Dass sich Läufer bewusst dopen, scheint Kuhlen unwahrscheinlich, denn die besten Drei bei großen Wettkämpfen würden immer getestet. Unter den Viert- bis Zehnplatzierten gebe es willkürliche Kontrollen.

Andreas Kuhlen läuft seit 1996 aktiv. Sein Bruder hat ihn dazu gebracht. Dann kamen die ersten Wettkämpfe. Und die ersten Siege. Und mit der zunehmenden Popularität des Laufens veränderte sich auch der Sport. "Laufen wird immer mehr zum Breitensport. Früher waren solche Wettkämpfe nur etwas für fokussierte Läufer", sagt Kuhlen. Einst stand die Zieleinlauf-Zeit im Mittelpunkt. Heute sei es das Event und das Ganze drum herum. Schade findet Kuhlen das nicht. Im Gegenteil. "Je mehr, desto besser". Es sei gut, dass durch das steigende Interesse viele Arbeitsplätze entstehen und Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Kuhlen selbst reizen sportlich gesehen auch noch ein paar Großevents. Der Boston-Marathon etwa oder der Marathon in New York. Aber die hebt er sich noch auf. "Das ist sicher reizvoll fürs Alter. Wenn es auf die Zeit nicht mehr so ankommt."

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