Corona-Bilanz: 10 Prozent vom normalen Umsatz

Blocklander liefert Grünkohl bis nach Bayern

Grünkohl-Service bis vor die Haustür seiner Gäste - ganz gleich, ob bis ins Blockland oder bis nach Bayern. Chefkoch Jan Gartelmann liefert Mittag- und Abendessen aus und verschickt Spezialitäten per Post.
26.02.2021, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Blocklander liefert Grünkohl bis nach Bayern
Von Petra Scheller

Blockland. Zarter Lauch wiegt gleichmäßig unter der Messerspitze. Zackig werden Zwiebeln im Sekundentakt gehackt. Blaue Flammen lodern auf dem Gasherd – durch die Küche in Gartelmanns Gasthof zieht ein Duftfeuerwerk aus Piment, frisch gemahlenem Pfeffer, Zwiebelgemüse, Brühe und Kohl. Grünkohl. Kurz vor Saisonende quillt das Auftragsbuch von Chefkoch Jan Gartelmann förmlich über. Hunderte von Bestellungen konnte der Gastronom trotz Corona in den Wintermonaten annehmen. Durch eine findige Geschäftsidee erreichte der Blocklander sogar Gäste aus Bayern und Berlin.

Um den Lockdown zu umschiffen, entschied sich Chefkoch Gartelmann in diesem Winter für ein Grünkohl-Liefer-Geschäftsmodell: Jedes Wochenende setzt er sich in seinen kleinen Transporter und stellt das Mittagessen für seine Gäste direkt vor deren Haustür ab. Seit Januar gibt es diesen Service. „Das ist toll! Sonst kommen die Leute ja zu uns in die Gaststube. Jetzt fahren wir zu ihnen nach Hause; sehen, wo sie wohnen, mit wem sie zusammen leben – das verbindet noch mal ganz anders“, berichtet der Blocklander Gastronom.

Seine Gästeliste reiche inzwischen nicht nur von Borgfeld bis Schwachhausen und von Grasberg bis Worpswede, sondern ganz bis nach Berlin und München. „Irgendwie hat sich das rumgesprochen“, sagt Gartelmann kopfschüttelnd. Er sei selbst ein bisschen erstaunt über den unerwarteten Grünkohl-Boom. Kurzerhand habe er umweltfreundliche Verpackungen besorgt und viele kleine Grünkohlpäckchen gepackt.

Christian Schmied aus dem Allgäu hat vor ein paar Wochen so ein Päckchen erhalten. Er hat über die Homepage der Gaststube vom Außerhaus-Angebot aus dem Blockland erfahren und gleich bestellt, berichtet der Long-Distance-Gast auf Nachfrage. „Wir mögen deftiges Essen“, sagt der Bayer am Telefon. „Grünkohl kann ich natürlich auch bei uns kaufen und Kartoffeln und Kassler gibt es auch – aber bei Mettenden und Pinkel hört es dann schon auf.“

Vier Tage lang musste der bayrische Gast allerdings auf sein Päckchen aus dem Blockland warten. „Wir hatten Schneesturm, ich weiß nicht, ob man das in Norddeutschland kennt? Der Postwagen ist nicht bis in unser Dorf gekommen.“ Das Candle-Light-Grünkohl-Date mit seiner Partnerin musste er mehrmals verschieben, berichtet Schmied. „Doch als es dann endlich so weit war, hing der Himmel voller Geigen. So bekommen wir den Grünkohl bei uns im Allgäu leider nicht hin“, sagt der Bayer anerkennend. „Kompliment an den Norden!“

Kein Wunder, kommentiert Chefkoch Gartelmann. In seinem Gasthof werde der Kohl nach dem Rezept von Ur-Großmutter Anna Christine gekocht, die Kartoffeln per Hand geschält und der Kasslersud, die Grundlage für den deftigen Winterschmaus, kalt angesetzt und stundenlang geköchelt. In fünfter Generation werde in dem Gasthof aus dem Jahre 1868 mit Liebe gekocht, unterstreicht der Blocklander.

Rund 200 Portionen habe er in dieser Saison zubereitet und ausgeliefert. In normalen Jahren gingen bis zu 1800 Portionen über den Tresen. Gartelmanns Corona-Bilanz deshalb: düster. „Diese Kohlsaison brachte zehn Prozent vom normalen Umsatz. Aber das ist besser als nichts“, sagt der Koch und Restaurantfachmann, der seine Ausbildung vor vielen Jahren im Worpsweder Bahnhof absolviert hat.

Zum Schluss gibt der Chefkoch noch einen Tipp: Den Kohl mindestens vier Stunden köcheln lassen – zunächst bei 140 Grad, nach etwa zwei Stunden weiter bei 100 Grad. Dann kommen die Kohlwürste für eine halbe Stunde dazu genauso wie Hafergrütze zum Binden. Pinkel separat in heißem Wasser ziehenlassen. „Nach jedem Aufwärmen schmeckt der Kohl besser und besser“, sagt der Gartelmann. Warum das so ist, konnte selbst die Ur-Großmutter zu Lebzeiten nicht erklären.

Info

Zur Sache

Der Blocklander Gasthof Gartelmann verlängert seine Kohlsaison bis einschließlich Sonntag, 7. März und bei klirrender Kälte auch darüber hinaus. Zum Frühjahr will das Tradtionshaus seine Gäste mit einem saisonalen To-Go-Angebot ins Oberblockland 14 in Bremen locken. Weitere Infos gibt es im Netz unter www.gartelmann-gasthof.de.

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