Neues Konzept für BWK-Halle

Der Bäder-Plan für Blumenthal

Weil es nicht genügend Becken und Bahnen für Schwimmer gibt, plant Spartenleiter Christian Gerken, was vor ihm noch kein anderer Spartenleiter geplant hat: ein Bad für Vereine, Kindergärten und Schulen.
28.01.2020, 20:11
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Der Bäder-Plan für Blumenthal
Von Christian Weth

Christian Gerken erlebt es immer wieder: Eltern möchten, dass ihre Kinder das Schwimmen lernen, müssen aber ein halbes Jahr auf einen Platz im Kursus warten. Und Vereinsschwimmer wollen mehr trainieren, können aber schon froh sein, wenn sie nicht weniger Hallenzeiten bekommen. Gerken hat noch mehr Beispiele dafür, dass Becken und Bahnen fehlen. So viele, dass der Spartenchef der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack etwas vorschlägt, was noch kein Spartenchef vor ihm vorgeschlagen hat: ein Bad zu bauen.

Gerken hat vieles versucht, um die Situation für die Sportler zu verbessern. Er sprach mit dem Privateigentümer des Grohner Bades, mit den Bremer Bädern, mit anderen Vereinen und anderen Betreibergesellschaften. Doch niemand, sagt der Vereinsfunktionär, kann helfen. Weil alle dieselben Probleme haben – mit Gebäuden und Becken, die kaputt sind, mit Betriebskosten, die von Jahr zu Jahr steigen, mit Hallenzeiten, die sich deshalb schwerer und schwerer finanzieren lassen, und eben mit immer mehr Kindern, die nicht sicher schwimmen können. Gerken sagt, dass das inzwischen auf fast 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen zutrifft.

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Diese Zahl nannte der Abteilungsleiter nicht, als er jetzt sein Konzept zum ersten Mal vorstellte. Schnell musste es gehen. Die Stadtteilpolitiker, bei denen er war, sollten nur kurz erfahren, woran andere arbeiten – bevor sie ihr großes Thema an diesem Abend abhakten: Die Beiratsfraktionen diskutierten darüber, wie der Bildungscampus auf dem Gelände der Bremer Woll-Kämmerei einmal aussehen könnte. Das Gebäude, das Gerken gern zum Schwimmbad machen will, steht genau dort. Er stellte sich den Parteien als ein Vegesacker vor, der ein Nordbremer Anliegen hat. Manche Parteivertreter nickten, als Gerken ihnen sagte, was er plant. Und warum.

Gerken geht es um die sogenannte Fliegerhalle auf dem Industriegrundstück. Dass es in einem Teil des Gebäudes im Vorjahr gebrannt hat, stört den Spartenchef nicht. Genauso wenig, dass Quartiersentwickler vorschlagen, aus dem denkmalgeschützten Bau mehrere Turnhallen zu machen. Er sagt, dass der zerstörte Dachstuhl wieder repariert wird. Dass sich der Entwurf fürs Bad und für die Turnhallen nicht ausschließen. Und dass er genauso lange an einem Konzept für mehr Becken arbeitet wie die Architekten am Bildungscampus. Gerken sagt, seit einem Jahr die Schwimmbad-Idee zu verfolgen und seit einem halben den Fliegerhallen-Plan.

Ein grober Grundrissplan

Knapp zehn Seiten hat Gerkens Bad-Konzept. Es zeigt die Fliegerhalle, wie sie jetzt von außen aussieht. Und es zeigt einen groben Grundrissplan, wie sie später einmal von drinnen ausschauen könnte: hier das 50-Meter-Becken mit acht Bahnen, dort das sogenannte Lehrschwimmbecken, davor die Duschen, Toiletten und Umkleidekabinen, darüber das Materiallager, daneben die Fitness- und Gymnastikräume. Der einzige Anbau ist ein Glasvorbau, der zugleich der Eingang ist. Der Plan macht nicht bloß deutlich, wo was entstehen soll, sondern auch mit wem. Gerken will mit Myrtha Pools zusammenarbeiten, Europas größten Schwimmbadbauer.

Der Abteilungsleiter sagt, dass sich das Unternehmen die Fliegerhalle bereits angeschaut und erklärt hat, sie zu einem Bad umbauen zu können. Nach Gerkens Rechnung wird das Projekt neun Millionen Euro kosten. Bei der Finanzierung setzt er auf Sponsoren, Fördermittel des Bundes und der EU, aber auch auf Kredite. Eigentümer soll ein Förderverein werden – und die Schwimmsparte der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack die Betreiberin. Gerkens Bad ist kein öffentliches, sondern eines für Vereine, Kindergarten-, Schul- und Reha-Gruppen. Er geht davon aus, dass die Finanzierung des Millionenprojekts noch in diesem Jahr geregelt sein könnte.

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Die Schul- und die Baubehörde kennen mittlerweile seinen Plan. Vertreter beider Ressorts waren dabei, als Gerken das Bad-Konzept den Blumenthaler Beiratsfraktionen während der Beratung über den Bildungscampus vorstellte. Viel dazu sagen konnten die Verwaltungsmitarbeiter aber nicht. Sie verwiesen an die Sportbehörde als oberste Entscheidungsinstanz in dieser Angelegenheit. Sein Konzept für eine Schwimmhalle ließ Gerken vorsorglich den Stadtteilpolitikern da. Manche Parteien fanden es auf Anhieb so überzeugend, dass sie ankündigten, es prüfen und – wenn es sich denn umsetzen lässt – an ihm festhalten zu wollen.

Platz für beide Ideen schaffen

Nach dem Zeitplan von Ortsamtschef Peter Nowack wird das Schwimmbad auf der Februar-Sitzung des Beirats einen eigenen Tagesordnungspunkt bekommen. Er findet, was auch Gerken meint: Dass sich Schwimmbad und Turnhallen in der Fliegerhalle nicht kategorisch ausschließen. Nach Nowacks Auffassung ist vieles denkbar. Er glaubt, dass die Erweiterung des Gebäudes, die von den Campus-Planern ohnehin vorgesehen wird, noch größer ausfallen könnte, um Platz für beide Ideen zu schaffen. Und dass andernfalls noch genügend Zeit für die Architekten ist, einen anderen Standort für die Turnhallen auf dem Kämmerei-Gelände zu finden.

Nowack rechnet damit, dass der Schwimmbad-Plan für die Fliegerhalle spätestens nach der nächsten Sitzung der Blumenthaler Beiratsfraktionen auch die Sportbehörde beschäftigen wird. Eine erste Stellungnahme von ihr, wie sie zu Gerkens Konzept für mehr Becken und Bahnen im Bremer Norden steht, erwartet der Ortsamtschef einige Wochen später.

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