BWK-Campus und Bahrsplate So sieht der Plan für das Blumenthaler Zentrum aus

Für Blumenthaler Beiratspolitiker gehören nicht nur der Marktplatz und die Mühlenstraße zum Zentrum des Stadtteils, sondern auch andere Flächen – auch solche, die grün sind.
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So sieht der Plan für das Blumenthaler Zentrum aus
Von Christian Weth

Über den Blumenthaler Ortskern und wie es mit ihm weitergehen soll, haben die Beiratsfraktionen schon oft gesprochen. Jetzt wieder. Nur diesmal ging es ihnen im Ausschuss für die Entwicklung des Stadtteilzentrums nicht um den Marktplatz und die Mühlenstraße, sondern um Gebiete drumherum – und nicht nur um Grundstücke mit Gebäuden, sondern auch um Flächen fürs Grün. Wie die Stadtteilpolitiker inzwischen den Ortskern definieren. Und was sie von Behörden fordern, um ihn voranzubringen. Ein Überblick.

Bildungscampus: Es ist das größte Projekt für Schüler und Lehrer in Bremen: Fünf Berufsschulen und mehrere Firmen vereint auf zehn Hektar. Bildungs- und Wirtschaftsbehörde versprechen sich davon einen regen Austausch zwischen Klassenzimmer und Betrieben – und die Parteien vor Ort, dass das Projekt auf dem Woll-Kämmerei-Gelände den Ortskern gleich mit voranbringt. Für sie ist das Vorhaben ein Zentrumsvorhaben. Und darf es keine Grenze geben, wenn mehrere Tausend Schüler den Industriestandort auch zum Bildungsstandort machen.

Das Vorhaben ist so groß, dass allein für die Planung zehn Jahre veranschlagt werden. Über den ersten Bauabschnitt sind jetzt die Mitglieder des Zentrumsausschusses informiert worden. Nach dem Entwurf des niederländischen Architekturbüros De Zwarte Hond sollen auf dem Areal sowohl Altbauten saniert als auch neue Gebäude gebaut werden – und die Hauswirtschafts- und Sozialpädagogikschüler des Blumenthaler Schulzentrums als erste auf den Campus ziehen: ins frühere Sortiergebäude und in einen Neubau daneben.

Rund 23 Millionen Euro sind veranschlagt, um aus dem Altbau einen neuen Schulbau zu machen. Nach Angaben der Behörde soll der Unterricht 2023/2024 beginnen. Wie viel der Neubau nebenan kosten wird, ist unklar. Fest steht nur, dass das Schulzentrum vorerst zweigeteilt bleibt. Die Dependance an der Lüder-Clüver-Straße wird erst zwei Jahre später umziehen. Wann alle anderen Schulen aus Vegesack, Burglesum und Oslebshausen folgen sollen, können die Behörde noch nicht sagen. Was die Ausschussmitglieder schlecht finden. Sie fordern jetzt einen genauen Zeitplan.

Bahrsplate: Vor einem Jahr konnten Blumenthaler sagen, was ihnen an der Grünfläche zwischen Woll-Kämmerei-Gelände und Rönnebecker Hafen gefällt – und was dort anders werden muss. Das Ortsamt hatte dazu aufgerufen. Passiert ist seither nichts. Dabei finden nicht nur die Fraktionen, dass die Bahrsplate in einem schlechten Zustand ist, sondern auch die Umweltbehörde. Mitarbeiterin Bettina Hesse ist nach eigenem Bekunden das Gelände an der Weser mehrmals abgelaufen – und hat dabei immer wieder neue Problemzonen ausgemacht.

Was sie verändern will, hat Hesse jetzt den Ausschussmitgliedern aufgelistet. Sie sprach von Nachpflanzungen, neuen Beeten und Wildblumen in Wassernähe. Von Graffiti, die beseitigt, und Steinplatten, die gereinigt werden sollen. Und davon, dass im nächsten Jahr die Bahrsplate dann besser aussieht, wenn die Stadtteilpolitiker ihr Okay geben. Die finden zwar gut, was die Ressortmitarbeiterin ihnen an Neuerungen vorgestellt hat, wollen im Grunde aber mehr: dass die Grünfläche mit Gedenkstätte zum Erlebnisort wird. Und dass sich auch andere daran beteiligen, dieses Ziel zu erreichen.

Die Fraktionen wollen, dass nicht nur geprüft wird, ob der alte Ortskern rund um den Marktplatz zum Sanierungsgebiet erklärt werden kann, sondern auch die Bahrsplate. Für sie gehören beide zusammen – und braucht es mehr Fördermittel als die des Landes, um die Aufenthaltsqualität der Grünanlage zu steigern. Nach Rechnung des Amtes für Soziale Dienste würde es eine halbe Million Euro kosten, allein den Spielplatz auf dem Areal neu zu gestalten. Nach Ansicht von Mitarbeiterin Monika Hublitz wäre das mittlerweile wieder an der Zeit.

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Hafenspitze: Über kaum ein Gelände ist in den vergangenen Monaten so oft im Beirat diskutiert worden wie über die Fläche beim Fähranleger. Mal ging es um den früheren Strandhallen-Parkplatz, der nach dem Abriss des Gebäudes immer noch eingezäunt ist – und um die Frage, warum eigentlich. Mal um den alten Plan, mehr aus dem Grundstück beim Blumenthaler Bootshaus zu machen – und um eine Antwort darauf, was aus ihm geworden ist. Der Entwurf sah einen Zugang zum Wasser vor, ein Sonnendeck und Gehweglampen für Spaziergänger.

Im Zentrumsausschuss gab es Grafiken zu sehen, wie die Hafenspitze mal werden sollte, aber nie wurde. Die Architektenskizzen sind fünf Jahre alt, für die Fraktionen aber wieder aktuell. Denn für den nächsten Doppelhaushalt soll es einen neuen Anlauf geben, das Geld für einen Wasserzugang, Sonnendeck und Lampen zu bekommen – und vielleicht auch für eine neue Boulebahn und eine Außengastronomie. Die Parteien wollen jetzt nämlich mehr als zuvor. 800.000 Euro waren damals für die Neugestaltung der Uferzone beantragt worden.

Dass das Geld nie für sie ausgegeben wurde, hat damit zu tun, dass das Ressort den Betrag für andere Projekte brauchte. Ob der Entwurf diesmal umgesetzt wird, kann Behördenmitarbeiterin Bettina Hesse nicht garantieren. Sie versprach den Ausschussmitgliedern jedoch, alles dafür zu tun, dass ihr Antrag rechtzeitig zur Entscheidung vorliegt – auch ohne Beschluss des Beirates: Um zu belegen, wie ernst es ihnen mit der Hafenspitze ist, wollten die Fraktionen die Kosten für den sogenannten Ausführungsvertrag übernehmen. Die 75.000 Euro sollen jetzt für die Bahrsplate eingesetzt werden.

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