Millionen für das Quartier

Warum Lüssum zum Fördergebiet für Städtebau wird

Im Norden ist bisher nur für Grohn ein Konzept mit Investitionen in Millionenhöhe ausgearbeitet worden. Jetzt wird es ein zweites für Lüssum geben – und vielleicht ein drittes fürs Blumenthaler Zentrum.
09.07.2020, 17:36
Lesedauer: 4 Min
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Warum Lüssum zum Fördergebiet für Städtebau wird
Von Christian Weth
Warum Lüssum zum Fördergebiet für Städtebau wird

Gekauft hat sie einen Teil der Mietshäuser in Lüssum schon, jetzt will die Gewoba sie umgestalten – im Rahmen eines Städtebauförderprogramms, das auch die Spielplätze verändern soll.

Christian Kosak

Bisher ist im Norden ausschließlich für Grohn ein spezieller Plan von den Behörden ausgearbeitet worden, um das Gebiet voranzubringen – jetzt wird es einen zweiten geben. Und vielleicht einen dritten. Beide für Blumenthal: Während noch geprüft wird, ob das alte Zentrum die Anforderungen eines Fördergebiets erfüllt, ist die Expertise für Lüssum abgeschlossen. Mit dem Ergebnis, dass es für den Ortsteil, in dem mehr Flüchtlinge leben als in anderen Vierteln, ein Entwicklungskonzept geben wird. Was einen Katalog an Projekten bedeutet. Und einen Millionenbetrag, um sie zu bezahlen.

Rixa Gohde-Ahrens betreut mehrere Quartiere, die Probleme haben – Lüssum ist ihr neuestes. Und ihr erstes in Bremen. Die Freiraumplanerin arbeitet für die Hamburger Lawaetz-Stiftung, die Wohnen sozial gestaltet will. Gohde-Ahrens sammelt Idee von Anwohnern, Vereinen und Einrichtungen, listet sie in einem sogenannten Integrierten Entwicklungskonzept auf und arbeitet sie schließlich ab. In Bremen wird sie das Erste und das Zweite machen, das Dritte wollen die Behörden und ihre Partner selber übernehmen. Zum Beispiel die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba, die mehr als 200 Wohnungen von der Vonovia in Lüssum gekauft hat.

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Und damit zugleich dafür gesorgt hat, dass jetzt geht, was vorher nicht gegangen ist: Dass ein Konzept erstellt werden kann, mit dem Fördermittel des Städtebaus abrufbar werden. Laut Heike Binne wäre das theoretisch auch mit der Vonovia möglich gewesen. Nur, meint die Lüssumer Quartiersmanagerin, wollte der Immobilienkonzern keine Partnerschaft eingehen, weil er dann selbst in die Gebäude und Plätze im Ortsteil hätte investieren müssen. So schreibt es die Städtebauförderung vor: Geld vom Land und Bund gibt es nur, wenn sich auch der Eigentümer finanziell beteiligt. Binne sagt, froh darüber zu sein, dass der Partner der Stadt jetzt Gewoba heißt.

Denn jetzt kann geplant werden, was sich in Lüssum ändern soll. An diesem Mittwoch geht es los – und wollen Quartiersmanagerin Binne und Lawaetz-Planerin Gohde-Ahrens erste Vorschläge von Anwohnern, Streetworkern, Schul- und Kitaleitern sowie Vertretern sozialer Einrichtungen zusammentragen. Ursprünglich sollte damit schon im März begonnen werden. Doch dann kam erst die Corona-Krise, dann die Kontaktbeschränkung. Mit dem verzögerten Auftakt hat sich auch der Termin verschoben, an dem Gohde-Ahrens die endgültige Fassung des Entwicklungskonzepts präsentieren wollte. Aus Oktober wird nun voraussichtlich Dezember.

Auf Grohn folgt Lüssum

Und Februar oder März, ehe die Baudeputation abschließend über den Plan für Lüssum beraten wird. Davon geht jedenfalls Claus Gieseler aus. Auch er ist Planer wie Gohde-Ahrens. Auch er betreut das Quartier. Nur schreibt er nicht das Konzept, sondern gehört zu denen, die es am Ende umsetzen werden. Gieseler arbeitet in der Baubehörde, die der Lawaetz-Stiftung den Auftrag gab, die Entwicklungsmöglichkeiten des Ortsteils in einem Papier zu bündeln. Ihm zufolge ist nach Gutachten sowie Gesprächen zwischen Verwaltung und Politik entschieden worden, auf das Städtebaukonzept für Grohn ein weiteres für Lüssum folgen zu lassen.

Gohde-Ahrens nennt das Konzept auch Handlungsleitfaden. Sechs bis acht Jahre soll er für das Quartier gelten. So lange, glaubt die Planerin, wird es dauern, bis sämtliche städtebaulichen Projekte in Lüssum umgesetzt sind, die jetzt in Workshops und Konferenzen festgelegt werden sollen. Gohde-Ahrens spricht von einem Prozess, um die Vorhaben abzuarbeiten, aber auch um sie zu sammeln. Sie sagt, dass auf die Auftaktveranstaltung noch weitere Treffen von Anwohnern, Sozialarbeitern und Schulvertretern folgen sollen. Und dass sie auf den Sitzungen der Stadtteilgruppen und des Beirats über den Fortschritt der Planungen berichten wird.

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Auch wenn jetzt ein erster Arbeitskreis im Quartier tagt, fängt das Pläneschmieden für Lüssum nicht bei null an. Nach den Worten von Gohde-Ahrens haben Architekten und Ingenieure der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba vor Längerem damit begonnen, Ideen für Gebäude und Freiflächen zu entwickeln. Die Lawaetz-Planerin spricht von Entwürfen von neu gestalteten Eingängen der Mietshäuser. Von grüneren und offeneren Plätzen zwischen den Gebäuden. Und von Bauten, die es rund um die Lüssumer Heide so noch nicht gibt: sogenannte Waschhäuser, die die Funktion eines Treffs übernehmen und somit die Kommunikation zwischen den Bewohnern fördern sollen.

Nicht bloß bauliche Veränderungen

Gohde-Ahrens hat inzwischen nicht nur mit Planern der Gewoba gesprochen, sondern auch mit Menschen aus dem Quartier. Zum Beispiel mit Kitaleitern. Zum Beispiel mit den Vorsitzenden verschiedener sozialer Einrichtungen. Zum Beispiel mit Rektoren und Konrektoren der Schulen im Viertel. Deshalb weiß sie auch, dass es manchen Gesprächspartnern nicht bloß um bauliche Veränderungen geht, sondern auch um Neubauten. Etwa um eine zusätzliche Oberschule. Es gibt Pläne der Bildungsbehörde, die mehr Klassen als bisher an den einzelnen Schulstandorten vorsehen – und es gibt Blumenthaler Pädagogen, die kleine Schulen besser finden und deshalb mehr von ihnen wollen.

Welche Städtebau-Projekte nachher umgesetzt und welche gestrichen werden, entscheidet nicht Gohde-Ahrens. Sie trägt ausschließlich zusammen, was vorgeschlagen wird, um den Ortsteil voranzubringen. Wie viel Geld am Ende in Lüssum investiert wird, kann sie ebenso wenig einschätzen wie Stadtplaner Gieseler. Auch Martin Prange muss vage blieben. Etwas konkreter als die Konzeptautorin und der Konzeptumsetzer wird der Senatsbeauftragte für den Norden aber trotzdem. Er geht von einem mehrstelligen Millionenbetrag aus. Und davon, dass noch in diesem Jahr feststehen könnte, ob auch das alte Zentrum zum Fördergebiet wird. So wie es Stadtteilpolitiker schon seit Langem fordern.

Weitere Informationen

Der Workshop an diesem Mittwoch im Gemeindezentrum am Neuenkirchener Weg ist ausgebucht. Es haben sich so viele Menschen angemeldet, wie für den Raum wegen der Corona-Auflagen zugelassen wurden: 40. Eine weitere Planungsrunde soll es nach den Ferien geben. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

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