Stellenabbau bei Thyssen-Krupp in Farge

222 Arbeitsplätze fallen weg

Thyssen-Krupp System Engineering will die Produktion in Farge auf alternative Antriebe umstellen. Unternehmen und Gesamtbetriebsrat haben sich auf einen Sozialplan verständigt.
26.03.2020, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Farge. Thyssen-Krupp System Engineering streicht in Farge 222 Stellen. Unternehmen und Gesamtbetriebsrat haben sich auf einen Sozialplan und einen Interessensausgleich sowie ein Zukunftskonzept für den Standort in Bremen-Nord verständigt. Unternehmenssprecher Konrad Böcker hat am Dienstag entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigt.

Demnach erfolgte die Einigung Mitte März. „Der Standort in Bremen soll zu einem auf alternative Antriebsarten spezialisierten Montagestandort inklusive Service- und Testcenter umgestaltet werden“, erklärt der Unternehmenssprecher. In Farge, wo derzeit vor allem Montagesysteme für Verbrennungsmotoren gebaut werden, sollen künftig Montageanlagen für Elektro-Motoren und Brennstoffzellen-Antriebe gefertigt werden. „Profitable Aufträge in der Motor- und Getriebemontage sollen in kleinerem Umfang fortgeführt werden“ teilt der Thyssen-Krupp-Sprecher weiter mit. Wegfallen werden nach seinen Angaben die Bereiche Motortest und sonstige Montagen.

„Konkret bedeutet das einen Restrukturierungsbedarf von 222 Stellen“, sagt der Thyssen-Krupp-Sprecher. Das Unternehmen, das zum Geschäftsjahresende am 30. September 2019 am Standort Farge eine Stammbelegschaft von 767 Mitarbeitern zählte, habe sich zu einem sozial verträglichen Personalabbau verpflichtet. Im engen Austausch mit dem Betriebsrat sollen laut Böcker individuelle Lösungen erarbeitet werden. Für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz in Farge verlieren, gibt es nach den Worten des Unternehmenssprechers Unterstützungsangebote. Dazu gehörten Wechselmöglichkeiten innerhalb des Konzerns, der Abschluss von freiwilligen Aufhebungsvereinbarungen, Qualifikationsmaßnahmen und der Wechsel in eine Transfergesellschaft.

Ursprünglich sollte der Stellenabbau in Farge höher ausfallen. Vergangenen November hatte Thyssen-Krupp System Engineering angekündigt, rund 300 Stellen in Farge streichen zu wollen. Die Gewerkschaft IG Metall hatte mit Thyssen-Krupp vereinbart, dass die Unternehmensführung zunächst einen Plan für die Zukunft des Bremer Standortes und anderer vom Stellenabbau betroffener Werke der Sparte System Engineering erarbeitet. „Über das Zukunftskonzept haben wir es geschafft, den ursprünglich geplanten Stellenabbau in Farge zu reduzieren. Dadurch ist klar geworden, dass am Standort für die künftigen Aufgaben mehr Mitarbeiter verbleiben müssen“, sagt der Bremer IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Michael Gerdes.

In die 222 abzubauenden Stellen sind nach Angaben des Farger Betriebsratsvorsitzenden Guido Heinrich auch rund 60 Mitarbeiter einbezogen, die seit dem 30. September 2019 über natürliche Fluktuation wie Rente, Altersteilzeit oder Auslaufen befristeter Verträge aus dem Unternehmen ausgeschieden sind. Weitere rund 70 Mitarbeiter hätten sich entschieden, mit einer Abfindung das Unternehmen freiwillig zu verlassen. Eine „Sprinterprämie“ gab es laut Heinrich für alle, die sich bis zum 15. März entschieden. Für IG-Metall-Mitglieder sehen die Vereinbarungen mit dem Unternehmen nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Michael Gerdes eine zusätzliche Abfindung von jeweils bis zu 5000 Euro vor.

Für 90 Beschäftige steht laut Betriebsrat Guido Heinrich der Wechsel in eine Transfergesellschaft an. Eigentlich sollte der Übergang laut Heinrich zum 1. April erfolgen. „Wegen der Corona-Krise können wir derzeit aber keine Beratungsgespräche führen.“ Jetzt sollen die Mitarbeiter zum 1. Mai wechseln. In der Transfergesellschaft können sie laut Heinrich maximal zwölf Monate beschäftigt und qualifiziert werden. Ziel ist, dass sie in dieser Zeit eine neue Stelle finden. „Weil die Mitarbeiter einen Monat länger als geplant im Unternehmen in Farge bleiben, möchte die Geschäftsführung die Verweildauer in der Transfergesellschaft von maximal zwölf auf elf Monate kürzen. Da sind wir noch am Verhandeln.“

Für Mitarbeiter, die nicht in die Transfergesellschaft wechseln wollen, sehen die Vereinbarungen mit dem Unternehmen nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden die betriebsbedingte Kündigung vor. Ausnahme: „Für Mitarbeiter ab 55 Jahren gilt ein besonderer Kündigungsschutz, ihnen kann nicht betriebsbedingt gekündigt werden.“

Mit dem jetzt vereinbarten Stellenstreichungen sei „ein tiefer Einschnitt gemacht worden, um das Unternehmen nachhaltig zu stärken“, meint Gewerkschaftssekretär Michael Gerdes. „IG Metall und Betriebsrat sehen den Personalabbau am Standort Farge damit abgeschlossen.“ Die Hoffnungen richteten sich nun auf das Zukunftskonzept. Nach Angaben von Thyssen-Krupp-Sprecher Konrad Böcker sehen die Mitte März verabschiedeten Vereinbarungen des Interessensausgleichs keine Beschäftigungsgarantie für die verbleibende Belegschaft in Farge vor.

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