Farger Standort in Schwierigkeiten Post von Thyssen-Krupp

Erst hat die SPD in einem Brief an den Vorstand von Thyssen-Krupp appelliert, den Farger Standort nicht aufzugeben – jetzt gab es Post von der Essener Konzernleitung.
01.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christan Weth

Blumenthal. Anfang Juli hat die SPD schriftlich an den Vorstand von Thyssen-Krupp appelliert, den Farger Standort nicht aufzugeben. Jetzt hat die Essener Unternehmensspitze reagiert – ebenfalls mit einem Schreiben. Auf drei Seiten erklären die Bereichschefs Volkmar Dinstuhl und Michael Höllermann, warum der Konzern macht, was er macht. Und dass man bereit ist, mit den Bremer Politikern in einen Dialog über die künftigen Pläne für Thyssen-Krupp System Engineering zu treten.

Dinstuhl und Höllermann schreiben, wo sie den Farger Standort unternehmerisch sehen und was ihm Probleme macht. Dabei erläutern sie auch, was die SPD und andere Parteien längst wissen: Dass der Geschäftsbereich, der Montageanlagen für Antriebssysteme entwickelt, unter Druck geraten ist und Verluste erwirtschaftet. Die beiden Vorstandsvertreter erklären das mit einer anhaltenden Marktschwäche der Automobilindustrie und dem Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor. Sie schreiben von 30-prozentigen Auftragsrückgängen vor der Corona-Krise und von 60-prozentigen seit der Corona-Krise.

Ihnen zufolge soll Thyssen-Krupp System Engineering zu einem Montagestandort umgebaut werden, der auf alternative Antriebsarten spezialisiert ist. Zugleich wollen Dinstuhl und Höllermann den Anlagebauer auch zu einem Entwickler von Speichertechnologie machen. Damit soll in Farge erst die Wende gelingen – und mit veränderten Partnerschafts- beziehungsweise Eigentümerstrukturen schließlich neues wirtschaftliches Wachstum. Die beiden Vorstände schreiben, dass es vor einem Jahr eine Restrukturierung der Engineering-Gruppe gegeben hat und es nun eine Neustrukturierung des kompletten Geschäftsportfolios geben soll.

Ute Reimers-Bruns findet gut, dass die Essener Konzernleitung zu Gesprächen über den Standort und wie es mit ihm weitergeht bereit ist. Nicht so gut findet die Nordbremer SPD-Chefin und Bürgerschaftsabgeordnete, dass der Konzern einen Zukunftsplan auf den anderen folgen lassen will. Auch im Vorjahr hat es einen gegeben, ausgehandelt zwischen Unternehmensspitze, Betriebsrat und IG Metall. Die Verhandlungspartner verständigten sich dabei auf einen Umbau von Thyssen-Krupp System Engineering. Nach Angaben der Gewerkschaft wurde dabei ein hoher Preis gezahlt: 230 von knapp 800 Beschäftigten müssen gehen.

Davon steht nichts in der Post aus Essen. Und auch nicht, wie der Konzern sicherstellen will, dass ein neuer Partner oder ein neuer Eigentümer keine weiteren Stellen streicht. SPD-Politikerin Reimers-Bruns sagt, verstehen zu können, dass die Beschäftigten davor Angst haben. Und dass es darum umso wichtiger ist, mit der Essener Unternehmensführung in einen Dialog zu treten. Ihr zufolge soll gleich nach der Sommerpause darüber beraten werden, wie der Austausch gestaltet werden soll – und ob die SPD dabei allein auftritt oder mit anderen Parteien zusammen. Reimers-Bruns sagt, dass sie das gut fände.

Sie geht davon aus, dass spätestens im September die Gespräche zwischen Politik und Thyssen-Krupp fortgesetzt werden. Die SPD-Politikerin will, dass der Konzern alle Möglichkeiten ausnutzt, um den Standort, die Zahl der Beschäftigten und das Potenzial der Fachkräfte zu sichern. So steht es in dem Schreiben an die Essener Unternehmensspitze, das sie mit anderen Parteivertretern Ende Mai verfasst hat.

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