SC Borgfeld Ex-Trainer Biricik im Interview: „Wir gehen nicht im Bösen auseinander“

Ugur Biricik wollte seinen Trainerposten erst zum Saisonende abgeben, nahm auf Bitten des Vorstands aber schon jetzt seinen Hut. „Ich wäre gern geblieben, kann den Verein aber auch verstehen“, so Biricik.
09.01.2020, 12:42
Lesedauer: 4 Min
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Ex-Trainer Biricik im Interview: „Wir gehen nicht im Bösen auseinander“
Von Dennis Schott
Herr Biricik, nun ist doch alles schneller gelaufen als geplant. Wie betrachten Sie die jüngste Entwicklung mit einigen Tagen Abstand?

Ugur Biricik: Irgendwie habe ich das früh geahnt. Nachdem ich gesagt habe, dass ich am Ende der Saison aufhören möchte, war klar, dass sich im Verein auch andere Gedankenspiele ergeben könnten. Dass es jetzt so gekommen ist, war zumindest nicht auszuschließen. Deswegen hat mich das auch nicht sonderlich überrascht.

Sie hatten Ihren Rücktritt zum Saisonende angekündigt, was der Vorstand zunächst akzeptiert hat, dann aber doch Ihren Nachfolger Lutz Repschläger, der zuvor die eigene Zweite trainierte, bereits zur Rückrunde in der Verantwortung für die erste Mannschaft sehen wollte. Sie wollten aber eigentlich weitermachen. Das ist für Sie doch irgendwie unglücklich gelaufen, oder?

Ja, schon. Ich hätte die Saison gerne zu Ende gemacht. Wir stehen ja auch noch im Pokal-Halbfinale. Gegen Oberneuland haben wir natürlich einen schweren Stand, aber ins Finale einzuziehen, das wäre schon klasse. Aber ich habe dem Verein frühzeitig Bescheid gegeben, damit er ausreichend Zeit hat, einen Nachfolger zu finden. Ich hätte es auch später machen können und wäre vermutlich bis zum Ende geblieben. Aufgehört hätte ich aber eh – und jetzt ist es halt ein halbes Jahr früher. Ich kann den Verein auch verstehen, wir gehen nicht im Bösen auseinander.

Gab es keine Alternativen? Zum Beispiel Sie gemeinsam mit Lutz Repschläger als Trainertandem. Ihr Nachfolger hätte auch auf diese Weise die Mannschaft schon kennenlernen können.

Das wäre schwierig geworden, denke ich. Man hätte sowohl mir als auch Lutz dasselbe Mitspracherecht einräumen müssen, das wäre eher ein Wischi-Waschi-Kurs gewesen. In meinen Augen wäre das nicht sonderlich sinnvoll gewesen. Ich weiß auch nicht, ob ich dazu Lust gehabt hätte. Aber so, wie es jetzt ist, ist es auch gut so. Lutz hat jetzt ausreichend Zeit, die Mannschaft kennenzulernen.

Abgesehen vom Einzug ins Pokal-Halbfinale verliefen die jüngsten Liga-Spiele nicht gut. Der SC Borgfeld hat sich nach sieben sieglosen Spielen in Folge (zwei Punkte) regelrecht in die Winterpause geschleppt. Hat das Ihre Entscheidung, am Saisonende zu gehen, befeuert?

Die letzten drei Spiele waren gegen die drei besten Teams der Liga, gegen die kann man auch verlieren. Bei anderen Gegnern gehen wir vielleicht mit Platz acht in die Winterpause. Aber das Ganze hat nichts mit meiner Entscheidung zu tun. Die stand nach dem Spiel gegen Oberneuland schon Ende November fest. Ich habe einfach gemerkt, dass ich nach zehn Jahren ununterbrochener Trainertätigkeit eine Pause brauche.

Gerade im letzten Spiel, dem 0:8 gegen den Bremer SV, waren aber auch gewisse Reibungsverluste zu vernehmen, was sich auf dem Platz in gegenseitigen Schuldzuweisungen niederschlug. Es drängt sich der Verdacht auf, als gäbe es zwei Lager im Team: Auf der einen Seite die Jungen, auf der anderen die Erfahrenen. Stimmt der Eindruck?

Die Ansprüche gerade der Jungen sind hoch. Das ist ja auch gut so, so soll es sein. Man darf ja auch nicht vergessen, dass sie zwei Jahre Regionalliga gespielt haben. So etwas wie beim Spiel gegen den Bremer SV gab es aber auch schon vorher, auch bei Spielen, die wir gewonnen haben. Aber es stimmt schon, dass die Ambitionen zwischen den Jungen und Erfahrenen anders sind. Das ist aber auch nachvollziehbar. Die Jungen gehen noch zur Schule oder stecken in der Ausbildung, die Erfahrenen stehen mehr im Leben, haben Freundin oder Familie, haben andere Prioritäten. Und für sie ist es auch schwieriger, diesen Leistungsgedanken zu verfolgen. Die Jungen kommen aus der Schule und können sich danach voll auf Fußball konzentrieren. Das ist ein Unterschied.

Aber gibt es denn diese zwei Lager?

Wie gesagt: Die Prioritäten sind bei den Älteren andere. Familie und Beruf spielen eine andere Rolle als der Fußball. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir uns stark verjüngt haben. Wir haben zehn Spieler aus der A-Jugend integriert, die wir ja auch wahrscheinlich verloren hätten, wenn wir sie in der Bremen-Liga nicht integriert hätten. Auf der anderen Seite gibt es auch Spieler, die beim Leistungsfußball nicht so angekommen sind. Das sind durchaus zwei Lager.

Wird es die größte Herausforderung Ihres Nachfolgers, beide Lager zusammenzuhalten?

Ich habe schon mit Lutz gesprochen, dass die jungen Spieler gewisse Erwartungen haben. Sein Vorteil aber ist: Wenn ein Neuer kommt, dann ist alles ruhig, weil sich jeder anbieten möchte. Aber natürlich: Man muss allen gerecht werden. Aber das wird Lutz schon schaffen.

Sie ohne Verein: Was machen Sie nun mit der größer gewordenen Freizeit?

Ich nehme einfach Abstand vom Fußball. Als Trainer ist man ja fast jeden Tag von morgens bis abends mit Fußball beschäftigt. Jetzt habe ich erst einmal Ruhe und werde die auch genießen. Vielleicht kicke ich ja noch irgendwo mit, mal gucken. Ich werde mir aber auf jeden Fall das ein oder andere Spiel von Borgfeld anschauen, ich wohne ja direkt um die Ecke. So ganz ohne Fußball geht es auch nicht.

Was wünschen Sie Ihrer Ex-Mannschaft für den Rest der Saison?

Ich wünsche mir, dass die Mannschaft ein gutes Halbfinale spielt. Das wird schwer genug gegen Oberneuland, aber ins Finale einzuziehen, hätte schon was. Und in der Liga ist Platz acht, und damit die Qualifikation für das Hallen-Masters, absolut machbar, es sind gerade ja nur zwei Punkte Rückstand. Außerdem haben wir die drei dicksten Brocken schon hinter uns. Überhaupt steckt in der Mannschaft unheimlich viel Potenzial. Wir hatten einige Verletzte, wenn die wiederkommen, bringen die auch Qualität mit. Und bei den Jungen passieren zum Teil noch dumme Fehler. Die haben uns schon einige Punkte gekostet. Aber das gehört zu der Entwicklung dazu, und wenn die Jungen mehr Erfahrung gesammelt haben, werden sie auch in Zukunft davon profitieren.

Und Sie: Werden wir Sie als Trainer irgendwann wiedersehen?

Irgendwann mit Sicherheit. Ich werde mir das aber in Ruhe anschauen. Wer weiß, wie lange ich es ohne Fußball aushalte. Aber im Moment habe ich da keine Eile. Es gab bis jetzt auch noch keine Gespräche oder Anfragen von anderen Vereinen.

Das Gespräch führte Dennis Schott.

Info

Zur Person

Ugur Biricik (40)

trat vor zweieinhalb Jahren das Amt des Trainers beim SC Borgfeld an, mit dem er in seiner zweiten Saison den Aufstieg in die Fußball-Bremen-Liga schaffte. Vor der Winterpause informierte er den Vorstand, zum Ende dieser Saison seinen Posten freigeben zu wollen, um mehr Zeit für sich und die Familie zu haben. Die Borgfelder Verantwortlichen baten den 40-Jährigen daraufhin, schon jetzt die Trennung zu vollziehen, um seinem Nachfolger Lutz Repschläger, der vorher die eigene Zweitvertretung trainierte, die Chance zu geben, seine Vorstellungen auch im Hinblick auf die neue Saison umzusetzen. Dieser Bitte kam Ugur Biricik schließlich nach.

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