Bedrohung für Pflanzen Weitere Institutionen sprechen sich gegen Hundewiese in St. Magnus aus

Die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz, die Landwirtschaftskammer Bremen und die Deutsche Gesellschaft für Landschaftskunst und Gartenkultur sind gegen die geplante Hundeauslauffläche in St. Magnus.
26.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Weitere Institutionen sprechen sich gegen Hundewiese in St. Magnus aus
Von Julia Ladebeck

Drei weitere Institutionen sprechen sich gegen die geplante Hundeauslauffläche am Raschenkampsweg in St. Magnus aus. Nachdem sich zuletzt der Bremer Naturschutzbund (Nabu) und der Arbeitskreis Bremen-Nord des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die Ausweisung der Wiese in Knoops Wald als Hundefreilauffläche gestellt haben, melden sich dazu nun auch die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz, die Landwirtschaftskammer Bremen und die Deutsche Gesellschaft für Landschaftskunst und Gartenkultur zu Wort.

In der Stellungnahme der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz (AGBS), die von der Vorsitzenden Susanne Wagner unterzeichnet ist, weisen die Natur- und Landschaftsschützer darauf hin, dass es sich bei der rund 3,6 Hektar großen Freifläche um eine besonders kräuterreiche Wiese handelt. Sie habe eine besondere Bedeutung als Lebensraum für Insekten. „Solche artenreichen Wiesen nehmen in der intensiv genutzten Kulturlandschaft immer mehr ab und sollten daher erhalten bleiben“, so die AGBS.

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Voraussetzung dafür sei die Fortsetzung der landwirtschaftlichen Grünlandnutzung. Diese umfasse eine Mahd Mitte Juni und eine weitere im Spätsommer oder Herbst, „wobei das Mahdgut unbedingt abgefahren werden muss und dann als Pferde- oder Rinderfutter verwertet werden kann. Eine Mulchmahd, „wie auf Rasenflächen in Grünanlagen üblich“, würde die biologische Vielfalt dagegen massiv reduzieren, ist die AGBS überzeugt.

„Nach Aussage des Biolandwirts, der diese naturverträgliche Grünlandnutzung seit rund zehn Jahren in Absprache mit dem städtischen Umweltbetrieb (UBB) praktiziert, ist bei einer Umwidmung zur Hundeauslauffläche (Status Grünfläche) keine Agrarförderung mehr möglich, sodass sich die landwirtschaftliche Nutzung ökonomisch nicht mehr trägt und dann aufgegeben werden müsste.“

Die AGBS weist auf „unnötige Kosten“ für die Unterhaltung der Grünfläche durch den Umweltbetrieb und die Gefährdung der Biotopfunktion hin und spricht sich dafür aus, dass es „bei der bisherigen multifunktionalen Nutzung“ bleibt. „Der Erhalt als öffentlich zugängliche, landwirtschaftliche Grünlandfläche entspricht auch am besten dem historischen Charakter des Parks“, schreibt Susanne Wagner abschließend.

Bedrohte Pflanzen

Die Landwirtschaftskammer Bremen spricht sich ebenfalls gegen die Umwidmung des Areals aus. Wie zuvor schon der BUND weist Geschäftsführer Markus Eggers in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Glatthaferwiese für das Jahr 2019 als „Pflanzengesellschaft des Jahres“ ausgewählt wurde. Wie berichtet, wächst auf der Wiese in Knoops Wald neben vielen Kräutern vor allem Glatthafer. Die Glatthaferwiese zähle aktuell zu den besonders bedrohten Pflanzengesellschaften Deutschlands, so Eggers. Es seien deshalb „dringend Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung“ notwendig.

Nach Ansicht der Landwirtschaftskammer wird die Wiese aktuell durch den Bio-Landwirt Ullrich Vey „optimal genutzt und gepflegt“. Die Frühjahrsruhe bis Anfang Juni garantiere eine ungestörte Entwicklung von Vögeln und Insekten. Deshalb sei der Erhalt der artenreichen und insektenfreundlichen Glatthaferwiese von „überaus großer Bedeutung“. Eggers weist in diesem Zusammenhang auf die nationale Biodiversitätsstrategie sowie Bestrebungen der EU und der Bundesregierung hin, die biologische Vielfalt zu fördern.

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Für Eggers spielt auch die Gefährdung landwirtschaftlicher Betriebe eine Rolle. Landwirtschaftlich genutzte Flächen würden in einem Stadtstaat wie Bremen aufgrund von fortschreitender Bebauung, Besiedlung und Umwidmung immer knapper, so der Geschäftsführer. Eggers schlägt eine andere Wiese als Hundefreilauffläche vor: „Die sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raschenkampsweg befindlichen Grünanlagen, eingefriedet und bereits intensiv gepflegt vom Umweltbetrieb Bremen, wären aus Sicht der Landwirtschaftskammer Bremen die deutlich bessere Wahl für eine mögliche Hundeauslauffläche.“

Der Landesverband Bremen / Niedersachsen Nord der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) geht es um den „kulturgeschichtlichen, heimatgeschichtlichen und künstlerischen Rang“ von Knoops Park, zu dem das Ensemble „mit all seinen Bestandteilen“, also auch Knoops Wald, gehöre. Der Park sei ein herausragendes Zeugnis der großbürgerlichen Landsitzkultur Bremens und dementsprechend in seiner Gesamtheit seit 2010 als Gartendenkmal in der Denkmalliste der Stadt Bremen eingetragen.

Kultur- und Naturdenkmal langfristig erhalten

„Aufgrund dieser hohen Wertigkeit muss sich jede heutige und künftige Nutzung innerhalb des gesamten Parkareals auch diesem hohen Qualitätsniveau stellen, denn nur so ist dieses Kultur- und Naturdenkmal langfristig zu erhalten“, heißt es in der Stellungnahme. Eine Umwidmung der großen Wiese in eine Hundefreilauffläche wäre dem Kulturdenkmal Knoops Park „gänzlich abträglich“, findet die DGGL.

In ihrer Stellungnahme geht die Gesellschaft auf die Entstehungsgeschichte des Parks ein, der im Auftrag von Baron Knoop ursprünglich und fast gleichzeitig mit dem Bürgerpark durch Wilhelm Benque angelegt wurde. Er sei später bis zur Bahnlinie Bremen-Vegesack erweitert und dabei „besonders in diesem Teil“ ab 1899 durch den Gartenkünstler Christian H. Roselius zu einem Park im Stil einer „ornamented farm“ durchgestaltet worden.

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Was das bedeutet, erläutern die Experten für Landschaften, Parks und Gärten: „... das Nützliche sollte mit dem Schönen verbunden sein.“ Diese Landschaftsgestaltung sei ablesbar durch Baumstellungen, landwirtschaftlich genutzte Parkräume und die darin geführten Sichten. „Dabei wird der ovale Wiesenbereich durch eine ein- und ausschwenkende Gehölzkulisse besonders gefasst. Der umlaufende Weg, als erlebnisreicher Gehölzrandweg gestaltet, ermöglichte vielfältige Einblicke auf den Wiesenbereich, wodurch eine natürliche Landschaft empfunden wird.“ Dieses gelte es im besonderen Maße zu stärken und wieder herauszustellen.

„Der Blick auf eine vermutlich größer werdende Schar Hunde auf der Wiese, die zudem eingezäunt sein müsste, um Parkbesucher, Rehwild und Vögel vor Übergriffen durch die Hunde ganzjährig zu schützen, würde ein gänzlich unstimmiges Bild ergeben und ist für das Parkerleben und den Erhalt der Parklandschaft vollkommen ungeeignet“, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur.

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