Bauressort Bremen plant Erhaltungssatzung

Charakter der Vogelweide soll bewahrt werden

Die Stadtplanung bereitet eine Erhaltungssatzung für das Wohngebiet vor. Ihr Ziel ist es, den Charakter des Quartiers künftig vor grundlegenden Veränderungen zu schützen und seine Gestalt zu bewahren.
25.03.2021, 11:14
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Von Anke Velten
Charakter der Vogelweide soll bewahrt werden

Der Charakter der historischen Siedlung Vogelweide soll erhalten bleiben.

Roland Scheitz

Weidedamm. Das Bremer Bauressort plant eine Erhaltungssatzung für das Wohngebiet Vogelweide. Ihr Ziel ist es, den Charakter des Quartiers künftig vor grundlegenden Veränderungen zu schützen und seine Gestalt zu bewahren. Mit dem einstimmigen Wohlwollen des Findorffer Bauausschusses werden sich die Stadtplaner nun an die Ausarbeitung machen. Beirat und Bewohnerschaft sollen ausführlich an dem Prozess beteiligt werden.

Zum Schutz von Gebieten, die von wichtiger städtebaulicher oder historischer Bedeutung für eine Kommune sind, sieht Paragraf 172 des Baugesetzbuches das Instrument der Erhaltungssatzung vor. Als stadtweit außergewöhnliches Beispiel der Reformarchitektur zwischen den beiden Weltkriegen seien diese Voraussetzungen für die Vogelweide gegeben, erklärte Stadtplaner Max Graap den Ausschussmitgliedern. Das Ensemble der insgesamt 98 „Eigenheime am Bürgerpark“, das von Utbremer Ring, Innsbrucker, Bozener und Hemmstraße umschlossen ist, wurde im Jahr 1936 vom Gemeinnützigen Bremer Bauverein errichtet nach Plänen von August Abbehusen (1975-1941). Der renommierte Bremer Architekt zeichnete auch für das Goethetheater, das Blumenthaler Rathaus, die Schule an der Carl-Schurz-Straße und die Christus-Kirche in Woltmershausen verantwortlich. Die Siedlung Vogelweide war eines der letzten Projekte Abbehusens, der auf dem Riensberger Friedhof begraben ist.

Für die 49 Doppelhäuser wählte er den zeitgenössischen Heimatstil. Charakteristisch für das Quartier seien der geschlossene Siedlungskörper, die symmetrische Anordnung, die begrünten Vorgärten und tiefergelegten Gärten sowie prägnante städtebauliche Elemente in Form, Farbe, Material und Ornamentik, so Graap. Im Jahr 2010 hatten sich mehr als 50 Anwohner mit einer Unterschriftenliste dafür eingesetzt, über verbindliche Vorgaben das Erscheinungsbild der Siedlung zu erhalten. Anlass war die Beobachtung, dass Häuser im Quartier zur Unkenntlichkeit modernisiert und saniert worden waren. Im Landesamt für Denkmalpflege hatte man zuvor bereits geprüft, ob das, so Landeskonservator Georg Skalecki, „bemerkenswerte Ensemble“ unter Denkmalschutz gestellt werden könnte. Die Kriterien seien nicht erfüllt, weil im Laufe der Zeit bereits so viel verändert und umgebaut worden sei, „dass der Ursprungscharakter zu sehr gestört ist“, hatte Skalecki seinerzeit erklärt. Im Unterschied zum Ensembleschutz sei die Erhaltungssatzung ein „milderer, niedrigschwelliger“ Schutzmechanismus, erläuterte Stadtplanerin Georgia Wedler dem Bauausschuss. Für die Eigentümer bedeutet eine Erhaltungssatzung, dass bauliche Änderungen, Nutzungsänderungen, Abbruch oder Errichtung vom Bauordnungsamt geprüft und genehmigt werden müssen.

Es hat einen aktuellen Hintergrund, dass das Quartier nun wieder ins Visier der Stadtplaner geraten ist. Mit dem neuen Baurecht wollen die Stadtplaner einem Bauvorhaben zuvorkommen, das, so Graap, „das Gebiet grundlegend verändern würde.“

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