Bremer Bürgerpark

Parkchaos an der Festmeile

Sogar im Bürgerpark stellten Freimarktbesucherinnen und -besucher in diesem Jahr ihre Autos ab. Der Bürgerparkdirektor und Ulf Jacob vom Findorffer Stadtteilbeirat schlagen Alarm.
04.11.2018, 20:09
Lesedauer: 4 Min
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Von Eva Przybyla

Sogar im Bürgerpark stellen viele Freimarktbesucherinnen und -besucher ihre Autos ab. Bis zu 40 Falschparker zählte der Bürgerparkdirektor, Tim Großmann, am Reformationstag ab 14 Uhr auf der Zufahrtsstraße zum Café „Emma am See“. „Falschparker hat es während des Freimarkts immer gegeben, aber nicht in der Intensität wie in diesem Jahr“, berichtet der Parkdirektor, Tim Großmann.

Auf der kleinen Straße im Herzen der Grünanlage herrscht absolutes Parkverbot. Nur Café-Besucher dürfen die Zufahrt, die von der Findorffallee abgeht, nutzen. „Besucher des Freimarkts setzen sich darüber gedankenlos hinweg“, sagt Großmann entrüstet. Dabei machen sie nicht nur die Wege kaputt, sondern bringen auch Radfahrer und Fußgänger in Gefahr.

Denn die rechnen auf der Parkstraße nicht mit intensivem Verkehr. „Die Autofahrer haben die Leute fast umgefahren“, sagt Großmann. Beim Ein- und Ausparken hätten die Falschparker nicht viel Rücksicht genommen.

Privater Sicherheitsdienst sollte bestellt werden

Für das letzte Freimarktswochenende wollte die Bürgerparkverwaltung sogar einen privaten Sicherheitsdienst bestellen. Aber alle Anbieter seien ausgebucht, so Großmann. Das private Sicherheitsteam hätte die Falschparker dann nicht mehr von der Findorffallee in den Park abbiegen lassen sollen.

Eine Arbeit, der die Polizei gar nicht ausreichend nachkommen könne, sagt Bürgerparkdirektor. Einen privaten Sicherheitsdienst hatte der Park bereits zum Weltkindertag einmal eingesetzt.

Für Großmann war das ein Erfolg, aber leider ein teurer. Für den nächsten Freimarkt verlangt er Änderungen und sieht besonders den Veranstalter und die Polizei in der Pflicht. Der Bürgerparkdirektor fordert, dass sie Ordner auf der Findorffallee einsetzen.

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Während des Freimarkts kommt es jedes Jahr zu zahlreichen Parkverstößen um die Bürgerweide. In der näheren Umgebung stehen keine Parkplätze zur Verfügung, lediglich Parkhäuser in der Innenstadt und Park-and-ride-Möglichkeiten in Horn können Besucher nutzen, um ihre Pkw abzustellen.

Das Parken in den umliegenden Anwohnergebieten ist nicht erlaubt. „Es gibt direkt am Bremer Freimarkt keine Parkmöglichkeiten!“, heißt es bereits auf der Freimarkt-Homepage zur Anreise. Doch viele Freimarktfans versuchen trotzdem, einen nahen Parkplatz zu ergattern.

Das führte auch in diesem Jahr bereits nach dem ersten Freimarktwochenende zu Anwohnerbeschwerden. Die engen Straßen, die von der Findorffallee abgehen, wurden von vielen Autos besonders mit auswärtigen Kennzeichen verstopft, wie Radio Bremen berichtet.

Autos durften nicht von der Findorffstraße in die Anwohnergebiete abbiegen

In den Vorjahren konnten Pkw-Fahrer die kleinen Seitenstraßen gar nicht befahren, weil die Verkehrsbehörde gleich zu Beginn des Freimarkts die Einbahnstraßen drehte. So durften Autos nicht von der Findorffstraße in die Anwohnergebiete abbiegen. Doch das sei in diesem Jahr nicht möglich gewesen, erklärt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV).

Wegen einer Baustelle von Hansewasser auf der Findorffstraße vor dem Tunnel ist die Straße derzeit teilweise gesperrt. Eine dazugehörige Durchfahrtsbarriere sei der Grund für fehlende Wendemöglichkeiten in der Findorffstraße, erklärt Stellmann. Deshalb müssen alle Seitenstraßen in diesem Jahr befahrbar bleiben.

Nur so kann der Verkehr abfließen. An das Parkverbot für Nicht-Anlieger halten sich dann jedoch nicht alle. „Überall dort, wo wir nicht physische Barrieren aufbauen, kann man das gar nicht verhindern“, sagt Stellmann, „Blech sucht sich immer seinen Weg.“

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Daran ändere auch das Drehen der Seitenstraßen nicht viel. Als „bestenfalls linderndes Mittel“, bezeichnet es der ASV-Sprecher. Gegen die Verstöße könne die Verkehrsbehörde wenig unternehmen. Sie versuche trotzdem die Anwohner, so gut es geht, zu unterstützen, sagt Stellmann. Nach den Beschwerden der Anwohnerschaft in Findorff verstärkten sowohl die Polizei als auch das Ordnungsamt ihre Kontrollen rundum den Freimarkt.

Insgesamt seien im Laufe des Freimarkts in Zusammenarbeit von Ordnungsamt und Polizei 2317 Ordnungswidrigkeiten erfasst und rund 50 Fahrzeuge abgeschleppt worden, so die Innenbehörde. Täglich seien es zwischen 60 und 250 Verkehrsverstöße. Dass Parkplatzprobleme entstünden, sei jedoch bei einem Volksfest dieser Größenordnung nicht zu vermeiden, so die Behörde.

Deshalb müsse man priorisieren, eine Überwachung des Torfkanals könne deshalb nicht gewährleistet werden. In Zukunft wolle die Polizei Bremen dem Veranstalter empfehlen, noch umfassender über Park-and-ride-Angebote zu informieren. Ebenso empfehle die Polizei, die Einrichtung von Baustellen während der Freimarktzeit zu vermeiden.

Von Organisation schockiert

Die Freimarktbesucher besser über legale Parkmöglichkeiten zu informieren, das fordert auch Ulf Jacob (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Stadtteilbeirats Findorff. Er ist auch der stellvertretende Sprecher des Findorffer Ausschusses für Bau, Umwelt und Verkehr. Obwohl er den Freimarkt sehr schätze und selbst dorthin gehe, sei er in diesem Jahr von der Organisation schockiert.

„Da sind Dämme gebrochen“, sagt Jacob. Dass Freimarktsbesucher in den Bürgerpark fahren, will er nicht akzeptieren. Er kündigt an, einen Antrag in der nächsten Beiratssitzung zu stellen. Darin will Jacob ein umfassendes Verkehrskonzept fordern. Der Adressat ist der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner (SPD). „Die Verantwortung liegt beim Veranstalter“, sagt Jacob, der eine bessere Regulierung des Verkehrsflusses schon für die Osterwiese im April fordert.

Der Wirtschaftssenator hat jedoch bisher keine Stellung zu dem Parkchaos bezogen. Er verwies den WESER-KURIER zu allen Fragen rundum die Falschparker an die Ordnungsämter und die Polizei. Änderungen an der Verkehrsführung rund um den Freimarkt seien laut ASV-Sprecher Martin Stellmann auch von der Verkehrsbehörde nicht geplant. Der Bürgerparkdirektor wird ein „Weiter so“ wohl kaum akzeptieren: Mit der Polizei in Schwachhausen sowie dem Ortsamt in Findorff sei er bereits im Gespräch. „Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden“, sagt Tim Großmann ganz optimistisch.

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