Ideen gesucht Was passiert mit Uferstreifen am Torfkanal?

Was braucht und wünscht sich Findorff für den Uferstreifen am Torfkanal: Wohnhäuser in 1a-Wasserlage? Anwohner, Gastronomen und vor allem Kinder sollen sich dazu äußern.
08.04.2022, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Was braucht und wünscht sich Findorff für den Uferstreifen am Torfkanal: Wohnhäuser in 1a-Wasserlage? Gastronomische und sportliche Angebote? Eine Kita? Oder lieber einen naturbelassenen Ort zum Entspannen und Erholen? Die „Ideenmacherei“ ist eröffnet. Vorschläge, wie das Areal aufgewertet und besser nutzbar gemacht werden könnte, werden in den kommenden Wochen digital und vor Ort gesammelt. Die Einladung der Stadtplanung richtet sich an alle Findorffer und ganz speziell auch an Kinder und Jugendliche.

Das Verfahren

Konkrete Pläne für die Flächen gebe es derzeit noch nicht, heißt es aus dem Haus der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Sie sollen gemeinsam mit den Bürgern erarbeitet werden. Ziel des ergebnisoffenen Verfahrens mit dem Titel „Ideenmacherei“ sei es, „miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Vorstellungen, Ideen für dieses Gebiet zu entwickeln und sich dazu auszutauschen.“

Online hat die „Phase Null“ des Partizipationsprojekts bereits begonnen: Über die Adresse www.torfkanal.beteiligung.bremen.de werden Ideen. Vor Ort startet am Sonnabend, 23. April, 11 Uhr, ein zweistündiger Erkundungsspaziergang. Treffpunkt ist an der Ecke Weidedamm/Utbremer Ring. Anschließend ist ab 13 Uhr Gelegenheit zum Austausch im Landesinstitut für Schule (LiS), Am Weidedamm 20.

Für Sonnabend, 21. Mai, 11 Uhr, ist im LiS eine „co-kreative“ Ideenwerkstatt angesetzt, bei der Nutzungsszenarien öffentlich vorgestellt und diskutiert werden. Für Anmeldungen und weitere Fragen wurde die Mail-Adresse beteiligung-torfkanal@bau.bremen.de eingerichtet. Im Rahmen der Findorffer Beiratssitzung am Dienstag, 5. Juli, sollen die Erkenntnisse aus dem Beteiligungsverfahren präsentiert werden.

Das Planungsgebiet

Im Fokus der Stadtplaner steht das rund 7000 Quadratmeter große Areal zwischen Torfkanal und der Straße am Weidedamm, das ab Höhe Utbremer Ring eine Bucht zwischen Straße und Wasser bildet. Im Laufe der Geschichte entwickelte der Uferstreifen ein Eigenleben mit Handwerksbetrieben, Gärtnereien, Parzellen und kleinen Gaststätten. Nach und nach siedelten sich Bootsbaubetriebe an, die wiederum Wassersportler und –vereine anzogen. Vor allem in den Nachkriegsjahrzehnten boomten Wassersport und Gastlichkeit am Torfkanal.

Danach wurde es dort immer ruhiger. Liebevoll gepflegte Parzellen grenzen an Brachgrundstücke. Im Sommer 2020 kam mit dem Abriss der markanten ehemaligen Steinforth-Werft eine weitere Brachfläche dazu. Mit Ausnahme des knapp 1800 Quadratmeter großen Areals um das Bootshaus Bolte, das sich in Familienhand befindet, gehören sämtliche Grundstücke zum so genannten „Sondervermögen Infrastruktur“ der Freien Hansestadt Bremen.

Die Vorgeschichte

2005 hatte die Baubehörde einen Versuch unternommen, planungsrechtlich Ordnung auf dem Areal zu schaffen. Die Stadtplaner stellten sich ein Sondergebiet „Wassersport am Torfkanal“ vor, mit geringer Bebauung, der Nutzung durch Wassersportvereine, viel Grün, aber auch gastronomischen Angeboten. Eine Gruppe von Anwohnern übersetzte das als „Schlachte II“, prophezeite Lärm, Verkehr und Trubel, legte schriftlich Widerspruch ein und kippte das Projekt im Anfangsstadium.
In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder Akteure mit Ideen für künftige Nutzungen auf. Ende 2017 berichtete Stadtplanerin Georgia Wedler dem Findorffer Bauausschuss, nach den Erfahrungen im Jahr 2005 wolle man sich „nicht noch einmal verhauen lassen“. Eine „Grünfläche neben einer riesigen Grünfläche“ sei allerdings auch nicht das, was sich die Stadtplanung unter einer sinnvollen Nutzung vorstelle. Anfang Februar dieses Jahres überraschte ein Vertreter der Bildungssenatorin den Findorffer Bildungsausschuss mit der Information, dass das Gebiet am Torfkanal für den Bau einer Kita geprüft werden solle.

Grüne Insel Weidedamm

Im November 2020 kündigte Baustaatsrätin Gabriele Nießen im Bauausschuss an, dass das Ressort einen neuen Vorstoß für einen Bebauungsplan mit einem vorgeschalteten Beteiligungsverfahren plane. Im Mai 2021 stellte eine Arbeitsgruppe aus Kreisen der Findorffer Grünen daraufhin ihr Konzept für eine „Grüne Insel Weidedamm“ vor, die zum Vorteil möglichst vieler Menschen genutzt werden könnte. Grundsätze des Konzepts seien der Schutz der wertvollen alten Grünflächen sowie der völlige Verzicht auf Bebauung und Versiegelung, hieß es.

Die Anwohnerinitiative

Auch eine Gruppe von Nachbarn hat sich bereits positioniert – mit Vorstellungen darüber, was am Torfkanal keinesfalls entstehen sollte, nämlich jegliche Form von Bebauung und alles, was mehr motorisierten Verkehr mit sich bringen würde. Die rund zwanzig Mitglieder der „Initiative Torfkanal“ argumentieren: Vor dem Hintergrund des Klimawandels und mit den Erfahrungen aus der Pandemie liege ein Erhalt dieses „grünen Schatzes“ im Interesse des ganzen Stadtteils und der gesamten Stadt. „Wir wissen, dass dieses Gebiet viele Begehrlichkeiten weckt“, sagt Initiativen-Sprecher Christian Stührmann. „Darum mussten wir aktiv werden“. Die Initiative plädiert für die Entwicklung einer naturnah gestalteten durchgehenden grünen Achse, wie sie auch das Bremer Landschaftsprogramm 2015 vorsehe. Kontakt zur Anwohnerinitiative: initiative-torfkanal@web.de.

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