Pläne für neue Bahnwerkstatt Bahnwerkstatt zieht größere Kreise

Die Standort-Suche für die ab 2024 benötigte neue Bahnwerkstatt sollte ressortübergreifend geschehen und breit diskutiert werden: Das meinen mehrere Mitglieder der Verkehrsdeputation und auch die Senatorin.
07.12.2020, 05:00
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Bahnwerkstatt zieht größere Kreise
Von Anne Gerling

Oslebshausen. Ist das Hafenbahn-Areal an der Reitbrake in unmittelbarer Nähe der neungeschossigen Wohnanlage Wohlers Eichen mit etwa 250 Wohnungen wirklich der richtige Standort für eine neue Bahnwerkstatt? Und wer sollte solch eine Frage beantworten, die am Ende nicht nur negative Auswirkungen für die unmittelbaren Nachbarn, sondern auch für die bremische Wirtschaft und darüber hinaus haben könnte? Darüber ist am Donnerstag in der Verkehrsdeputation der Bürgerschaft diskutiert worden.

Deutlich wurde dabei vor allem auch dies: Die Belange der Oslebshauser werden von der Politik durchaus wahrgenommen. „Die Lärmproblematik ist etwas, was man ernst nehmen und im Planfeststellungsverfahren betrachten muss. Gesundes Wohnen muss sichergestellt sein“, sagte etwa Deputationssprecher Falk Wagner (SPD) – auf der anderen Seite wolle man natürlich auch gerne die Bahnwerkstatt-Arbeitsplätze in Bremen haben. Auch für Ralph Saxe (Grüne) wiegen die Interessen der Anwohner schwer. „In dem Gebiet gibt es schon Belastungen, und mit einer Bahnwerkstatt wären es dann erheblich mehr. Und außerdem würden die Züge auch noch 15 Kilometer durch andere Stadtteile fahren“, sagte er und wollte außerdem wissen, ob auch andere Standorte geprüft worden seien.

Diese Frage beschäftigt auch Thore Schäck (FDP). „Es wird dort zwangsläufig zu Belastungen führen, wenn die Werkstatt gebaut wird. Aber dann muss man sich die Frage stellen, ob das dort das beste Gebiet ist und ob dies den Stadtteil in die richtige Richtung bewegen wird“, sagt er: „Ich würde vorschlagen, noch mal gemeinsam darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll wäre, über andere Grundstücke nachzudenken.“

„Ich kann die Anwohner sehr gut verstehen“, zeigte sich auch Verkehrssenatorin Maike Schaefer offen für die Probleme der Oslebshauser. Ihr Ressort sei aber letztlich lediglich im Zuge des zugehörigen Planfeststellungsverfahrens an der Angelegenheit beteiligt: „Uns gehört die Fläche nicht. Wenn es dazu kommt, dass sie an einen Bieter verkauft wird, dann werden wir beteiligt, um zu prüfen, was die Sorgen der Anwohner sind.“ Deshalb müsse man, wenn man eine Bahnwerkstatt in Oslebshausen ablehne, die Diskussion darüber führen, ob Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) die Fläche verkaufen dürfe.

„Niemand hat ein Recht darauf, von der Stadt ein Grundstück verkauft zu bekommen. Die Stadt fällt hier eine hochpolitische Entscheidung mit vielen Konsequenzen“, wies Linken-Landeschef Christoph Spehr auf Bremens Verantwortung in der Sache hin: „Deshalb müssen wir dazu einen Prozess hinkriegen, und der muss bald sein!“

Die Diskussion um die Bahnwerkstatt müsse im Senat geführt werden, stimmte Schaefer zu und regte an, „ein Format zu finden, wo sich alle Ressorts und alle Fraktionen treffen. Das ist eine Entscheidung der Stadt. Es geht um Arbeitsplätze, Lärmschutz und das vorhandene Schienennetz.“

Branchenkreisen zufolge gebe es in Bremen durchaus alternative Standort für die neue Bahnwerkstatt, etwa die im Besitz der Deutschen Bahn befindliche Brache Oldenburger Kurve oder den alten Waller Rangierbahnhof. Laut Gunnar Polzin, Leiter der Verkehrsabteilung im Haus von Maike Schaefer, sprechen jedoch bahnbetriebliche Aspekte wie eine eingeschränkte Erreichbarkeit oder auch eine anderweitige Nutzung gegen diese Grundstücke.

Dieter Winge, Sprecher der Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu, die sich entschieden einen anderen Standort wünscht, zeigte sich nach der Deputationssitzung verhalten optimistisch: „Das Thema scheint ja jetzt auf der politischen Agenda zu sein, wo es hingehört.“

Und es zieht auch schon Kreise über Bremen hinaus: Maike Schaefer, Claudia Schilling und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) haben nämlich mittlerweile zu dem Thema auch Post aus Bremerhaven bekommen. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) befürchtet nämlich negative Auswirkungen für den Güter- und Personenverkehr auf dem ohnehin schon stark ausgelasteten Schienen-Ast in Richtung Bremerhaven, falls es tatsächlich zur Ansiedelung der Bahnwerkstatt in Oslebshausen käme.

Info

Zur Sache

Bahnwerkstatt

Die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) Niedersachsen möchte ab Dezember 2024 neue Personenzüge im sogenannten Expresskreuz Bremen/Niedersachsen zwischen Osnabrück, Hannover, Norddeich und Bremerhaven fahren lassen. Teil der Ausschreibung, die im Februar 2021 entschieden werden soll, ist eine Werkstatt, in der die neuen Züge gewartet, repariert und gereinigt werden. Als möglichen Standort haben offenbar mehrere Bewerber ein städtisches Gelände der Hafeneisenbahn an der Reitbrake ins Auge gefasst.

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