Kleingartenverein Bauernweide

Parzellisten bedanken sich beim Beirat

Der sogenannte Durchstich zwischen Ritterhuder Heerstraße und Bauernweide ist seit gut einer Woche fertig. Die Mitglieder des Kleingartenvereins Bauernweide haben sich dafür nun beim Beirat bedankt.
04.05.2020, 05:40
Lesedauer: 4 Min
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Parzellisten bedanken sich beim Beirat
Von Anne Gerling

Wann immer es die Zeit erlaubt, wird neuerdings beim Kleingärtnerverein Bauernweide in Oslebshausen in alten Unterlagen gestöbert. Im kommenden Jahr gibt es den einzigen organisierten Kleingartenverein in Oslebshausen nämlich seit genau 100 Jahren. Ein guter Anlass, um die Vereinsgeschichte aufzuarbeiten.

„Wir sind gerade am Forschen. Man muss ganz schön schnüffeln – das ist allerdings sehr zeitaufwendig und unser Vorstand steht komplett im Berufsleben“, erzählt die Vereinsvorsitzende Kerstin Uhlhorn.

Das Bauernweide-Gebiet erfreut sich offensichtlich großer Beliebtheit; alle 327 Gärten an den insgesamt 13 Wegen sind Uhlhorn zufolge verpachtet: „Wir haben aktuell keine freien Parzellen mehr und auf der Warteliste stehen zehn Anwärter.“

Interessant sei das Areal vor allem auch deshalb für viele Leute, weil es gleich in der Nähe gute Einkaufsmöglichkeiten gebe, sagt Uhlhorn: „Außerdem kommt man von hier aus mit dem Rad schnell zum Grambker See und zum Nachtweidesee, der beim Bau der Autobahn ausgebaggert worden ist.“

Gartenheimer mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln aus Walle, Gröpelingen, Oslebshausen oder auch Osterholz-Scharmbeck beackern hier ihre Schollen – die Kommunikation über den Gartenzaun hinweg laufe dabei unter den Mitgliedern sehr gut, findet die Vereinsvorsitzende. Nachdem zwischenzeitlich in vielen Gärten hauptsächlich „Rasen, Grün und Liegen raus“ angesagt war, sei es im Laufe der Jahre mit dem Anbau von Obst und Gemüse wieder mehr geworden, hat Uhlhorn dabei bemerkt: „Bei vielen sind jetzt Hochbeete im Trend.“

Mittlerweile sei der Verein auch wieder jünger und kinderreicher geworden, kann Uhlhorn berichten: „Zu unseren Sommerfesten kommen normalerweise 300 Kinder. Zum Ostereiersuchen, das wir wegen Corona dann ja leider absagen mussten, waren 70 Kinder angemeldet.“ Viele Vereinsmitglieder genießen während der Pandemie die Zeit im Garten vermutlich umso mehr, und auch von dem Großbrand im Industriehafen vor einigen Tagen hat man hier zum Glück nicht viel mitbekommen – der schwarze Rauch war in eine andere Richtung abgezogen.

Längst vergessen sind auch die eher unschönen Nebenwirkungen der einstigen Nähe zur Blocklandautobahn. So hatte Mitte der 1970er-Jahre bei einer vom Landesverband angeregten bremenweiten Untersuchung des Gesundheitsressorts der beim Verein Bauernweide geerntete Grünkohl Platz eins belegt: Einige Pflanzen, die 20 bis 50 Meter vom Böschungsfuß der Autobahn entfernt wuchsen, wiesen damals einen Bleigehalt von 3,1 Milligramm pro Kilo auf – als gerade noch zulässig galten 0,5 Milligramm.

Anfang der 1990er-Jahre wurde dann eine Fläche gleich neben dem Vereinsgelände quasi zum Eldorado für Privatleute und Unternehmer, die ihren Müll zum Nulltarif loswerden wollten. Teppiche, Schränke, alte Reifen und Schutt wurden dort am Wochenende und nach Feierabend klammheimlich abgeladen.

Damals wurde dort für einen 750 Meter langen und etwa acht Meter hohen Lärmschutzwall an der Autobahn-Querspange A281 das Gelände aufgeschüttet – wie sich allerdings schließlich herausstellte, hatten die Planer sich dabei verrechnet: Beim Auskoffern für die neue Autobahntrasse fiel nicht so viel Erdreich an, wie für den Schutzwall benötigt wurde. Deshalb wurden auch Betonbrocken, Mauersteine, Fliesen, Gehwegplatten oder Holzbalken verbaut, die Bauunternehmen anliefern konnten. Beirat und Parzellisten waren empört und warnten, dass hier eine wilde Müllkippe entstehe. Dabei könnten womöglich auch giftige Substanzen wie Farben und Lacke ins Erdreich gelangen und das Grundwasser verunreinigen. Der damalige Vereinsvorsitzende Bodo Wille filmte damals mit der Videokamera, wie auch Heizungsrohre, Fahrräder, Teppiche, Matratzen oder Farbeimer dort abgeladen wurden.

Die Behörden bereiteten dem schließlich ein Ende und auch das Problem mit den vielen anfahrenden Autos und Lkw auf der früheren Autobahnzufahrt in direkter Nähe zum Vereinsgelände erledigte sich mit der Umgestaltung des Areals: Die „alte Ritterhuder Heerstraße“, wie sie heute genannt wird, wurde in Höhe Bauerndobben abgehängt und der Verkehr seitdem über das Oslebshauser Tor auf die Autobahn geleitet.

Dies änderte allerdings nichts daran, dass Parzellisten, die mit dem Auto ihre Gärten beim Verein Bauernweide ansteuerten, durch das Wohngebiet Randweg/Bauernweide/Krumme Reihe fahren mussten. Vor allem an den Wochenenden, an denen manchmal bis 2 Uhr nachts oder später im Vereinsheim gefeiert wurde, nervte der Parzellen-Durchgangsverkehr wohl so manchen. Einige Anwohner parkten schließlich ihre Autos so, dass ein Durchkommen schwierig wurde. Auch der Vereinsvorstand sei darüber nicht gerade glücklich gewesen, sagt die Vorsitzende Kerstin Uhlhorn: „Ich kann die Anwohner da auch verstehen.“

Zum Glück sind auch diese Zeiten nun passé. Im Jahr 2008 hatte Anwohner Bernd Brejla – mittlerweile Mitglied der Linksfraktion im Gröpelinger Beirat – gemeinsam mit einigen Nachbarn beantragt, das Wohngebiet durch eine direkte Anbindung der Bauernweide an die Ritterhuder Heerstraße vom Kfz-Durchgangsverkehr zu entlasten. Vier Jahre lang geschah nichts, dann griff Rolf Heide (SPD) das Thema wieder auf, der als Vorsitzender der Kleingärtner-Interessengemeinschaft Gröpelingen-Oslebshausen in engem Kontakt zum Verein Bauernweide stand.

Gemeinsam mit dem damaligen Bauausschusssprecher Hannes Grosch (SPD) hatte er das Thema immer wieder im Bauausschuss angesprochen und dazu Anträge auf den Weg gebracht. „Es wurde zweimal aus Kostengründen vom Amt für Straßen und Verkehr abgelehnt“, erzählt Heide. Als dann die Beiräte ein eigenes Stadtteilbudget für Verkehrsangelegenheiten zugeteilt bekamen, machte er mit der Unterstützung von Bauausschusssprecher Muhammet Tokmak (SPD) einen weiteren Anlauf – und dieses Mal konnte das Vorhaben endlich mit Unterstützung durch Mark Castens, Referatsleiter beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV), umgesetzt werden. Kerstin Uhlhorn freut sich und auch vom Landesverband der Gartenfreunde gibt es Lob für die Gröpelinger Ortspolitik: „Es ist wunderbar, dass die Durchfahrt gemacht wurde. Toll, dass der Beirat sich darum gekümmert hat – wir sind dafür sehr dankbar“, sagt Klaus Lies vom Vorstand des Landesverbands.

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