Positionspapier zur Galopprennbahn BUND und Architektenkammer empfehlen „Nein“ zum Volksentscheid

Das „Bündnis für eine lebenswerte Stadt“ spricht sich für eine Teil-Bebauung der Galopprennbahn aus. Dabei sind unter anderem der BUND und die Architektenkammer. Sie empfehlen ein „Nein“ beim Volksentscheid.
26.04.2019, 20:12
Lesedauer: 3 Min
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BUND und Architektenkammer empfehlen „Nein“ zum Volksentscheid
Von Nina Willborn

Der Volksentscheid über die Zukunft der Galopprennbahn hat nun auch die laut Selbstbeschreibung „grünen“ Verbände und Vereine auf den Plan gerufen. Vier Wochen vor dem Entscheidungstag des Volksentscheids, dem 26. Mai, positioniert sich das „Bündnis für eine lebenswerte Stadt“ gegen die Bestrebungen der Rennbahn-Bürgerinitiative (BI), die das rund 36 Hektar große Gelände unbebaut lassen will.

Inhaltlich kommen die Vertreter von Architektenkammer, der Bremer Landesgruppen von Bund Deutscher Landschaftsarchitekten und Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie des Verbands für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau zum selben Schluss, wie die vom Deutschen Gewerkschaftsbund angeführte Allianz aus 20 Organisationen: Eine Bebauung auf dem Areal wäre im Sinne eines wachsenden Bremens wünschenswert, vorausgesetzt, dass mindestens ein Drittel „als öffentliche Grün- und Erholungsfläche entwickelt wird“, heißt es in dem Positionspapier. „Ein Volksentscheid gegen die Bebauung der Galopprennbahn würde wichtige Entwicklungsperspektiven für den Bremer Osten langfristig blockieren.“

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Aus klimatologischer Sicht sei die Galopprennbahn nicht von herausragender Bedeutung für Bremen, sagt Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Bremen. Das gelte ebenso für den Naturschutz. Die BI führe zwar in ihrer Argumentation gegen die Bebauung alte Bäume und auf der Roten Listen geführte Tiere an.

„Aber aus einem Gutachten zum Artenschutz von Januar geht hervor, dass es tatsächlich um eine Vogelart geht, die auf der Roten Liste steht und um vier, die auf der Vorwarnliste stehen“, sagt Rode. Zudem seien die meisten der insgesamt 35 Brutvogelarten im Gebiet des Wäldchens im Norden des Areals zu finden, für das eine Bebauung nach derzeitigem Stand gar nicht vorgesehen sei. Rode: „Es gibt kein grundsätzliches Problem mit Naturschutzinteressen.“

Populistische Zuspitzung der Initiative ist ein Problem

Worin die Unterzeichner aber ähnlich wie andere Kritiker der BI ein Problem sehen, ist die populistische Zuspitzung der Initiative um Sprecher Andreas Sponbiel auf die Frage „Grün oder Beton“. „Das ist eine grobe Vereinfachung“, sagt Christoph Theiling, Vorstand der Architektenkammer. „Neue Quartiere würden heute nie nur aus Beton gebaut.“ Er führt als Beispiele den Ellener Hof, der ein Fahrradmodellquartier werden soll und die Bebauung auf dem Stadtwerder an.

Harald Mikulla, Geschäftsführer des Verbands für Garten- und Landschaftsbau, fügt hinzu: „Der Gegensatz ,Grün gegen Beton‘ ist einfach nicht mehr aktuell, weil Bauen inzwischen unter ganz anderen klimapolitischen Voraussetzungen stattfindet.“ Zum Beispiel gelte, wenn die Rennbahn irgendwann bebaut werden sollte, bereits das jüngst beschlossene, von den Grünen initiierte Ortsgesetz, das künftig die Begrünung von Dächern bei Neubauten vorsieht.

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Die Zuspitzung auf das vermeintliche Entweder-Oder sehe man mit großer Sorge. Die BI baut bei der Galopprennbahn „einen Gegensatz auf, der an vergangene Debatten wie ,Arbeitsplätze statt Ökologie‘ erinnert“, heißt es in dem Papier. Zumal die Debatte um Natur- und Klimaschutz aus Sicht des Bündnisses an anderer Stelle, nämlich bei der Entwicklung des Gewerbegebietes Hansalinie, praktisch keine Rolle spielt.

„Da werden 300 Hektar komplett versiegelt. Auf solchen Flächen müssten wir viel mehr tun“, sagt Bündnis-Sprecher Ulf Jacob. „Aber darüber wird nicht diskutiert.“ Zudem kritisieren die Autoren, dass die BI „keine eigenen Perspektiven“ über den Status quo hinaus benenne. Mikulla: „Wir haben mit der Rennbahn eine Chance, dass sich Bremen zu einem bundesweiten Vorzeigeprojekt entwickeln kann.“

Weitere Informationen

Über die Herausforderungen des Klimawandels und einer wachsenden Stadt hält Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts Frankfurt/Main, einen Vortrag am Dienstag, 7. Mai, um 19 Uhr in der Bremer Architektenkammer. Vorgesehen ist eine Diskussion unter anderem mit Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer (Grüne).

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