Probleme mit Tragfähigkeit

Immobilien Bremen schließt Schule in Hastedt

Die Grundschule am Alten Postweg in Hastedt muss aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Weitere Statik-Untersuchungen des sanierungsbedürftigen Altbaus sollen folgen.
18.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Immobilien Bremen schließt Schule in Hastedt
Von Christian Hasemann
Immobilien Bremen schließt Schule in Hastedt

Die Grundschule Am Alten Postweg ist vorübergehend geschlossen.

Petra Stubbe

Die schlimmen Befürchtungen haben sich in Hastedt bewahrheitet: Immobilien Bremen (IB) hat den Altbau der Grundschule am Alten Postweg am Dienstag vorsorglich zunächst bis zu den Osterferien geschlossen. Vorausgegangen waren Untersuchungen zum Zustand des Gebäudes. Für die Eltern ist eine Notbetreuung eingerichtet. Wie es nach den Ferien weitergehen wird, ist offen.

Für die Eltern stellt das mindestens vorübergehende Aus der Beschulung im Altbau eine große Herausforderung dar. „Was uns so aufregt ist, dass unsere Kinder nicht mehr zur Schule können von einem auf den anderen Tag“, sagt Gudrun Schneider, deren Tochter in die erste Klasse der Grundschule geht. Viele könnten so kurzfristig keinen Urlaub nehmen und wüssten nicht, wie sie ihre Kinder betreuen sollten. „Oder die Kinder gehen in die Notbetreuung der Schule und mischen sich dann wieder untereinander.“ Das sei in Zeiten von Corona auch keine gute Lösung. Sie selber könne sich diese Woche zwar noch frei nehmen. „Aber nächste Woche muss das anders geregelt werden.“ Wie, das weiß Gudrun Schneider noch nicht.

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Fassungslos zeigt sich Ortsamtsleiter Jörn Hermening. „Der Beirat hat in den vergangenen Jahren mehrmals auf den schlechten Zustand des Gebäudes hingewiesen, und das ist bei Immobilien Bremen und der Bildungsbehörde bekannt. Es ist unverständlich, warum da nicht reagiert wurde.“ Beiratsmitglied Hans-Peter Hölscher (SPD) wird noch deutlicher: „Das ist eine Riesensauerei! Seit zehn Jahren hat man gepennt und nichts gemacht.“ Tatsächlich gilt der Dachboden des Gebäudes schon seit Jahren als baufällig und darf nicht genutzt werden, im Keller unter dem Eingangsbereich stehen ebenfalls seit Jahren provisorische Pfeiler, die die Decke abstützen, Teile der Fassade bröckeln, die Haus- und Sanitärtechnik ist veraltet. Die Untersuchungen sind eigentlich ein Vorgriff auf den seit Jahren geplanten Ausbau zur Ganztagsschule.

„Es ist unfassbar, es muss zeitnah eine Lösung gefunden werden“, fordert Hermening mit Blick auf die Eltern und deren Kinder, die nun erst mal im Regen stehen. Hermening befürchtet, dass es mit einer kurzfristigen Lösung nichts werden wird. „Auch für Container braucht man eine Baugenehmigung und ein halbes Jahr warten geht nicht.“ Er wüsste auch keinen Ersatzstandort für die temporäre Beschulung. „Die leer stehenden Schulen in der Sebaldsbrücker Heerstraße, am Sattelhof und in der Bardowickstraße sind alle vergammelt.“ Ihm falle spontan keine Möglichkeit ein. „Vielleicht Turnhallen, aber das muss ja auch alles in der Nähe von Hastedt sein.“ Eine dauerhafte Schließung steht derzeit aber nicht im Raum. In einer Pressemitteilung betont Immobilien Bremen, dass keine unmittelbare Gefahr von der Nutzung des Gebäudes ausgehe.

Die Schließung erfolge vorsorglich, da bei den ersten Stichproben der laufenden Untersuchungen keine ausreichenden Erkenntnisse zur Tragfähigkeit des Gebäudes gewonnen werden konnten. In den kommenden Wochen solle daher das gesamte Gebäude auf die Tragfähigkeit untersucht werden. Am heutigen Donnerstag folge außerdem ein Vor-Ort-Termin mit dem beauftragten Statiker. Danach werde entschieden, ob zusätzliche Stützen eingebaut werden müssten. Dies könne dann in den Osterferien geschehen. Diese Maßnahmen sollen einen weiteren Schulbetrieb nach Ostern ermöglichen, während nach einer langfristigen Lösung für die Schule gesucht werde, heißt es weiter.

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Für die Schülerinnen und Schüler werde es nun Distanzunterricht geben, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. „Eine Notbetreuung kann im neuen Gebäude gewährleistet werden, das nicht von der Sperrung betroffen ist“, so die Sprecherin weiter. Schulleiter Sebastian Gerber sagt mit Blick auf die Pandemie: „Wir fassen jetzt Klassen zusammen, was wir vorher peinlich vermieden haben.“ Knapp 50 Prozent der Kinder könnte so ein Angebot gemacht werden, so Gerber. Für Sicherheit sollen Tests sorgen. „Wir bieten jedem Schüler und Lehrer deswegen jeden Morgen einen Schnelltest an“, so Gerber.

Heinz-Hermann Hoffhenke (CDU), der stellvertretender Beiratssprecher, bezeichnet es als schwierige Situation für die Eltern. „Die stehen jetzt natürlich auf dem Schlauch.“ Auch er bestätigt, dass der schlechte Zustand schon lange bekannt sei. „Ich war vor Jahren da, da hat es schon durch das Dach geregnet.“ Zuletzt stand in einer vom Beirat und Ortsamt organisierten Planungskonferenz Ende Februar die Schule im Mittelpunkt. In der Sitzung hatte Schulleiter Gerber Zweifel geäußert, ob der Zustand der Schule überhaupt einen Umbau oder eine Sanierung zulasse. Auf der selben Sitzung brachte auch Günter Klänelschen von Immobilien Bremen die Möglichkeit ins Spiel, dass ein Abriss und Neubau der Schule die wirtschaftlichere Option sein könnte.

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