Knotenpunkt Föhrenstraße kommt

Bauarbeiten für Bremens zweitgrößten Bahnhof starten 2022

Die Bauarbeiten für den dann zweitgrößten Bahnhof Bremens an der Föhrenstraße in Hemelingen sollen 2022 beginnen. Die Anwohner befürchten hohe Belastung durch den Baulärm.
13.07.2020, 06:42
Lesedauer: 4 Min
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Bauarbeiten für Bremens zweitgrößten Bahnhof starten 2022
Von Christian Hasemann
Bauarbeiten für Bremens zweitgrößten Bahnhof starten 2022

Hier am Quintschlag soll das Zugangsgebäude zum neuen Bahnsteig „Föhrenstraße Oben“ entstehen.

Petra Stubbe

Was für viele Menschen im Stadtteil wohl eine deutliche Verbesserung bedeutet, ist für die direkten Anwohner erstmal ein großes Ärgernis. Der geplante Bahnhof Föhrenstraße an der Hastedter Heerstraße geht in die entscheidende Planungsphase, und schon jetzt ist klar, dass die Bauarbeiten für die Bewohner in der Nachbarschaft eine Belastung sein werden.

Über den aktuellen Stand hat sich der Beirat Hemelingen von Vertretern aus dem Bauressort, der Deutschen Bahn und dem zuständigen Ingenieurbüro informieren lassen. Allerdings, und das wurde von Beobachtern der Sitzung bemängelt, wurde nur ein Teilstück des Gesamtprojekts Bahnhof Föhrenstraße vorgestellt. Das Vorhaben teilt sich in den Bahnsteig „Unten“ und „Oben“ auf. „Oben“ bezeichnet dabei die geplanten Bahnsteige mit Zugangsgebäude an der Strecke Bremerhaven-Twistringen entlang der Straße Quintschlag, während sich „Unten“ auf die Bahnsteige an der Strecke Vegesack-Verden bezieht.

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Damit nicht genug: Die endgültige Gestaltung des Vorplatzes hängt außerdem von der Entwicklung auf dem Könecke-Coca-Cola-Gelände ab. Hinzu kommt außerdem eine Verlegung der Straßenbahnhaltestelle Föhrenstraße, die dann zwischen den beiden Bahntrassen liegen wird. Aus all dem soll der zweitgrößten Bahnhof Bremens werden.

Der Bahnsteig „Föhrenstraße Oben“, um den es in der Sitzung nun ging, soll ein Zugangsgebäude mit Fahrstuhl und Treppen an der Ecke Föhrenstraße und Quintschlag bekommen. Auf den Entwurfsplanungen ist es als ein eher schmales, mit viel Glas verkleidetes Gebäude zu erkennen. Auf beiden Seiten der Gleise sollen 2,75 Meter breite Bahnsteige entstehen, mit kleinen Häuschen zum Schutz vor dem Wetter.

Keine komplette Sperrung der Strecke

„Die Schwierigkeit, die wir haben, ist, dass wir nichts verbreitern können und deswegen ein aufwendiges Stützbauwerk nötig ist“, machte Carsten Thümmel vom Ingenieurbüro Inros Lackner Se deutlich. „Dazu kommt, dass es eine stark befahrene Strecke ist und wir sie für die Bauarbeiten nicht komplett sperren können.“ Aus diesem Grund werde eine Arbeitsfläche aufgeschüttet. Diese wiederum müsse mit Spundwänden gesichert werden. „Ab Juni 2022 beginnen wir mit vorbereitenden Arbeiten an den Oberleitungen in der nächtlichen Sperrzeit.“ Ab August sollen dann die Gründungen für den Bahnsteig gegossen werden. „Das machen wir tagsüber, um die Lärmbelästigung in Grenzen halten zu können.“ Ab März 2023 soll dann der eigentlich Bau des Bahnsteigs auf Seite der Straße Quintschlag beginnen – während nächtlicher Sperrzeiten auf der Strecke.

André Ackermann, Deutsche Bahn Station und Service, berichtete: „Wir stehen kurz vor dem Abschluss der Genehmigungsplanung und werden sie noch diesen Monat beim Eisenbahnbundesamt einreichen.“ In der Regel werde eine Genehmigung nach zwei Jahren erteilt. „Mit der Inbetriebnahme rechnen wir 2024.“

„Inwieweit sind Rammarbeiten für die Spundwände und die Gründungspfähle notwendig und wie sieht es mit dem Schutz der Nachbargebäude aus?“, fragte Karsten Koczwara (Die Partei). Die Pfähle würden gebohrt werden, sagte Thümmel. „Die Spundwände allerdings müssen gerammt werden und da wird es ein Beweissicherungsverfahren bei den bestehenden Gebäuden geben.“. In einem solchen Verfahren werden Schäden für mögliche Schadensersatzforderungen dokumentiert. „Warum baut man nicht gleichzeitig, das würde doch die Belastung für die Anwohner deutlich reduzieren?“, griff Ralf Bohr (Grüne) das Thema Baulärm auf. Angelika Brand (Grüne) ergänzte: „Werden die Anwohner entschädigt für den Lärm und entsteht durch den Bau ein Loch in der Lärmschutzwand?“ Im Lärmschutz werde keine Lücke entstehen, versicherte Thümmel.

Wiederaufforstung ist geregelt

„Aber es ist natürlich nicht möglich, den Bau durchzuführen, ohne den Bewuchs zurückzunehmen.“ Will heißen: Büsche und Bäume fallen der Säge zum Opfer. „Es gibt aber ein Umweltgutachten, in dem auch die Wiederaufforstung geregelt ist.“ Die zeitlich versetzten Bauarbeiten wiederum seien auf den Verkehr auf der Strecke zurückzuführen. „Ich würde mich auch freuen, wenn wir die Strecke drei Monate komplett sperren könnten, damit ich vernünftig meine Bahnsteige bauen kann, aber das ist leider nicht möglich“, sagte Thümmel. Eine Entschädigung für die Anwohner gebe es hingegen nicht. Bei Überschreitung der zulässigen Lärmbelästigung würden Anwohner aber Hotelzimmer zur Verfügung gestellt bekommen.

Gerhard Scherer (CDU) lenkte den Blick etwas weiter südlich. „Ich sehe dort keine Verbindung zwischen den Bahnsteigen. Ich möchte vorschlagen, eine Verbindung unter den Gleisen zu schaffen.“ Hintergrund dieses Vorschlags: Nach derzeitigem Stand der Planung gibt es keine Fußgängerunterführung um im südlichen Bereich zwischen den Gleisen wechseln zu können. Mit der geplanten Bebauung des Könecke-Coca-Cola-Geländes werden aber voraussichtlich mehr Menschen den neuen Bahnhof nutzen, die dann bis zum nördlichen Ende des Quintschlags gehen müssten, um das Gleis auf der anderen Seite erreichen zu können. „Diese Idee haben wir auch“, antwortete Nicolas Rensing vom Referat Schienenverkehr bei der Bausenatorin. „Aber solange dort nichts passiert, können wir dort auch nichts planen.“

Ein zentraler Anlaufpunkt für den öffentlichen Nahverkehr

Für die Zeit der Bauarbeiten wird es außerdem für den Verkehr im Quintschlag Einschränkungen geben. „Wir müssen damit rechnen, dass tageweise die Durchfahrt dort nicht möglich sein wird“, sagte Thümmel. Der Quintschlag werde dagegen aber nicht der Hauptlagerort für Baumaterial sein. „In der Regel wird die Straße zugänglich sein.“ Heiko Lübkemann vom direkt benachbarten Autohaus wollte wissen, wer eigentlich von dem Vorhaben profitieren werde. „Wir schaffen damit einen zentralen Anlaufpunkt für den öffentlichen Nahverkehr“, sagte Nicolas Rensing. Insbesondere die direkten Umsteigemöglichkeiten vom Regionalverkehr in den Straßenbahnverkehr bringe Nutzen mit sich. Speziell Pendler aus Richtung Diepholz würden von der neuen Umsteigemöglichkeit profitieren können.

Die Hemelinger werden sich in den kommenden Monaten mit weiteren Großvorhaben befassen müssen. Die Planungen für den neuen Bahnhof Hemelingen stehen vor dem Abschluss und es wird weiter am Entwurf für den Bahnsteig „Föhrenstraße Unten“ gearbeitet. Gleichzeitig steht der Baubeginn des neuen Zeppelintunnels bevor.

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