Großprojekt an Bremens Grenze

Mahndorf soll profitieren

Das Gewerbegebiet Achim-West soll Millonen Euro Steuereinnahmen für die Hansestadt bringen. Zugleich hofft man im Bremer Südosten auf eine Verkehrsentlastung durch den neuen Autobahnanschluss.
11.01.2019, 20:14
Lesedauer: 3 Min
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Mahndorf soll profitieren
Von Christian Hasemann

Hemelingen. An der Südostgrenze Bremens wächst in den nächsten Jahren voraussichtlich ein 75 Hektar großes Gewerbegebiet heran. Federführend ist dabei allerdings nicht die Hansestadt, sondern das niedersächsische Achim. Bremen kooperiert aber mit der Kleinstadt und verspricht sich sprudelnde Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und eine Stärkung der Wirtschaft. Nebenbei könnten außerdem vor allem die Bewohner Mahndorfs von dem gigantischen Projekt profitieren: Denn die Straßeninfrastruktur soll verbessert werden. Dirk Kühling, Abteilungsleiter beim Senator für Wirtschaft, stellte im Beirat Hemelingen die Bremer Sicht auf das Großprojekt Achim-West vor.

„Das ist das erste derartige länderübergreifende Kooperationsprojekt. Wenn uns das auf diesem schwierigen Feld gelingt, dann wäre das ein Quantensprung“, strich Dirk Kühling die Bedeutung des Projekts Achim-West heraus. Bremen wäre in dem Fall zwar nur der Juniorpartner, müsste sich dafür nur mit geringen Millionenbeiträgen beteiligen, könnte aber von Steuereinnahmen profitieren. Dirk Kühling sprach von 1,5 bis 2,4 Millionen jährlichen Steuereffekten für das Land Bremen. Bis zu 1250 Beschäftigte mit Wohnsitz in Bremen könnten bis zur vollständigen Erschließung, die bis 2040 anvisiert ist, in dem Gewerbegebiet Arbeit finden.

Dass die Kleinstaaterei, Bremen steht mit den umliegenden Kommunen in Konkurrenz, offenbar ein Ende hat, ist vor allem der Endlichkeit der verfügbaren Flächen Bremens geschuldet. Sprich: Bremen wird künftig kaum noch große Gewerbeflächen ausweisen können. Das voraussichtlich letzte größere Bremer Gewerbegebiet entsteht derzeit entlang der Autobahn A 1 in Hemelingen. An der „Hansalinie“ siedeln sich vor allem Logistikunternehmen und Zulieferer für die Automobilindustrie an. In diesem Zusammenhang wollte Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) von Dirk Kühling wissen, ob ein Zusammenschluss der beiden Gewerbegebiete geplant sei. „Schließlich liegen die am Ende kaum einen Kilometer auseinander.“ Derartige Pläne gebe es zurzeit nicht, so die Antwort des Mannes aus dem Wirtschaftsressort.

Ohnehin steht man auf Bremer Seite ganz am Anfang. Bis zur Sommerpause soll aber eine Beschlussfassung zum Bremer Beitrag für Achim-West vorliegen. Ein „sehr ambitionierter“ Zeitplan, wie Dirk Kühling meinte. Aufgabe der Bremer ist unter anderem der Ausbau der Theodor-Barth-Straße, die die Mahndorfer Gewerbegebiete und den Weserpark mit Achim-West verbinden soll. Dafür muss die Straße süd-östlich über die A 1, die perspektivisch zwischen Bremer Kreuz und Bremen-Brinkum achtspurig ausgebaut werden wird, in das Gewerbegebiet Achim-West geführt werden. Das Gewerbegebiet selbst soll eine eigene Anschlussstelle an der A 27 bekommen. „Ein entsprechender Ausbau würde zu deutlichen Entlastungen im Bremer Osten führen, auch im Hinblick auf das geplante Möbelhaus“, sagte Dirk Kühling. Am Weserpark plant die Möbelhauskette „Möbel Höffner“ eine Filiale.

Ob die Verkehrsentlastung tatsächlich so eintritt, ist allerdings schwer vorherzusagen. Denn auch der Versandgigant Amazon plant mit einer Niederlassung in Achim. Ob die Infrastruktur die zusätzlichen Verkehre aufnehmen kann, wird sich also zeigen müssen.

Uwe Jahn wollte dann auch wissen, wie die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr geplant ist. „Ist da eine Straßenbahn geplant oder Busverkehr?“ Hintergrund der Frage: Bisher ist das Gewerbegebiet Hansalinie nur schlecht mit dem Nahverkehr zu erreichen. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt des Beirats Hemelingen. „Das Gebiet braucht natürlich eine gute Anbindung an den ÖPNV, da muss ein guter Busverkehr rein führen“, so Dirk Kühling.

Jens Dennhardt, Ortsvereins-Vorsitzender der SPD, fragte nach den Umweltauswirkungen. „So ein Projekt geht natürlich mit Umweltbelastungen einher“, so Dirk Kühling. Ausgleichsflächen könne Achim aber ausreichend nachweisen. „Aber natürlich gibt es auch Belastung durch Abgase, aber wenn es uns gelingt, eine gute Anbindung zu bauen und dadurch kürzere Wege und weniger Stau zu haben, dann könnte es eher zu positiven Effekten kommen.“ Dennoch: 75 Hektar Ackerland, auf dem Landwirte bisher Lebensmittel produzieren, werden vernichtet.

Er wisse, dass der Bremer Osten gewerblich stark belastet werde, sagte Dirk Kühling. „Deswegen gibt es auch Ausgleichsmaßnahmen.“ Bisherige Ausgleichsmaßnahmen der Hansalinie sind im Stadtteil beispielsweise Renaturierungsmaßnahmen an der Weser, am Hemelinger See und auch der Hemelinger Sandstrand zwischen Fuldahafen und Wassersportverein Hemelingen.

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