Ressorts einigen sich über Zuständigkeiten

Ende des Schwebezustands für den Campingplatz am Bremer Unisee

Wegen unklarer Zuständigkeiten für den Naturcampingplatz an der Uni war es besonders für Jugendverbände ein Rätselraten, bei wem sie ihre Freizeiten anmelden sollen. Das soll nun ein Ende haben.
22.03.2021, 05:00
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Von Maren Brandstätter
Ende des Schwebezustands für den Campingplatz am Bremer Unisee

Die Einfahrt zum Naturcampingplatz. Jugendgruppen, die hier ihre Freizeiten verbringen wollten, wussten lange nicht, wo sie sich anmelden sollten.

Petra Stubbe

Noch vier Monate, dann sollen auf dem Naturcampingplatz am Unisee – sofern es die Corona-Lage zulässt – wieder Kinder einen Teil ihre Ferien verbringen. Das tun sie schon seit zehn Jahren – aber seit 2016 ist unklar, mit wem die Jugendverbände in Kontakt treten müssen, um ihre Freizeiten auf dem Areal anzumelden. Vor fünf Jahren nämlich hat die Stadt dem ansässigen Verein der Freunde und Dauercamper den Pachtvertrag für den Naturcampingplatz wegen Zahlungsrückständen gekündigt. Die Mitglieder, die eine lang unentdeckte defekte Warmwasserleitung für die Rückstände verantwortlich machen, blieben dennoch und werden von der Behörde bislang geduldet. Die Dauercamper zahlen seither die anfallenden Betriebskosten und gewährleisten einen reibungslosen Ablauf der Kinder- und Jugendveranstaltungen.

Diesen Schwebezustand beklagte der Horn-Leher Beirat mehrfach und forderte von der Behörde klare Verhältnisse – ebenfalls mehrfach. Die deuten sich jetzt nach fünf Jahren zumindest an. Während sich das Wirtschafts- und das Sozialressort in der Vergangenheit oft gegenseitig in der Hauptverantwortung sahen, ist die Zuständigkeit nun offenbar zweifelsfrei geklärt. Wie Simone Gessner aus dem Wirtschaftsressort dem Beirat am Donnerstag mitteilte, ist die Stadt Eigentümerin der Fläche und die Bremer Wirtschaftsförderung (WFB) für das operative Geschäft zuständig. Zur großen Erleichterung der Beiratspolitiker berichtete sie außerdem, dass seitens des Ressorts kein wirtschaftspolitisches Interesse an der Fläche bestehe. Die inhaltliche Zuständigkeit für den Naturcampingplatz liegt laut Gessner wiederum beim Sozialressort, weshalb man sich untereinander vernetzt habe.

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Die Jugendverbände, die das Areal regelmäßig nutzen, haben den Ressorts jetzt ein Konzept vorgelegt, wie sich die künftige Nutzung der Fläche ihrer Ansicht nach gestalten ließe. Ziel der Verbände ist es, dass ihre Planung bei der Mittelvergabe aus dem Bremen-Fonds berücksichtigt wird. Daher sei nun im nächsten Schritt geplant, dass sich beide Ressorts mit den Jugendverbänden an einen Tisch setzen, um den Antrag für den Bremen-Fonds inhaltlich und konzeptionell zu begleiten.

Ein zentrales Thema für die zukünftige Nutzung des Areals ist der Ausbau der Infrastruktur. In einem Schreiben des Wirtschaftsressorts an den Beirat hieß es dazu vor zwei Jahren, dass der „erhebliche“ Sanierungsstau der vorhandenen Gebäude für eine Weiternutzung „zwingend zu beheben“ sei. Man gehe von etwa drei Millionen Euro Kosten aus. Eine Zahl, die eine zügige Entwicklung auf dem Gelände eher unwahrscheinlich erscheinen ließ. Die Jugendverbände indes kalkulieren mit einer weitaus geringeren Summe: im oberen fünfstelligen Bereich. „Für unsere Arbeit ist vor allem der Außenbereich ausschlaggebend“, erklärte Daniel Heinemann, Vorsitzender des CVJM. Daher reiche als sanitäre Anlage im Grunde ein Container mit Toiletten und Duschen aus. Die Planung der Jugendverbände sieht außerdem einen weiteren abschließbaren Container für Materialien, zusätzliche Spielgeräte, eine Umgestaltung der Spielflächen und die Modernisierung der vorhandenen Camperküche vor.

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Aus Sicht der Jugendverbände wäre außerdem die Gründung eines Fördervereins sinnvoll, um für die Zukunft einen Ansprechpartner sicherzustellen und den Naturcampingplatz außerdem für weitere Nutzergruppen öffnen zu können. Insbesondere vor dem Hintergrund coronabedingter Einschränkungen seien kostengünstige und niedrigschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche wichtig, heißt es im Entwurf der Verbände.

Deshalb sei eine Öffnung des Naturcampingplatzes auch außerhalb der Ferienzeiten sinnvoll. Denkbar seien in diesem Zusammenhang Tagesausflüge von Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen, aber auch Wochenendausflüge mit Übernachtung. Durch den direkten Zugang zur Uniwildnis, zum Hollerland und den Wümmewiesen habe das Areal die optimale Lage für außerschulische Umweltbildung. Auch über die künftige Einbindung der Dauercamper haben sich die Jugendverbände in ihrem Entwurf Gedanken gemacht. Die könne über einen Sitz im Vorstand des Fördervereins geregelt werden.

Der Beirat forderte die Senatorinnen für Wirtschaft und Soziales in einem einstimmigen Beschluss auf, die Jugendverbände in ihren Bemühungen weiter aktiv zu unterstützen und die notwendigen Mittel zum Betrieb des Geländes für die Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Bezüglich der Pacht sei kein marktüblicher Preis, sondern eine Pacht in sozialverträglicher Höhe zu vereinbaren, forderten die Stadtteilpolitiker.

Info

Zur Sache

Blick in die Chronik

April 2016: Der Beirat fordert den Senat auf, eine nachhaltige Lösung für die offenen Pachtrückstände des Vereins der Freunde und Dauercamper zu vereinbaren.

Mai 2019: Podiumsdiskussion zur Zukunft des Naturcampingplatzes initiiert vom Bremer Jugendring im Rahmen der Bürgerschafts- und Beirätewahl.

September 2019: Referentenanfrage des Beirats im Wirtschaftsressort für einen Zwischenstandbericht. Das Ressort entsendet keinen Referenten, stattdessen erreicht den Beirat eine schriftliche Stellungnahme. Beschluss des Beirates, im Doppelhaushalt 2020/2021 Mittel für die dringende Sanierung der Gemeinschaftsanlagen auf dem Naturcampingplatz bereitzustellen. Der Haushaltsantrag wird abgelehnt.

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