Stadtteilcheck Horn-Lehe „Der Stadtteil ist leider sehr zergliedert“

Ernst Steinhoff zog 1966 mit seiner Familie nach Lehesterdeich. Viele Veränderungen in Horn-Lehe hat der 83-Jährige miterlebt, einige Punkte stehen aber noch auf seiner Wunschliste.
02.09.2022, 06:00
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Von Maren Brandstätter

Ein Bürgerhaus für Horn-Lehe gehört zu den zentralen Punkten auf Ernst Steinhoffs Wunschliste, hinter den er bislang immer noch kein Häkchen setzen konnte. Eine Zeit lang hatte er darauf gehofft, dass die Post-Aula auf dem ehemaligen Telekom-Gelände diese Rolle ausfüllen und zum neuen Anlaufpunkt für die Bürger des Stadtteils werden könnte. Wie sich aber herausstellen sollte, fanden sich in den Gebäuden der Telekom reichlich giftige Schadstoffe, weshalb sie 2012 komplett abgerissen wurden. Zwar gebe es das Ortsamt und die Stadtteilsparkasse im Mühlenviertel, in denen immer mal wieder Veranstaltungen stattfinden, sagt Steinhoff. „Aber eine wirkliche Alternative zu einem richtigen Bürgerhaus sind sie nicht“, findet der 83-Jährige.

1966 zog Steinhoff mit seiner Familie nach Lehesterdeich. Zu dieser Zeit war er Lehrer für Deutsch, Gemeinschaftskunde und Sport in der Neustadt, später in Walle. 1990 wechselte an die Oberschule Ronzelenstraße, der er bis zu seiner Pensionierung treu blieb. Steinhoff lebt gerne in Horn-Lehe. „Man ist schnell in der Innenstadt und genauso schnell draußen im Grünen“, sagt er. Allerdings gebe es mit dem Stadtwaldsee und dem Rhododendron-Park auch innerhalb des Stadtteils lohnenswerte Ausflugsziele, betont er.

"Politisch war allerhand los"

Die Anbindung Horn-Lehes über die Linie 4 funktioniert Steinhoffs Ansicht nach ganz ordentlich. Dass die Straßenbahn mittlerweile bis Lilienthal durchfährt, dafür hat er sich seinerzeit im Stadtteilbeirat eingesetzt. Dort war er von 1987 bis 2003 Mitglied der SPD-Fraktion. Insbesondere in den 1990er-Jahren sei politisch allerhand los gewesen im Stadtteil, erzählt Steinhoff. Er erinnere nur an die erfolgreichen Proteste gegen die Schließung des Horner Bads und gegen das Großprojekt „Rhodarium“ im Rhododendron-Park, an dessen Stelle einige Jahre später die Botanika eröffnet habe.

Ein bitterer Moment sei für ihn die Schließung des Sportstudiengangs an der Bremer Uni gewesen, erzählt der pensionierte Sportlehrer. In den vergangenen Jahren habe er sich deshalb vehement für dessen Wiedereinführung eingesetzt. Angesichts des fehlenden Rückhalts in seiner Partei sei er schließlich sogar aus der SPD ausgetreten. Die jüngsten Pläne, den Studiengang nun doch wieder zu reaktivieren, hätten bei ihm für entsprechende Erleichterung gesorgt. „Bremen braucht dringend ausgebildete Sportlehrer“, betont er. Sobald sich die ersten Sportstudierenden in Bremen eingeschrieben haben, trete er wieder in die SPD ein, sagt er. „Das habe ich damals versprochen.“

Fehlendes Stadtteil-Zentrum

Ein Problem Horn-Lehes, das sich nach Steinhoffs Einschätzung wohl nicht mehr lösen lässt, ist das fehlende Zentrum. „Der Stadtteil ist leider sehr zergliedert“, sagt er. Als das Ortsamt noch an der Berckstraße ansässig gewesen sei, habe der Beirat einiges versucht, um den Bereich rund um die Kreuzung als Mittelunkt Horn-Lehes aufzuwerten. „Diese Pläne wurden dann aber nach dem Umzug des Ortsamts an die Leher Heerstraße nicht weiterverfolgt – schade.“

Ebenso bedauerlich findet Steinhoff, dass die Serviceangebote der Banken im Stadtteil immer stärker zurückgefahren werden. Die Sparkassen- und die Postbankfiliale in Lehesterdeich etwa würden insbesondere von Senioren aus dem Kopernikusquartier schmerzlich vermisst, die nun weite Anfahrten in Kauf nehmen müssten, kritisiert er. Was in dem Quartier auch nicht gut funktioniert habe, sei die soziale Durchmischung, die man sich seinerzeit beim Bau der Ein- und Mehrfamilienhäuser erhofft habe. Er selbst habe vor diesem Hintergrund mit einigen Nachbarn in den 1980er-Jahren mehrmals ein Straßenfest in der Bergiusstraße auf die Beine gestellt, erzählt er. „Meine Kinder haben damals Einladungen in allen Briefkästen der Mehrfamilienhäuser verteilt – aber es ist nie jemand zu den Festen erschienen“, bedauert er.

Zu wenig Freilaufflächen für Hunde

Mit seinen 83 Jahren hat sich Steinhoff vorgenommen, mit seinem Stadtteil-Engagement künftig ein wenig kürzerzutreten. Er gehe stattdessen lieber mehr mit dem Hund spazieren, sagt er. „Aber das ist auch schon wieder so ein Thema, an das man endlich mal ran muss – es gibt so gut wie keine Freilaufflächen für Hunde in Bremen“, moniert er. Ansonsten lasse ihm sein runtergefahrenes Programm inzwischen aber wieder etwas mehr Zeit für seine zweite Passion neben dem Sport: die Musik. Seit zwölf Jahren gibt er regelmäßig Jazz-Kurse an der Lilienthaler Volkshochschule. Und gelegentlich – alle paar Monate – ist er zu Gast in der Stiftungsresidenz Riensberg in Horn und gibt dort ein kleines Klavierkonzert für die Senioren. „Das macht mir sehr viel Freude – und ich glaube, den Bewohnern auch.“

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