Gesundheitsschutz für Feuerwehrpersonal Besserer Schutz vor Brandrauch für Bremer Feuerwehr

Bremens Feuerwehrfrauen und -männer sollen besser vor krebserregenden Stoffen im Brandrauch geschützt werden: Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will für drei Millionen Euro neue Schutzkleidung anschaffen.
08.02.2019, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Besserer Schutz vor Brandrauch für Bremer Feuerwehr
Von Sabine Doll

Die Bremer werden sich ab 2020 voraussichtlich an ein neues Erscheinungsbild der Feuerwehr gewöhnen müssen: Statt der bisher blauen Schutzausrüstung sollen die Brandbekämpfer künftig „Sandfarbe“ tragen. Modische Erwägungen stecken allerdings nicht hinter dem Wechsel, der Anlass ist viel ernster. „Es geht darum, die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren besser vor Schadstoffen im Brandrauch zu schützen“, erklärte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Diese könnten zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko führen.

Nach Studien aus Kanada und Skandinavien haben Feuerwehrleute ein höheres Risiko für bestimmte Krebserkrankungen – wenn die Stoffe durch die Schutzkleidung gelangen. Mäurer: „Beim Schutz vor Hitze und Feuer ist die aktuelle Ausrüstung das Beste, was es gibt. Aber: Sie schützt nicht davor, dass krebserregende Schadstoffe durch das Material, auf die Haut und in die Blutbahn gelangen. Darauf müssen wir reagieren.“ Die neue Ausrüstung, die mehr als ein Jahr lang von 40 Einsatzkräften aus unterschiedlichen Bremer Feuerwachen getestet wurde, bieten diesen Schutz – weil sie aus einer speziellen Membran besteht.

Mehr Schutz vor Schadstoffen

Drei Millionen Euro will die Innenbehörde in den besseren Gesundheitsschutz der Feuerwehrfrauen und -männer investieren: Ab 2020 soll zunächst die Berufsfeuerwehr neu eingekleidet werden, ein Jahr später die Kollegen der Freiwilligen Feuerwehren. Unterm Strich sind das 3000 Garnituren für 1300 Einsatzkräfte. Allerdings muss Mäurer für die Investition noch im Senat werben, im Haushalt ist das Geld nicht hinterlegt.

„Im Februar wird es eine Senatsbefassung geben, dann wird das Konzept in der Innendeputation vorgestellt. Schließlich bedarf es der Freigabe der Mittel im Haushaltausschuss. Danach kann die europaweite Ausschreibung folgen“, nennt der Innensenator den Fahrplan, sofern der Senat zustimmt. 700 neue Flammschutzhauben, die unter dem Helm getragen werden und ebenfalls durch eine spezielle Membran mehr Schutz vor Schadstoffen im Brandrauch bieten sollen, seien bereits aus dem aktuellen Etat der Feuerwehr angeschafft.

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Die neue Schutzausrüstung ist laut Feuerwehr-Chef Karl-Heinz Knorr Bestandteil eines umfassenden Hygienekonzepts: „Ziel ist, dass krebserregende Stoffe nicht mehr über die verschmutzte Kleidung in die Feuerwachen getragen werden.“ Konkret bedeutet das: Jacke, Hose, Helm und Handschuhe sollen künftig nach den Löscharbeiten noch direkt am Einsatzort abgelegt und unter Atemschutz in luftdichten Tüten verstaut werden. Anschließend werden die kontaminierten Bekleidungsstücke zentral gereinigt. „Die Zeiten, als die Einsatzstiefel unserer Leute neben ihrem Bett auf der Wache standen, sind vorbei“, so Knorr.

Auch in den Feuerwachen stehen sichtbare Veränderungen an: Sie sollen künftig in einen „reinen“ und einen „nicht-reinen“ Bereich aufgeteilt sein. Zu den „nicht-reinen“ Bereichen, die unter anderem durch rote Türen und rote Anstriche gekennzeichnet sind, gehören etwa die Wagenhallen. Grüne Türen führen in die „reinen“ Bereiche. Allerdings sind nicht alle Wachen für diese räumliche Aufteilung geeignet, inklusive der Freiwilligen Feuerwehr gibt es in Bremen 25 Standorte.

Ein erster Schritt

„Das heißt, dass an einigen Standorten umgebaut werden muss. Dort, wo wir neu bauen, wird das Konzept in der Planung berücksichtigt“, betont der Feuerwehr-Chef. Rund 40 000 Euro für die Umsetzung des Hygienekonzepts müssten pro Wache gerechnet werden, so Knorr. „Bis alle Standorte ausgebaut sind, wird das rund sieben bis acht Jahre dauern.“ Außerdem soll es Infokampagnen zur Prävention geben.

Die Bremer Landesgruppe der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft fordert seit Jahren einen besseren Schutz der Einsatzkräfte vor gesundheitlichen Gefahren: Kolleginnen und Kollegen in anderen Bundesländern, etwa in Niedersachsen und Hamburg, würden längst in besserer Ausrüstung zu den Brandorten ausrücken. „Beim Gesundheitsschutz hinken wir in Bremen hinterher“, sagt der Landesgruppen-Vorsitzende Axel Seemann. „Dass jetzt endlich neue Schutzkleidung angeschafft werden soll, ist ein erster Schritt.“ Die Gewerkschaft fordert außerdem die Einrichtung eines Registers, in dem Krebserkrankungen bei Feuerwehrkräften erfasst werden. „Ziel ist die Anerkennung als Berufskrankheit, wie das in anderen Staaten bereits der Fall ist“, betont Seemann.

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Derzeit laufe ein Forschungsprojekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, das klären soll, ob und wie viel von krebserzeugenden Substanzen aus dem Brandrauch über die Haut aufgenommen werden. Einsatzkräfte aus Hamburg und Berlin nehmen laut Feuerwehr-Chef Knorr daran teil. Im Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen. „Das ist die erste Untersuchung zu diesem Thema in Deutschland. Erst wenn wir wissen, wie groß das Problem ist und es verlässliche Erkenntnisse gibt, können daraus Schlüsse gezogen werden.“ Studien aus anderen Ländern ließen sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, weil die Brände wegen anderer Baustoffe und Bauweisen von Gebäuden nicht übertragbar seien.

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