Neujahrsempfang Bremens Bürgermeisterin Linnert stellt sich den Fragen der Bürger

Beim Neujahrsempfang am 1. Januar in der Oberen Rathaushalle setzte sich Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) mit vielen Fragen der Bürger auseinander.
01.01.2019, 19:40
Lesedauer: 3 Min
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Bremens Bürgermeisterin Linnert stellt sich den Fragen der Bürger
Von Lisa-Maria Röhling

Während einige Gäste an diesem 1. Januar staunend durch die Obere Rathaushalle gehen, die Wandvertäfelung genauer ansehen, den Blick immer wieder durch den Raum schweifen lassen, ist Karoline Linnert (Grüne) schon ins Gespräch vertieft. Denn beim Neujahrsempfang im Rathaus, der seit einigen Jahren zur neuen Tradition heranreift, haben die Menschen nicht nur eine Stunde lang die Chance, durch die Gänge und Räume des alten Gebäudes zu schlendern, sondern auch Fragen an die Bürgermeisterin und Finanzsenatorin zu richten.

Üblicherweise, sagt Linnert, soll es zum Empfang im Rathaus keine Reden geben. Doch ein paar Worte möchte sie zu Beginn dann doch an die Anwesenden richten: Einen Blick nach vorne werfen, auf das, was die Bremer 2019 erwartet. Für Linnert ist es ein Jahr der Herausforderungen, das Jahr der Brexits, der Bürgerschaftswahlen. Es sei auch im neuen Jahr wichtig, dass das Gemeinwesen funktioniere, und dazu gehöre auch das Bewusstsein, dass es in Deutschland sehr vielen Menschen sehr gut gehe. „Nur das, was man wertschätzt, kann man auch verteidigen“, sagt Linnert.

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Linnerts Rede klingt nachdenklich und mahnend. Sie spricht über den herannahenden Brexit, der auch die Bremer Wirtschaft betreffen wird und darüber, was überhaupt eine Nation dazu bewegen mag, außerhalb einer Europäischen Union alleine dastehen zu wollen. "Die Geschichte des Brexit ist eine Geschichte der Feigheit, der Lügen, der Verhetzung", sagt sie. Dennoch sei es jetzt wichtig, „damit klarzukommen“. Linnert spricht aber auch über Umweltfragen, die Feinstaubbelastungen durch die Silvesternacht, die Nutzung von fossilen Brennstoffen und ihre Folgen: „Wie konnte man darauf kommen, dass das uns gehört.“

Mehr Geld für die Infrastruktur

Dass das Jahr 2019 für die Bremer politisch entscheidend ist, betont die Finanzsenatorin ebenfalls: Mehr Geld für die Infrastruktur soll es in diesem Jahr geben, besonders, weil die Investitionen für Straßen und Turnhallen in den vergangenen Jahren recht knapp gewesen seien. „Die finanziellen Probleme sind besser, aber noch nicht gelöst“, betont sie in Bezug auf künftige Ausgaben.

Doch auch die Bürgerschaftswahlen bestimmen ihren Blick aufs gerade gestartete Jahr. Das scheint auch die Zuhörer zu bewegen: Auf Linnerts Aufforderung, am 26. Mai wählen zu gehen, ruft ein Mann: „Was soll man denn wählen?“ Linnert entgegnet: „Sehen Sie zu, dass es ein Ergebnis gibt, das man händeln kann.“ Es müsse eine Regierung geben, die nicht so viel Zeit mit sich selbst verbringen muss, beispielsweise durch eine komplizierte Regierungsbildung. Und es sei wichtig, dass politische Auseinandersetzung nicht mit der Abwertung anderer Menschen einhergehe.

Politische Auseinandersetzung ist auch an diesem ersten Tag des Jahres zentral. Viele Bürger sind gekommen, um mit Linnert zu diskutieren, ihr Fragen zu stellen, über die Bremer Politik zu sprechen. Einige tun das nach ihrer Rede direkt über ein Mikrofon, vor allem Vertreter unterschiedlicher Bürgerinitiativen nutzen die Chance, ihre Anliegen energisch vorzubringen oder fordern Linnert auf, ihre Belange endlich zu berücksichtigen.

Die Bürgermeisterin hört aufmerksam zu, weist allerdings auch einige Bitten sehr deutlich zurück. Der Senat könne sich nicht allein von einzelnen Bürgerinitiativen leiten lassen, zudem gebe es auch noch zahlreiche andere wichtige Themen in der Bremer Politik.

Linnert im persönlichen Gespräch

Während immer wieder neue Gäste die Rathaushalle betreten und umherschlendern, widmet sich Linnert den Gesprächen mit den Bürgern. Wer seine Frage nicht am Mikrofon stellen will, kann persönlich an sie herantreten; die Chance nutzen zahlreiche Gäste. So bildet sich schließlich eine kleine Schlange hinter Linnert, alle warten auf ihren Moment, um ihre Wünsche vorzubringen. Andere hoffen auf ein Foto mit der Bürgermeisterin, halten die Kamera bereits in der Hand.

Doch die meisten Besucher schauen sich weiter die Modelle der historischen Orlogschiffe an, die von der Decke hängen, laufen mit bedächtigen Schritten über das knarzende Parkett, werfen einen Blick aus dem Fenster auf den Marktplatz oder den Domshof. Eine Frau geht mit ihrer Tochter umher und zeigt ihr die Schnitzereien in den Holzvertäfelungen, eine weitere Frau posiert in einem der historischen Steinportale für ein Foto. Die Chance, sich gleich im neuen Jahr in der schönen Rathaushalle umzuschauen, wollte sie unbedingt nutzen, sagt eine weitere Besucherin. Im Hintergrund wendet sich Karoline Linnert dem nächsten Gast zu.

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