Nach Kritik von Schulleitungen Bremer Behörde verschiebt Lehrer-Abordnungen

An einigen Bremer Schulen fehlen besonders viele Lehrer. Mit einem Plan für mehr Personalsteuerung wollte die Bildungsbehörde diesen Schulen helfen. Nun wird der zuvor kurzfristig angekündigte Plan verschoben.
14.07.2020, 05:00
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Bremer Behörde verschiebt Lehrer-Abordnungen
Von Sara Sundermann

Die Bildungsbehörde hat das Kernstück eines Plans zur besseren Verteilung von Lehrkräften an unterversorgte Schulen verschoben. Der zuvor verkündete Plan für eine verstärkte Personalsteuerung sollte ursprünglich bereits für das neue Schuljahr ab 1. August greifen. Demnach sollten Schulen, die mehr als 90 Prozent voll ausgebildete Lehrkräfte haben, zunächst keine neuen Lehrer mehr einstellen dürfen – auch nicht als Vertretungskräfte, um Personal zu halten, bis eine Stelle frei wird.

Schulen mit besonders großem Lehrermangel sollten zuerst Bewerber einstellen können. Zudem sollten neu eingestellte Lehrkräfte verpflichtet werden können, zunächst für beispielsweise zwei Jahre an eine Schule mit großem Mangel zu gehen, bevor sie an ihre Wunsch-Schule kommen. Schulleitungen von weiterführenden Schulen hatten nach der Ankündigung dieses Vorhabens massiv ihren Unmut und ihr Unverständnis geäußert: Der Plan komme viel zu kurzfristig mitten in der Einstellungsphase, zudem seien die Leitungen nicht einbezogen worden, so die Kritik. Danach wurde der Behörde zufolge eine Videokonferenz mit Bildungssenatorin, Staatsrätin und den Schulleitungen einberufen, um das Thema zu besprechen.

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„Wir werden das System ab 1. Februar vollständig einführen“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp nun. Das gelte zum Beispiel für die geplanten Abordnungen neuer Lehrkräfte. Schon zuvor werde ab Beginn des neuen Schuljahrs gemeinsam mit den Schulen geplant, wie mehr Personal an unterversorgte Schulen kommen kann. „Die Planung wird nicht zurückgenommen“, betont Kemp. Sie sagt aber auch: Wenn die besonders unterversorgten Schulen sich vor Februar stabilisieren würden – auch mit Unterstützung anderer Schulen – müssten die Regelungen nicht umgesetzt werden.

Für Lehrkräfte, die von Schulen bereits angeworben wurden und wo beispielsweise nur noch Papiere beigebracht werden müssten, damit eingestellt werden kann, solle die Regelung zum 1. August noch nicht greifen. „In diesen Fällen haben wir die Pläne verschoben“, so Kemp. Schon vor Februar will die Behörde jetzt zudem die Lehrkräfte, die sich in einem sogenannten Einstellungspool befinden, an die Schulen verteilen, deren Bedarf besonders groß ist.

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Gemeint sind Lehrkräfte, die sich bei der Stadt Bremen beworben haben, ohne eine bestimmte Wunsch-Schule anzugeben. Zudem seien alle Lehrkräfte des Vertretungspools befragt worden, ob sie eine feste Stelle haben wollen: „Die meisten wollten es nicht“, sagt Kemp. Der Personalrat Schulen fordert schon länger, die Behörde müsse dafür sorgen, dass die Schere zwischen Schulen mit besserer und schlechterer Personalausstattung nicht auseinandergeht.

„Dass die Umsetzung jetzt verschoben wurde, ist angesichts der unglücklichen und späten Kommunikation verständlich“, sagt Angelika Hanauer vom Personalrat. Allerdings sei das Problem nicht neu. Im Einstellungspool befänden sich derzeit gut ein Dutzend Lehrer, die nun an Schulen mit großem Mangel kommen sollen. Doch um die größten Löcher an Schulen zu stopfen, brauche es ein Vielfaches dieser Zahl. „Allein bedingt durch Corona fallen zehn Prozent der Lehrkräfte für den Präsenzunterricht aus, weil sie zur Risikogruppe gehören“, so Hanauer. Hinzu kämen unbesetzte Stellen.

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