Kritik an Senat

Bremische Bürgerschaft debattiert über geplantes Haus der Athleten

Die Opposition und selbst die Grünen kritisieren den Senat für ihrer Meinung nach fehlende Engagement geplanten Sport-Prestigeprojekt, dem Haus der Athleten. Die Sportstiftung sieht das Bildungsressort am Zug.
10.06.2020, 05:00
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Bremische Bürgerschaft debattiert über geplantes Haus der Athleten
Von Nina Willborn

Es bleibt ein Patt in der Frage des Hauses der Athleten, wenn auch ein freundliches. Alle wollen es, aber vorangeht es trotzdem nicht so richtig – das wurde auch am Dienstag deutlich, als die Stadtbürgerschaft über das Thema debattierte. Wann kommt das sportpolitische Prestigeprojekt denn nun? Und, vor allem, wer macht den entscheidenden Zug, damit es kommen kann?

Die CDU-Fraktion hatte unlängst diese und noch viele weitere Fragen rund um das Haus der Athleten, das im Gebäude der ehemaligen Firma Kaefer an der Bürgermeister-Smidt-Straße entsteht und Ende des Jahres einzugsbereit sein soll, an den Senat gerichtet. Die Antworten der Regierungsvertreter kritisierte Marco Lübke, sportpolitischer Sprecher, erneut als „vage, unkonkret und enttäuschend“ – und befand sich damit in ungewohnter Einigkeit mit seinem Grünen-Kollegen Mustafa Öztürk.

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„Wenn man für ein Projekt Begeisterung wecken will, sieht das anders aus“, sagte Lübke. Er zielte damit auf das erklärtermaßen gering ausgeprägte Interesse des Senats ab, sich finanziell mit mehr als den bereits von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) für den neuen Doppelhaushalt eingeplanten insgesamt 100.000 Euro an dem Internat für junge Spitzensportler zu beteiligen. „Wir brauchen zügige Absprachen“, forderte Öztürk, „wer die Verantwortung für das Projekt hat, muss klar sein und auch, wie das pädagogische Begleitkonzept aussieht.“

In der Frage des pädagogischen Konzepts gehen die Meinungen aber nach wie vor auseinander. Die Sportstiftung, deren Vorstände Lars Figura und Peter Gagelmann ebenso wie Andreas Vroom, Präsident des Landessportbunds, der Diskussion in Halle 7 zuhörten, sieht das Bildungsressort am Zug. Man plane, das Haus der Athleten „im Bereich der pädagogischen Betreuung“ zu unterstützen, hatte es in der Senatsantwort geheißen. Senatorin Stahmann sprang Bildungskollegin Claudia Bogedan (SPD) inhaltlich bei: Sie finde, dass zunächst die Sportstiftung beziehungsweise der Landessportbund am Zug sei, und zwar bei der Gründung eines Trägers wie der von der Sportstiftung für das Haus der Athleten geplanten GmbH.

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„Der Senat braucht ein Gegenüber“, sagte Stahmann. Dieses Gegenüber sei dann auch für die Ausarbeitung eines Betreuungskonzepts verantwortlich. Birgit Bergmann (FDP) merkte an, dass dafür aber bürgerliches Engagement, wie es die Sportstiftung auf die Beine gestellt habe, nicht ausreiche. „Es gibt Dinge wie den Betreuungsschlüssel der Lehrkräfte, die die Behörde entscheiden muss“, sagte sie. Auch Vroom sagte im Anschluss an die Debatte: „Es ist immer noch unklar, für was die Bildung bereit steht. Es fehlt da an einem klaren Bekenntnis.“ Stahmann wiederum versprach ein weiteres Treffen des Senats mit den Vertretern der Sportstiftung.

Eng verknüpft ist das Haus der Athleten mit der Schule an der Ronzelenstraße, die eine Eliteschule des Sports werden könnte – wenn sie denn wie vom Deutschen Olympischen Sportbund ein als Voraussetzung dafür nötiges Internat, das das Haus der Athleten ja wäre, vorweisen könnte. „Das eine wird es nicht ohne das andere geben“, sagte der Grüne Öztürk. Die Bedeutung einer Eliteschule des Sports, wie es sie mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und eben Bremen in allen anderen Bundesländern gibt, bestreitet auch Stahmann nicht, im Gegenteil. „Sportpolitisch wäre eine solche Einrichtung sehr sinnvoll“, sagte sie. Dennoch: Der Sporthaushalt sei nun mal begrenzt. „Der Weg bleibt steinig“, sagte Stahmann.

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