Konzerthaus nicht zufrieden

Domsheide-Umbau: Busse und Bahnen könnten vor der Glocke abfahren

Das Bauressort spricht sich für die Bündelung der Straßenbahn- und Bushaltestellen zwischen der Glocke und dem Alten Postamt aus. Diese Variante gefällt dem Konzerthaus allerdings nicht.
27.11.2019, 19:37
Lesedauer: 3 Min
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Domsheide-Umbau: Busse und Bahnen könnten vor der Glocke abfahren
Von Carolin Henkenberens

Die Umgestaltung der Domsheide geht voran: Das Bauressort hat sich für eines der beiden verbliebenen Konzepte ausgesprochen. Diese Variante sieht vor, dass die Straßenbahnen (4, 6, 8) und Busse (24, 25) künftig zwischen Altem Postamt und Glocke abfahren. Die Haltestelle an der Balgebrückstraße würde damit wegfallen. Die Bahnlinien 2 und 3 fahren weiterhin vor dem Alten Postamt ab. An der Planung beteiligt sind neben Vertretern des Bauressorts auch die BSAG, die Glocke, die Denkmalpflege, das Ortsamt Mitte, der Senator für Kultur und Fachexperten des „Consult Team Bremen“, einer Gesellschaft für Verkehrsplanung.

Die Vor- und Nachteile dieser und einer zweiten Variante, bei der weiterhin Bahnen an der Balgebrückstraße halten würden, wurden am Mittwoch in der Baubehörde präsentiert. Zudem liegt für die am Donnerstag tagende Bau-Deputation der Bürgerschaft ein Bericht vor. Darin heißt es, es gebe eine „deutliche Präferenz“ für die Bündelung der Haltestellen. Ein wichtiger Aspekt sei dabei die Barrierefreiheit, die nach dem Personenbeförderungsgesetz ab 2022 im öffentlichen Nahverkehr vorgeschrieben ist. Zudem sei der öffentliche Nahverkehr in der präferierten Variante leistungsfähiger, weil Menschen weniger weit laufen müssten zum Umsteigen. Auch in puncto Tourismus habe die Variante mit der Abfahrt an einem Ort besser abgeschnitten, heißt es im Bericht.

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Die favorisierte Variante stößt bei der Glocke auf Kritik. „Das ist ein Unding“, kritisierte Thomas Albert, der Intendant des Musikfests Bremen. Auch der Geschäftsführer der Glocke, Jörg Ehntholt, hält wenig von den Plänen. „Das Fatale ist die Anlieferung“, sagte er. Das Konzerthaus muss sämtliche Instrumente, Technik und Getränke durch eine Vordertür liefern lassen. Wenn nun vor dem Haus die Haltestelle heranrücke, sei dafür zu wenig Platz. Auch Fluchtwege und Sicherheit seien ein Problem, wenn vor dem Eingang die Bahnen abfahren.

Ein wichtiger Kritikpunkt der Glocke ist die Lautstärke. Sie befürchten, dass der Lärm auch mit dem geplanten Masse-Federsystem zunehmen wird, weil die Schienen näher an das Haus heranrücken würden. Das Masse-Federsystem soll den Schall minimieren und damit die Erschütterungen verringern. Dieser Aspekt ist der Glocke seit Jahren ein Anliegen. Ein weiterer, vierter Kritikpunkt des Veranstaltungshauses ist die historische Fassade, die von der Haltestelle verdeckt würde.

Die Baubehörde gibt zu, dass noch Fragen offen sind. „Die Gestaltung der Haltestelle zum Beispiel“, sagte Gunnar Polzin, Abteilungsleiter Verkehr. So könne vor die Glocke natürlich kein Fahrgastunterstand gebaut werden, sondern es müsse ein transparentes, offenes Dach entstehen. Polzin betonte, man wolle mit der Umgestaltung, die immerhin zwischen 25 und 30 Millionen Euro kosten wird, aber auch eine Verbesserung des ÖPNV erreichen. Die Diskussionen über die Pläne gingen weiter. Die Schienen der BSAG an der Domsheide seien bald abgefahren und müssten demnächst ausgetauscht werden. Der Plan sei, dass im Sommer 2022 der Umbau beginnen kann, sagte Polzin.

Polzin zufolge folgt die Umgestaltung der Domsheide dem Ziel der autofreien Bremer Innenstadt. Um die Frage der Belieferung der Glocke zu klären, sollen Glocke, Wirtschaftsförderung Bremen, die Wirtschaftssenatorin und der Kultursenator ein Lieferkonzept erarbeiten. Eine Anlieferung über den Hinterhof ist im Gespräch. Jörg Ehntholt hält dies für schwierig, da noch weitere Anrainer Zugang zum Hinterhof hätten und gefragt werden müssen.

Die Behörde von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) teilte mit, dass es im Senat noch „keine abgestimmte Priorität für den einen oder anderen Vorschlag“ gebe. Es seien noch einige Fragen offen, etwa zur Anlieferung, Entfluchtung oder Erschütterung. Diese müssten „im gemeinsamen Dialog geklärt werden“. Auch die Kulturbehörde sieht einer Sprecherin zufolge noch Gesprächsbedarf.

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Korrektur: Zunächst hatten wir geschrieben, dass sich das Gestaltungsgremium unter der Leitung der Senatsbaudirektorin für ein Konzept ausgesprochen hat. Dies ist nicht richtig, es besteht noch Uneinigkeit zwischen den Akteuren in dem Gremium.

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