Weniger Kaufverträge im April und Mai

Immobilien in Bremen weiterhin gefragt

Wie geht es mit dem Immobilienmarkt in Bremen angesichts der Krise weiter? Experten sehen keine Anzeichen für einen Einbruch und die Hansestadt als besonders stabil. Doch die Abschlüsse gingen zurück.
08.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Immobilien in Bremen weiterhin gefragt
Von Lisa Boekhoff
Immobilien in Bremen weiterhin gefragt

Trotz Corona-Krise sehen Experten sehen keinen Einbruch auf dem Bremer Immobilienmarkt.

Bernd von Jutrczenka

Trotz turbulenter Zeiten ist das Interesse an Immobilien ungebrochen. Experten aus der Region erwarten keinen starken Wertverlust von Häusern und Wohnungen. Zwar könne es kurzfristig eine verhaltene Nachfrage und eine Tendenz zur Preisstagnation geben, sagt der Bremer Ökonom Jan Wedemeier. Doch größere Verwerfungen am Markt erwartet der Wissenschaftler des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) nicht: „Mittelfristig sind eher wieder Preissteigerungstendenzen zu erwarten.“ Eine aktuelle Auswertung des Portals Immobilienscout konstatiert nach einer kurzzeitigen „Corona-Flaute“ steigendes Interesse. „Die Nachfrage ließ nur temporär nach und liegt nun über dem vorherigen Niveau. Der Immobilienmarkt ist hochdynamisch und zeigt sich krisenfest“, so der Geschäftsführer Thomas Schroeter.

Anzahl der Kaufverträge um 20 Prozent zurückgegangen

Wie der aktuelle Grundstücksmarktbericht zeigt, stiegen die Immobilienpreise in Bremen 2019 deutlich. Allerdings ist in den vergangenen Wochen Zurückhaltung zu beobachten, wenn es um Abschlüsse geht, sagt der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Ernst Dautert: Die Zahl der Kaufverträge im April und Mai seien um gut 20 Prozent zurückgegangen. Ob sich das bei den Preisen niederschlage, lasse sich noch nicht sagen. „Was die Anzahl der Kaufverträge angeht, ist schon ein Delle spürbar“, so Dautert. Die Menschen seien vorsichtiger und fragten sich angesichts der Krise: Wohin entwickelt sich das jetzt alles? „Das heißt nicht, dass die Preise jetzt bröckeln. Das glaube ich nicht.“ Der Rückgang könne sich auch darin begründen, dass Notare weniger als sonst beurkundeten.

Das Ausmaß und die Länge der Rezession sind laut Wedemeier entscheidend für den Immobilienmarkt. Wie entwickelt sich die Zahl der Arbeitslosen? Wie das Einkommen? Die Prognosen für den Markt variierten von negativen Szenarien bis zur Annahme, dass nicht mit einem starken Preisverfall für Immobilien zu rechnen ist. „Diese Einschätzung teile ich“, sagt Wedemeier. Der Forscher des HWWI in Bremen geht davon aus, dass Treiber wie Urbanisierung oder Demografie den Wohnungsmarkt weiter bestimmen. „Hier sind keine kurz- oder mittelfristigen Änderungen zu erwarten, wenn es auch einzelne Berichte zur Rückkehr aufs Land gibt. Der Immobilienmarkt ist extrem behäbig und stabil.“

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Unternehmer Frank Vierkötter erwartet eine relativ schnelle Erholung der Wirtschaft in Deutschland – und darum keinen Einbruch für seine Branche. „Insgesamt werden die Immobilienpreise aus unserer Sicht nicht fallen, sondern vielleicht sogar leicht konstant steigen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bremer Bauträgers Interhomes im Interview mit dem WESER-KURIER. Das Angebot an bezahlbarem Wohnraum sei knapp. „Alle haben Angst vor einer sogenannten Immobilienblase in Deutschland. Blödsinn. Wir bauen selbst in Zeiten der Hochkonjunktur immer noch unter dem Neubaubedarf“, sagt Vierkötter.

Der Immobilienmakler Jan Kortlepel sieht ebenfalls keine Rückgänge – im Gegenteil weise die Tendenz eher nach oben. „In Bremen können wir beobachten, dass die Nachfrage nach wie vor ungebrochen hoch ist“, sagt der Geschäftsführer des Bremer Standorts von Dahler & Company. „Wir haben in den Monaten April und Mai durchaus beurkundet.“ Allerdings habe es teils Kunden gegeben, die ihr Kaufpreisgebot wegen Corona überdacht hätten, sagt Kortlepel: „Da kam es vereinzelt zu Nachfragen: Ist es richtig, was ich jetzt tue? Ist das Gebot noch zeitgemäß?“

Minimale Auswirkungen bei Preiseinbruch

Die Preise sowohl im Bundesgebiet als auch in Bremen seien insgesamt stabil, sagt der Experte. Zwar könnten die Auswirkungen der Krise schwer vorhergesagt werden. Dennoch sagt Kortlepel: „Wir gehen davon aus, dass auch in diesem Jahr die Preise weiter steigen.“ In Berlin oder Leipzig werde nach wie vor ein Plus von vier bis neun Prozent erwartet. Und in Bremen? Hier werde das Niveau mindestens gehalten. Selbst wenn es zu einem Einbruch des Markts käme, seien die Auswirkungen in der Hansestadt minimal: „Bremen hat nicht Preisausbrüche wie München, Berlin oder Frankfurt. Der Fall wird immer federleicht sein.“ Signale dafür, dass der Wachstumskurs kippt, sieht er nicht: In Bremen gebe es Zuwachs, die Nachfrage sei da – auch von privaten Kapitalanlegern. Dennoch bemängelt Kortlepel wie Vierkötter: Es bleibe „eine große Lücke“ beim bezahlbarem Wohnraum.

Folgen von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit sieht das bundesweit tätige Unternehmen derzeit nicht: „Dass es zu Notverkäufen kommt, können wir nicht bestätigen.“ Nur eine Frage stelle sich, sagt Kortlepel: „Wir werden sich die Bremer Banken am Markt positionieren?“ Der Makler geht momentan von verschärften Regeln für das Eigenkapital aus. Schon jetzt hätten sich die Bearbeitungszeiten der Banken bei Kreditentscheidungen verlängert.

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