Der Brilltunnel

Untergrund in Lauerstellung

Der Brilltunnel ist 1968 eingeweiht worden und diente mehr als 40 Jahre hauptsächlich dazu, die große und vielbefahrene Kreuzung zu unterqueren. Sollte er neu geöffnet werden, wird das viel Geld kosten.
06.05.2021, 05:00
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Untergrund in Lauerstellung
Von Jürgen Hinrichs
Untergrund in Lauerstellung

Ein Foto aus dem November 1967: Der Fußgängertunnel am Brill nimmt allmählich Gestalt an. Die auf dem Foto sichtbaren Säulen werden die Betondecke des Tunnels tragen.

KLAUS SANDER

Jeden Tag um Punkt 16 Uhr springen die Maschinen an, ein festes Ritual, seit zwölf Jahren schon. Dann wird der Tunnel gelüftet, er atmet durch. Vorher war dafür keine Hilfe nötig, da gelang das wie von selbst – durch die zehn Öffnungen, verteilt auf alle Himmelsrichtungen. Doch vorbei, vorläufig zumindest, denn es gibt für die 2500 Quadratmeter große Unterführung immer mal wieder Pläne. Vor Jahren wurde zum Beispiel an eine Disco gedacht, aktuell ist es die Überlegung, unter Tage ein Fahrradparkhaus einzurichten. Experten prüfen gerade, ob das machbar ist.

Der Tunnel ist also noch eine Option. Er war am 5. Oktober 1968 feierlich eingeweiht worden. „Schon am ersten Tag zeigte sich: Mit dem Fußgängertunnel unter dem Brill hat Bremen eine neue Attraktion erhalten“, schrieb der WESER-KURIER damals. Die Vorteile lagen auf der Hand: Bequem und sicher eine Kreuzung überwinden, die wegen ihrer Größe und der kurzen Ampelschaltzeiten nicht ohne ist. Es gab die unterirdischen Zugänge zur Sparkasse, zum Bettenhaus Wührmann und zur Kaufhalle. Und man konnte an drei verschiedenen Ständen einen kleinen Imbiss nehmen. Doch mit den Jahrzehnten wurde es zunehmend schmuddelig. Graffiti an den Wänden, Drogenkonsum, Gewalt – die Bauverwaltung erklärte den Tunnel irgendwann zum „Angstraum“. Im November 2009 wurde er geschlossen.

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Zuschütten kam nicht in Frage, weil unter dem Tunnel der Kanal liegt. Einsturzgefahr! Stattdessen kamen Deckel auf die Öffnungen. Das hat fast eine halbe Million Euro gekostet, weil die Verschlüsse schwere Lasten tragen müssen, wenn ein Lkw drüber fährt. Der Tunnel ist eine Brücke, und weil das so ist, wird er alle drei Jahre auf Herz und Nieren geprüft. Ingenieure steigen hinunter und schauen nach, ob der Beton bröckelt oder aufreißt und die Betriebssysteme noch funktionieren, darunter Lüftung und Notbeleuchtung.

Sollte der Tunnel, für was auch immer, eines Tages wieder geöffnet werden, kostet das viel Geld. Die Baubehörde hatte die erforderliche Summe in der Vergangenheit auf einen einstelligen Millionenbetrag taxiert.

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