Ulrike Hauffe ist "Bremer Frau des Jahres" "Ich bin eine Rampensau"

Die ehemalige Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe ist am Donnerstag zur Bremer Frau des Jahres 2018 gekürt worden. Die undotierte Auszeichnung vergibt der Frauenausschuss seit 1999.
08.03.2018, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Nina Willborn

Jetzt ist sie also die „Bremer Frau des Jahres 2018“. Eine Auszeichnung, die für Ulrike Hauffe hätte erfunden worden sein können. Als Frauenbeauftragte des öffentlichen Dienstes und später als erste Landesfrauenbeauftragte war die Diplom-Psychologin über Jahrzehnte das offizielle Gesicht und die Stimme der Gleichberechtigung in dieser Stadt. Und natürlich sie ist es in vieler Hinsicht immer noch, auch nach ihrem Abschied aus dem Amt im Oktober, wobei sie ihrer Nachfolgerin Bettina Wilhelm keinesfalls Konkurrenz machen will.

Man könnte auch sagen, Ulrike Hauffe war die „Bremer Frau der Jahre 1994 bis 2017“, mindestens. Da wird es Zeit für eine Würdigung, und schon der Text in der Ausschreibung des Bremer Frauenausschusses, der die Auszeichnung seit 1999 vergibt, passt wie gemalt auf die 66-Jährige: „Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen wirklich die Wahl haben; nicht nur politisch, sondern auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Gesellschaft“. Ulrike Hauffe sieht ihren neuen Ehrentitel, über den sie sich sehr freut, als Ernte. „Ich empfinde ihn als Auszeichnung für meinen politischen Lebensweg. Ich ernte im Moment so viel.“

Gerechtigkeit als Antrieb

Am Donnerstag wurde Ulrike Hauffe bei einem Festakt in der Bürgerschaft ausgezeichnet, danach feierte sie im kleinen Kreis mit Familie und Freunden. "Wir haben eine Frau gesucht, die dafür gekämpft hat, dass Frauen wirklich Wahlfreiheit haben, beim Geld genauso wie bei der Vereinbarung von Familie und Beruf", sagte Frauenausschuss-Vorsitzende Perdita Engeler bei der Verleihung vor rund 300 Frauen aus Politik, Gesellschaft und dem ganz normalen Leben. "Ulrike Hauffe ist in Bremen und weit darüber hinaus bekannt dafür."

Der diesjährige Motto-Dreiklang ist angelehnt an 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland: „100 Jahre – wählen, wagen, winnen“. Drei Verben, die auch Ulrike Hauffes Wesen und den Weg zu ihrem Lebensthema Gerechtigkeitganz gut umreißen. Sie hat den Kampf für Gleichberechtigung und Frauengesundheit gewählt, weil sie früh die Erfahrung gemacht hat, dass die Gesellschaft in vielen Punkten anders funktioniert, als sie es als Kind lernte. Aufgewachsen ist sie mit fünf Geschwistern in Lüdenscheid im Sauerland; der wichtigste Grundwert, den ihnen die Eltern trotz einer traditionellen Rollenverteilung (sie Hausfrau, er Unternehmer) vermittelten, war Gerechtigkeit. Das Geschlecht ist weder bei Rechten noch bei Pflichten entscheidend: Mit diesen Credo wurden die Kinder erzogen. „Gerechtigkeit ist mein Treiber, der Hintergrund, vor dem ich meine Themen denke“, sagt Ulrike Hauffe.

Lesen Sie auch

Als Treffpunkt fürs Foto hat sie sich Platz 11 am Weserstadion ausgesucht, weil dieser Platz ihr viel bedeutet. Dort spielen und trainieren neben der U23 auch Werders Frauenteams. Dass sie das tun, und dass es überhaupt die Abteilung Frauen beim SVW gibt, ist einer der Erfolge von Ulrike Hauffes Arbeit – sie alle aufzuzählen, würde mehr als eine Zeitungsseiten füllen. Was die Fußball-Frauen angeht, „hat es ungefähr zwölf Jahre gedauert, aber ich bin zäh“, sagt sie. Etwas zu wagen, die Auseinandersetzung zu suchen, liegt ihr, mehr noch, beides macht Ulrike Hauffe großen Spaß. Sie redet nicht um Dinge herum. Wenn sie etwas, mit Verlaub, scheiße findet, dann sagt sie das genau so. Ulrike Hauffe ist eine Macherin.

Entsprechend lautet ihre Selbstbeschreibung so: „Ich bin eine Rampensau. Ich habe die öffentlichen Auftritte immer genossen. Ich gucke immer, wo die Knotenpunkte sind, die Machtpositionen, in denen zum Beispiel das Geld verteilt wird. Da muss man, nee, frau, hin.“ Und da ist sie auch noch. Eigentlich könnte Ulrike Hauffe nach dem freiwillig früheren Wechsel aus dem Amt der Leiterin der, ziemlich sperriger Titel, aber sie schätzt ihn, Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau jetzt ihren Ruhestand genießen. Mehr Zeit für die vier Enkel, zwei in Nürnberg und zwei in Berlin, hatte sie sich vorgenommen.

Fokus auf überregionalen Themen

Das klappt bislang, aber nach wie vor bekommen Freunde und Bekannte in Bremen sie ihrer Meinung nach zu selten zu Gesicht. Sie konzentriere sich jetzt vor allem auf überregionale Gesundheitsthemen, sagt sie. Kuratorin des Müttergenesungswerks und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Barmer Ersatzkasse, Vorträge als Expertin für Gesundheitsthemen, die Mitarbeit am nationalen Gesundheitsziel des Bundesministeriums: Ulrike Hauffes Terminkalender ist nach wie vor voll. Apropos, den zu beherrschen müsse sie noch lernen, sagt sie lachend: „Früher hatte ich eine Sekretärin, die meine Termine koordiniert und mich gewarnt hat, wenn es zu viele gab. Die habe ich jetzt nicht mehr, und manchmal wird es gefährlich.“

Selbst wenn sie Urlaub macht wie vor kurzem in Jordanien, steht nicht die Entspannung im Vordergrund. „Ich bin nicht der Strandtyp“, sagt sie. „Urlaub sind für mich immer Erlebnisreisen.“ Nichtstun ist und bleibt eben nicht das Ding von Ulrike Hauffe.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+