Erneut härtere Corona-Regeln

Bremen führt Sperrstunde ein

Die Infektionszahl sinkt nur leicht. Deshalb verschärft der Senat weitere Regeln. Ab Montag, 12. Oktober, gilt eine Sperrstunde und an verschiedenen öffentlichen Orten müssen Masken getragen werden.
10.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen führt Sperrstunde ein
Von Nina Willborn
Bremen führt Sperrstunde ein

Die zuletzt gestiegen Zahl von Corona-Neuinfektionen zieht in Bremen zunehmend Konsequenzen nach sich.

Arne Dedert /dpa

Die Zahl der Menschen, die sich in Bremen mit dem Coronavirus infizieren, ist weiterhin hoch. Deshalb hat der Senat am Freitagnachmittag die Regeln noch einmal verschärft. Wie in Berlin soll auch in der Hansestadt eine Sperrstunde zwischen 23 und sechs Uhr für alle gastronomischen Betriebe sowie ein Verbot für den Verkauf von Alkohol dazu beitragen, das Partygeschehen und damit die Zahl von neuen Infektionen und Krankheitsfällen einzudämmen.

Außerdem dürfen sich im Rahmen der Kontaktbeschränkungen nur noch fünf statt bisher zehn Menschen in der Öffentlichkeit treffen. Für Feiern und Veranstaltungen mit Alkohol ist die Zahl der Teilnehmer auf zehn reduziert. Die Bremerinnen und Bremer werden sich auch daran gewöhnen müssen, Mund- und Nasenschutz vorerst auch draußen zu tragen: Das Ordnungsamt wird Gebiete wie beispielsweise Wochenmärkte oder den Sielwall ausweisen, in denen viele Menschen unterwegs sind und der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

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Die neuen Regelungen treten am Montag in Kraft und sollen so lange gelten, bis der Inzidenzwert, der die Infektionen bezogen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen angibt, über einen längeren Zeitraum unter 50 bleibt. Am Freitag war er nach 61 neuen Fällen erneut gestiegen. Er liegt bei 66,4.

„Wir haben immer noch ein sehr schweres Infektionsgeschehen und liegen, was den Inzidenzwert angeht, im Bundesvergleich sehr weit oben“, begründete Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) die zweite Regelverschärfung innerhalb einer Woche. „Wir müssen alles tun, um die Infektionen in den Griff zu bekommen.“ Deshalb seien alle „dringend gebeten“, die neuen Regeln ab sofort zu beachten.

Entwicklung in den Ballungsräumen

Weil nicht nur Bremen, sondern auch viele andere Großstädte zurzeit stark mit der Pandemie zu kämpfen haben, hatten sich am Freitagmittag die Bürgermeister der größten Städte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgetauscht. An der Entwicklung in den Ballungsräumen zeige sich, „ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet". So schätzt die Kanzlerin die aktuelle Lage ein.

Laut Bovenschulte ähneln sich die Maßnahmen, die die Städte im Kampf gegen das Virus ergreifen. „Vor allem die Erfahrungen aus München waren sehr wertvoll.“ Dort war die Zahl der Infektionen Ende September stark gestiegen, unter anderem nach der zeitweise eingeführten Maskenpflicht an stark frequentierten Orten wieder gesunken.

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Dass es während der Pandemie sinnvoll sein kann, auch im Freien Masken zu tragen, bestätigt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. „Auf Wochenmärkten zum Beispiel“, sagt der Virologe, „schafft eine Maskenpflicht zusätzliche Sicherheit. Generell gilt das überall dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann.“ Grundsätzlich hält der Fachmann es für sinnvoll, wenn möglichst viel einheitlich und verständlich geregelt ist. Angesichts der Verwirrung vieler Menschen, was derzeit verboten und was erlaubt ist, „hilft alles, was diese Unsicherheit reduziert“, sagt Dotzauer.

Für Verwirrung bei vielen sorgt nach wie vor auch das von einer Mehrheit der Bundesländer erlassene Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Regionen, in denen der Grenzwert 50 überschritten ist. Bovenschulte kritisiert dies von Anfang an als unsolidarisch und nicht praktikabel – die Runde der Bürgermeister positioniere sich ähnlich, sagte er. Im Gegensatz zu Niedersachsen will Bremen Reisenden aus innerdeutschen Risikogebieten nicht verbieten, in den Hotels der Stadt zu übernachten. „Das Beherbergungsverbot greift mit den Reisenden einen kleinen Bereich heraus und erklärt sie zum Problem“, sagte Präsident des Senats. Auf Länderebene werde das Thema weiter diskutiert werden müssen.

Föderaler Flickenteppich

Das fordert auch die Opposition. Thomas Röwekamp, Vorsitzender der CDU-Fraktion, bemängelt an der Corona-Politik des Senats die Abstimmung mit Niedersachsen. „Das hat maßgeblich zum föderalen Flickenteppich beigetragen“, sagte er. Zudem habe es die Regierung versäumt, Verstöße gegen die Corona-Regeln zu ahnden. „In den nächsten Tagen wird es auf viel Sensibilität und Eigenverantwortung ankommen“, sagte Röwekamp. Der Senat müsse das weitere Infektionsgeschehen sehr genau beobachten und daraus Lösungen ableiten, die die Bevölkerung mitträgt.

FDP-Fraktionschefin Lencke Wischhusen hält die Beherbergungsverbote für „absurd“, zumal die Testkapazitäten nicht ausreichten. „Das ist auch das Versagen der Politik“, sagte sie. Die Liberalen fordern zudem, Mittel aus dem Corona-Fonds unbürokratisch frei zu geben. „Der Veranstaltungswirtschaft, die vor dem Aus steht, helfen jetzt nicht weitere Runde Tische.“

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