Traditionsschiff feiert Jubiläum MS Friedrich: Seit 100 Jahren die Weser rauf und runter

Das Traditionsschiff MS „Friedrich“, das an der Schlachte in Bremen liegt und regelmäßig auf Weserfahrt geht, kam vor 100 Jahren nach Bremen. Der Trägerverein sucht für einen Jubiläumsempfang noch Fotos.
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MS Friedrich: Seit 100 Jahren die Weser rauf und runter
Von Detlev Scheil

Es ist das älteste Schiff, das noch auf der Weser fährt, und dank großen ehrenamtlichen Engagements noch recht gut in Schuss ist: die MS „Friedrich“. 1880 lief sie in Hamburg als „Süd-Hamburg“ vom Stapel und kam vor 100 Jahren an die Weser. Ab den 1920er-Jahren nahm sie Hunderttausende Bremer und Touristen mit auf „Große Hafenrundfahrt“.

Dabei ist es schon ein kleines Wunder, dass der dickbäuchige Doppeldecker immer noch auf der Weser unterwegs ist. Als die „Friedrich“ 1963 zum letzten Mal eine Hafenrundfahrt unternahm und dann außer Dienst gestellt wurde, drohte sie allmählich zu verrotten. 23 Jahre war sie als Werkzeugschiff am Martini-Anleger fest vertäut, ehe sie aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde.

Einige Bremer, die von dem Schiff fasziniert waren, gründeten 1985 den Verein „Bremische Gesellschaft zur Erhaltung der Großen Hafenrundfahrt MS Friedrich“, der den Dampfer von der Schreiber-Reederei übernahm und ihn mit großem Engagement wieder aufmöbelte. Dabei halfen Finanzspritzen von der Stiftung Wohnliche Stadt und Arbeitseinsätze der vom Senat geförderten Bremer Jugendwerkstätten im Gesamtwert von etwa 600 000 D-Mark. Nachzulesen ist all das im reich illustrierten Buch „125 Jahre MS Friedrich – von der Hamburger Hafenfähre zum Bremer Traditionsschiff“ des Bremers Klaus Auf dem Garten, das 2005 erschienen ist.

Die MS „Friedrich“ fällt vor allem durch ihre ungewöhnlichen Proportionen ins Auge. Sie gleicht so gar nicht den schmalen, stromlinienförmigen Wassergefährten, sondern eher einem liegenden Ei. Der 17 Meter lange und fast sieben Meter breite Einschraubendampfer wurde von der Reiherstieg-Schiffswerft in Hamburg gebaut, wo sie als Fähre auf der Elbe diente.

Der Name zum Gedenken

1918 kaufte sie die Bremerhavener Reederei Bernhard W. Riedemann und nannte sie „Bremen-Nord“. 1925 erhielt das Schiff ein zweites Deck und wieder einen anderen Namen: In Gedenken an seinen verstorbenen Sohn wählte Riedemann den Namen „Friedrich“. Anfang der 1930er-Jahre übernahm die Bremer Schreiber-Reederei das Schiff. Zwischen 1949 und 1951 wurde es auf der Lühring-Werft in Brake zum Motorschiff umgebaut. Die Dampfmaschine des Schiffes wurde durch einen Dieselmotor mit 180 PS ersetzt.

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Den Förderverein „Bremische Gesellschaft zur Erhaltung der Großen Hafenrundfahrt MS Friedrich“ traf es hart, als bei der Restaurierung des Schiffes auch die Hauptmaschine ersetzt werden musste, nachdem die überholte alte Maschine bei einem Probelauf im September 1990 Totalschaden erlitten hatte.

Private Darlehen sichern den Erhalt

Die finanzielle Kraftanstrengung überforderte den Verein, sodass auch private Darlehen erforderlich wurden, um 1991 einen Dieselmotor mit einer Leistung von 200 PS einbauen zu können. 1994 erhielt das auch von Touristen viel bewunderte Schiff einen Liegeplatz an der Weser unterhalb der Bürgermeister-Smidt-Brücke. Von dort aus geht es immer mal wieder auf Tour die Weser rauf und runter.

Damit die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, sucht der Trägerverein nun nach alten Fotos von der MS „Friedrich“. „Wir haben zwar bereits historische Aufnahmen und Postkarten, aber es wäre schön, wenn noch weitere Fotos aus Familienalben dazukämen, die wir dann zu einer Ausstellung an Bord zusammenstellen möchten“, sagt Kerstin Eckardt von der Schiffscrew. Der Verein freut sich über Einsendungen an die Mailadresse ms.friedrich@nord-com.net.

Info

Zur Sache

Ein Empfang zum Jubiläum

Das 100-Jahre-Jubiläum begeht der Trägerverein am Freitag, 30. November, um 15 Uhr mit einem öffentlichen Empfang auf der „Friedrich“ am Schlachte-Anleger 4b (Nähe Brill). Die nächste Fahrt ist dann als stimmungsvoller Adventsausflug für Sonnabend, 1. Dezember, um 15 Uhr vorgesehen. Der Fahrpreis beträgt für Mitglieder des Fördervereins zehn Euro, für Gäste 15 Euro. Weil die Unterhaltskosten steigen, wünscht sich der Trägerverein zudem dringend neue Mitglieder. Der Jahresbeitrag liegt bei 60 Euro, Ehe- oder Lebenspartner zahlen 30 und Jugendliche 16 Euro. Weitere Infos gibt es unter www.msfriedrich.de, Kontakt via E-Mail an ms.friedrich@nord-com.net oder Bordtelefon 334 71 43 (mittwochs, 14 bis 18 Uhr).

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