Neuer Busbahnhof in Bremen Tanz ums Terminal

Die Schuppen sind weg, die Diskothek ist verschwunden – jetzt kann es mit dem neuen Bremer Busbahnhof losgehen. Geplant sind außerdem ein Hochhaus mit Hotel und ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen.
03.11.2019, 20:26
Lesedauer: 4 Min
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Tanz ums Terminal
Von Jürgen Hinrichs

Sie haben es so richtig krachen lassen. Ende Mai war das – ein letztes Mal. Das Team von Gleis 9 und seine Gäste sind bis zum Morgen geblieben, denn klar, so kommen sie nie wieder zusammen. Also wurde gefeiert, und wie, bis zum Abwinken. Abschied von einem Ort, an dem es in den vielen Jahren nichts ausmachte, wie laut es wurde. Für einen Klub wie Gleis 9 war das ideal. Doch vorbei, heute liegen dort Schutt, Eisen und Holz, die Überreste von drei Gebäuden.

Eines davon war der Schuppen, in dem nächtelang zu Diskomusik getanzt wurde. Die Fläche wird künftig unter anderem als Fernbus-Terminal genutzt – für ein Projekt, das großen Wirrnissen unterworfen war. Zehn Jahre lang ging es munter hin und her, welcher Standort der beste ist. Und als er endlich gewählt war, zogen sich die Verhandlungen mit dem Eigentümer hin. Doch nun wird mit dem Bau begonnen. Fertigstellung: Frühjahr 2022. Ein Jahr später als bei Vorstellung der Pläne angekündigt.

Unhaltbarer Zustand

Das Grundstück hinter dem Überseemuseum klemmt zwischen einem Bahngleis, dem ehemaligen Fruchthof, dem Betriebsgelände von Weser-Ems-Bus und einem Haus, das im Weg steht, aber nicht abgerissen werden kann, weil hinter den Mauern die Netzwerktechnik der Deutschen Bahn AG untergebracht ist. Zum Bahnhof läuft man von dort in etwa so weit wie vom aktuellen Terminal am Breitenweg. Dort halten die Busse unter Umständen, die von den Verkehrspolitikern früh als unhaltbar gegeißelt wurden. Zu gefährlich im Gewusel von Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern. Zu eng für die Reisenden mit ihren Koffern und Rucksäcken. Kein Schutz vor Wind und Wetter. Keine Toiletten.

Dafür, dass dringend Abhilfe geschaffen werden sollte, dauert es mit dem geplanten Neubau nun schon über Gebühr lange. Zwischendurch war ein ganz anderer Ort ins Gespräch gebracht worden. Die Fernbusse dorthin, wo die Flugzeuge landen. Am Ende setzte sich aber die Einsicht durch, dass nicht der Flughafen die Anschlussstelle für ein Bus-Terminal sein muss, sondern der Hauptbahnhof.

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Bisheriger Eigentümer des größten Teils der benötigten Fläche ist das Bremer Unternehmen Buhlmann-Immobilien. Nach hartem Ringen um den Kaufpreis gingen die 3613 Quadratmeter schließlich an die Stadt über. Weitere 800 Quadratmeter steuerten der Eigentümer des ehemaligen Fruchthofes und die Weser-Ems-Bus GmbH bei, die an der Stelle einen Betriebshof unterhält. Auf diesem zusammengezogenen Grundstück baut Bremen den Busbahnhof. Geplant sind elf überdachte Stellplätze. Die Kosten werden auf knapp sechs Millionen Euro geschätzt. Wer das Terminal später betreibt, steht noch nicht fest.

Terminal, Parkhaus, Hotel

Die Fahrgäste stehen künftig also nicht mehr im Regen. Mehr noch: Es wird eine Toilettenanlage geben, einen Warteraum und verschiedene andere Serviceeinrichtungen. Platz dafür ist im direkt angrenzenden Parkhaus, das neu errichtet wird. Es ist Teil der Pläne von Buhlmann-Immobilien, das hinter dem Überseemuseum neben der Fläche, die das Unternehmen an die Stadt verkauft hat, weitere Grundstücke besitzt.

In dem Parkhaus werden 500 Stellplätze untergebracht. Möglicherweise gibt es dort nach Angaben von Buhlmann weitere Mobilitätsangebote, Verleihstationen für Autos und Fahrräder zum Beispiel. Wie beim Fernbus-Terminal ist auch beim Parkhaus noch offen, wer es bewirtschaftet. „Da laufen die Gespräche noch“, heißt es aus dem Hause Buhlmann. Mit der Stadt werde abgestimmt, wie die Freianlagen später aussehen sollen und welchen Weg genau die Verkehre nehmen.

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Terminal und Parkhaus, das sind zwei Elemente, ein drittes kommt hinzu. Buhlmann baut ein Hochhaus, um das Ensemble komplett zu machen. Es misst mit seinen zwölf Geschossen gut 40 Meter und wird eine Nutzfläche von rund 8000 Quadratmetern bekommen. Die unteren Etagen belegt ein Hotel, oben drüber sind Büros geplant.

Für das Hotel wurde bereits ein Betreiber gefunden. Es ist die Meininger-Gruppe aus Berlin. Sie hat sich auf einen Mix aus Budgethotel und Hostel spezialisiert. Angeboten werden die herkömmlichen Einzel- und Doppelzimmer, aber auch Mehrbettzimmer für Gruppen und Familien. Die Gäste können sich in Küchen ihre Mahlzeiten selbst zubereiten. Ein Profil, das stark auf jüngere Leute abzielt, die zum Beispiel gern mit Fernbussen reisen und in den jeweiligen Städten für vergleichsweise wenig Geld Station machen wollen.

Meininger gibt es in Deutschland an zwölf Standorten. Mit Stuttgart kommt in zwei Jahren ein nächster dazu, danach ist Bremen dran. In der Bürgermeister-Smidt-Straße 15, so die Adresse, werden laut Mitteilung der Hotelgruppe auf einer Bruttogeschossfläche von mehr als 5100 Quadratmetern 126 Zimmer mit zusammen 378 Betten eingerichtet.

Zweistelliger Millionenbetrag soll investiert werden

Buhlmann-Immobilien wird nach eigener Darstellung für das Gesamtprojekt einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Wenn erst einmal der Schutt weggeräumt ist und die Kampfmittelbeseitiger ihren Job erledigt haben, kann mit den Erd- und Gründungsarbeiten begonnen werden. Für das Hochhaus sei der Bauantrag bereits eingereicht, teilt das Unternehmen mit. Beim Parkhaus sei er in Vorbereitung. Der Investor geht davon aus, dass Fernbus-Terminal, Hotel und Parkhaus zeitgleich fertig werden. Die Stadt schließt auf Anfrage indes nicht aus, das Terminal früher zu realisieren.

Der Bedarf für eine Einrichtung, die früher unter dem Begriff Zentraler Omnibusbahnhof firmierte und mit ZOB abgekürzt wurde, ist zweifelsohne vorhanden. Zu den Busunternehmen, die Bremen bereits anfahren, in erster Linie Flixbus, ist kürzlich ein weiterer Anbieter hinzugekommen. Die französische Mitfahrplattform Blablacar hat das Unternehmen Blablabus gegründet und die Hansestadt als Ziel aufgenommen. Noch mehr Kunden am Breitenweg, und die werden sich wundern: Während zum Beispiel in Hannover seit einigen Jahren ein hochmodernes Terminal die Gäste empfängt, ist es in Bremen nur eine Straßenhaltestelle. Knappe drei Jahre, so lange müssen die Freunde des Fernbusses noch Geduld haben.

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