Kaufmannsfeste in Corona-Zeiten Bremer Schaffermahlzeit und Eiswette auf der Kippe

Die Macher von Schaffermahlzeit und Eiswette wollen keine abgespeckte Version ihrer großen Kaufmannsfeste und würden wegen Corona eher verzichten.
07.08.2020, 05:00
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Bremer Schaffermahlzeit und Eiswette auf der Kippe
Von Jürgen Hinrichs

Die Corona-Krise macht auch vor Traditionen nicht halt: Nach heutigem Stand ist kaum vorstellbar, dass die beiden großen Bremer Kaufmannsfeste stattfinden können. So ist es aus Kreisen von Schaffermahlzeit und Eiswette zu hören. Absagen gibt es zwar noch keine, und die Veranstalter sind mit ihren Stellungnahmen betont vorsichtig. Tenor ist aber, dass die Feste eher ausfallen sollen, als sie wegen der Corona-Beschränkungen in ihrem Charakter zu verändern. Ausfallen würden dadurch auch die Spenden – in dem einen Fall für bedürftige Kapitäne auf dem Seefahrtshof von Haus Seefahrt, in dem anderen für die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

„Wir planen wie gewohnt und werden dann sehen, was wir machen können“, sagt Eiswettpräsident Patrick Wendisch auf Anfrage. Nur so könne man die Option aufrechterhalten, das Fest doch noch über die Bühne gehen zu lassen. Klar sei, dass man sich strikt an die behördlich festgelegten Regeln halten würde. Welche das sein könnten, ist völlig offen, schließlich dauert es bis zum regulären Stiftungsfest der Eiswette von 1829 noch ein knappes halbes Jahr.

Traditionen-Erhalt trotz Corona

Es sind jedes Mal annähernd 800 Teilnehmer, die am dritten Sonnabend im Januar im Congress-Centrum zusammenkommen und eng an eng an den sogenannten Eisschollen sitzen, um unter anderem Braunkohl zu verzehren. Die Eiswettgenossen aus der Bremer Kaufmannschaft laden dazu Gäste aus nah und fern ein. Bis zum vergangenen Jahr waren das ausnahmslos Männer, auf Druck der Öffentlichkeit wurden dann aber auch Frauen zugelassen. Noch stärker sollen die Traditionen allerdings nicht gebrochen werden, auch nicht in Zeiten von Corona. „Entweder wir machen es ganz oder gar nicht“, sagt Thomas Röwekamp aus dem Präsidium der Eiswette. Deutlich weniger Gäste, ein anderer Ort, eine andere Sitzordnung – für ihn kommt das nicht infrage.

Führende Mitglieder von Haus Seefahrt sehen das in ihrem Fall genauso. „Wir können das nicht in reduzierter Form machen oder auf die Obere Rathaushalle verzichten“, sagt Matthias Claussen, der bis vor Kurzem Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt war und in dieser Funktion jetzt von Ingo Kramer abgelöst wurde.

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Kramer, Unternehmer aus Bremerhaven und Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, betont im Gespräch mit dem WESER-KURIER, dass zur Vorbereitung auf die Schaffermahlzeit derzeit das gemacht werde, was anstehe. „Entscheiden werden wir im Herbst“, kündigt er an. Möglicherweise am 21. September, wenn die drei gewählten kaufmännischen Schaffer das erste Mal mit den Vorstehern von Haus Seefahrt zusammenkommen, um über die Details der Veranstaltung am 12. Februar kommenden Jahres zu beraten.

Klar ist für Kramer aus Sicht von heute bereits eines: „Wir werden keinerlei gesundheitliches Risiko eingehen, das versteht sich von selbst.“ Er könne sich aber auch nicht vorstellen, wesentliche Dinge am organisatorischen Ablauf zu verändern, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden: „Die Schaffermahlzeit ist ein Aushängeschild für Bremen. Entweder findet sie so statt wie immer, oder wir lassen sie ausfallen.“

Spenden für bedürfte Kapitäne

Das älteste Brudermahl der Welt besteht seit 1545. Unter den 300 Gästen waren im vergangenen Jahr 15 Frauen. Eine längere Pause gab es kriegsbedingt zwischen 1940 und 1951. Die Teilnehmer spenden für Haus Seefahrt, das in Bremen-Grohn auf dem Seefahrtshof Wohnungen für bedürfte Kapitäne und ihre Ehefrauen bereithält. Wie viel Geld dabei zusammenkommt, verrät die Stiftung nicht. Fest steht, dass es sich um eine erkleckliche Summe handelt. Die Eiswette von 1829 sammelt bei ihrem Stiftungsfest im Januar, das zuletzt 1991 wegen des Golfkriegs ausgefallen war, traditionell für die DGzRS. In diesem Jahr lag der Betrag bei knapp 500.000 Euro. „Vor der Eiswette brauchen wir uns nicht zu verstecken“, hieß es dazu mal aus den Kreisen von Haus Seefahrt.

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Was sonst noch in Gefahr ist

Im Januar, wenn eigentlich das Stiftungsfest der Eiswette stattfinden soll, will mit den Sixdays noch eine andere Großveranstaltung an den Start gehen. Insider halten das für mehr als fraglich, eine Absage gibt es aber noch nicht. Wenig später, eine Woche vor der geplanten Schaffermahlzeit, ist der Termin für den Samba-Karneval. Ihn gibt es seit 35 Jahren; ausgefallen ist er noch nie. Die Veranstalter wollen sich im Herbst ein Konzept überlegen und sind zuversichtlich, in irgendeiner Form feiern zu können. Das Straßenfestival La Strada wurde in diesem Jahr von Juni auf September verschoben und findet in Knoops Park statt. Noch keine Entscheidung gibt es für den Bremer Freimarkt und den Weihnachtsmarkt.

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