Produktion ab 2020 in Polen Hachez-Mitarbeiter kämpfen für einen Sozialpan

2020 soll die Produktion der Bremer Traditionsmarke nach Polen verlagert werden. Mehr als 150 Mitarbeiter verlieren dann ihren Job. Am Freitagmorgen haben sie vor dem Werk für einen Sozialplan demonstriert.
29.03.2019, 11:14
Lesedauer: 2 Min
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Hachez-Mitarbeiter kämpfen für einen Sozialpan
Von Florian Schwiegershausen

Mehr als 70 Hachez-Mitarbeiter haben sich am Freitagmorgen vor das Werkstor des Unternehmens gestellt, um für eine knappe Stunde für einen Sozialplan zu demonstrieren. Denn schon in einem Jahr soll die Produktion in Bremen für immer eingestellt werden. Damit wird die Mehrheit der Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Denn im Februar 2018 hatte der Mutterkonzern von Hachez, die dänische Firma Toms, bekanntgegeben, die Produktion nach Polen zu verlagern.

Die Mitarbeiter in Bremen, die zum Teil bis zu 45 Jahre im Unternehmen arbeiten, verlangen nun nach einem Sozialplan. An diesem Freitag ist bereits der vierte Verhandlungstag dafür. Der Gewerkschaft NGG wurde von der Geschäftsführung gesagt, dass den Mitarbeitern an diesem Tag ein Angebot vorgelegt werden soll. Die NGG verlangt für die Mitarbeiter pro Jahr Betriebszugehörigkeit etwas mehr als ein Monatsgehalt und dazu die Gründung einer Transfergesellschaft, in der sich die Mitarbeiter qualifizieren können und Zeit haben, sich einen anderen Job zu suchen.

Einer von ihnen ist 47 Jahre alt und arbeitet seit 21 Jahren in der Lagerhaltung von Hachez – bis 2016 noch in Huchting, dann wurde das Lager dort verkauft. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 1998 ist er also im Unternehmen: „Wir haben uns hier den Arsch aufgerissen. Wenn im Werk in der Westerstraße Betriebsruhe war, haben wir in Huchting weitergearbeitet, haben in einer Schicht 200 Paletten bewegt, damit die Ware in die Läden kommt.“ Er kritisiert, dass man von der Geschäftsführung nichts mitbekommt und der Informationsfluss mehr als dürftig sei.

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Bereits seit einigen Tagen haben Hachez-Mitarbeiter ihre Autos, die rund um das Hachez-Werk in der Westerstraße stehen, mit Sprüchen beklebt. Damit wollen sie den dänischen Mutterkonzern Toms an seine soziale Verantwortung erinnern. Da ist auf den Autos beispielsweise zu lesen: „Karl macht sich Sorgen… …doch Toms (Inhaber von Hachez und Feodora) verspricht, dass die Produktion in Bremen fair beendet wird.“ Die Hachez-Besitzer Wolf Kropp-Büttner und der inzwischen verstorbene Hasso Nauck hatten das Unternehmen im April 2012 an den dänischen Süßwarenhersteller Toms verkauft. Der Kaufvertrag sah damals vor, dass beide dem Unternehmen als angestellte Geschäftsführer noch bis Ende 2014 erhalten bleiben. Doch Nauck legte bereits im Januar 2013 nieder, Kropp-Büttner folgte ihm im September 2013. Damals hieß es, dass es in der gemeinsamen Zeit nicht gelungen sei, so viel Vertrauen aufzubauen, wie für eine konstruktive Geschäftsführung wünschenswert gewesen wäre.

Der Plan der aktuellen Geschäftsführung sei, dass die Belegschaft ab Juli noch die Produktion für das Weihnachtsgeschäft übernimmt – zum letzten Mal in ihrem Leben werden sie dann Hachez-Weihnachtsmänner produzieren. Sollte es seitens der Geschäftsführung zu keinem für die Gewerkschaft NGG tragfähigen Sozialplan kommen, sieht der zuständige Anwalt auch rechtliche Möglichkeiten für einen Streik.

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Große Hoffnungen setzen einige Hachez-Mitarbeiter nicht in ihren Geschäftsführer Christian Strasoldo. Der ist seit Dezember 2017 der Chef und verkündete zwei Monate später das Aus für die Produktion. Daher sagen sie: „Der wurde doch eh nur eingestellt, um uns hier abzuwickeln. Denn von der Geschäftsführung hat man doch keinen einzigen Einsatz für den Erhalt unseres Werks vernommen.“ Wenn die Produktion 2020 schließt, enden damit 130 Jahre Schokoladentradition in der Hansestadt. Die Verwaltung soll zwar in Bremen erhalten bleiben, aber auch da mutmaßen Mitarbeiter bereits: „Die kann überall nach Bremen ziehen, und danach wird das Produktionsgelände hier an der Westerstraße verkauft, um hier Wohnungen zu bauen.“

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