Auf dem Weg zum sozialen Quartier Studierende wollen Bremer Airportstadt beleben

Durch die Neuenlander Straße von der Neustadt getrennter „Unort“ könnte zum „sozialsten Stadtteil Europas“ werden. Entwürfe von Bremer Studierenden für die Airportstadt sind im Flughafen-Terminal 1 zu sehen.
28.06.2019, 20:19
Lesedauer: 3 Min
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Studierende wollen Bremer Airportstadt beleben
Von Justus Randt

Transparenz bis zum vollkommenen Durchblick, der große Würfel als großer Wurf oder kleine Kuben, die jeder für sich und alle zusammen Vielfalt verkörpern. 36 Studierende aus den Architektur- und Designstudiengängen der Hochschule Bremen und der Hochschule für Künste (HfK) haben sich die Zukunft des Flughafenumfeldes als „produktive Stadt“ ausgemalt. Mal dominiert das Blaue vom Himmel, mal sattes Oasengrün das Bild der jungen Visionäre. Eine klare Linie verfolgen alle: Die Airportstadt muss viel mehr als Arbeit und Parkplätze bieten, wenn sie sich zum echten Quartier entwickeln soll. Insgesamt acht Entwürfe sind am Freitag durch die Studierenden vorgestellt worden. Drei von ihnen hat eine Jury schließlich ausgezeichnet.

Ob als Ort klimaneutraler Stadterneuerung oder als Modell einer von einer App gesteuerten Stadtentwicklung, die ganz in Händen der Akteure liegt – wer immer sie sein mögen: Der Fantasie waren wenig Grenzen gesetzt. In interdisziplinär besetzten Teams haben die Studierenden seit März an der im Austausch mit der Interessengemeinschaft Airportstadt entstandenen Aufgabenstellung gearbeitet. „Produktive Stadt“ lautet das aktuelle Thema des jährlichen Kooperationsprojektes Interspace unter der Leitung von Ulrike Mansfeld von der Hochschule Bremen und ihres Kollegen Detlef Rahe von der HfK. Bremens Identität leitet sich aus wirtschaftlich geprägten Epochen ab, die Spuren in vielfältiger Form hinterlassen haben. Soweit die Grundannahme, unter der die Studierenden der Frage nachgingen: Wie werden sich der Wandel der Mobilität, der Produktion und der Kommunikation auf die Stadtteile auswirken, wie auf Bremen als Metropole?

Schließlich gab es drei Gewinner-Teams, unter denen die 1000 Euro Preisgeld verteilt wurden. Pauline Lang, Sergio S. Conde, Duy Thong Bui und Jingling Yu hatten gleich zu Beginn der Präsentation ihres Entwurfs „Hub-in“ klargestellt, dass die Airportstadt den Charakter eines Endpunktes habe. „Niemand ist freiwillig hier, es sei denn beruflich oder zum Verreisen.“ Gründerzentrum und Fliegerschule, die günstige Straßenbahnanbindung, daraus müsse sich doch etwas machen lassen, auf dass „junge Menschen für den produktiven Standort am Flughafen fasziniert werden“. Ein Kern der Antwort ist ein in seiner Kastigkeit der neuen Stadtarchitektur an anderer Stelle ebenbürtiges Zentralgebäude, das als universale Wohn-, Produktions- und Bildungsstätte funktionieren und eine Quartiersmensa beherbergen könnte.

Die Hochstraße als Anziehungspunkt

Die „Monofunktionalität“ aufzuheben und am selben Ort zu wohnen und zu arbeiten, das hat, wie die Schaffung eines Quartiersplatzes, auch in anderen Entwürfen einen hohen Stellenwert – etwa für das zweite Preisträger-Team. André Fischer, Luna Grommes, Marina Kaiser, Nina Möllering und Anneliese Schwalbe haben ihren Entwurf „Überbrücken – Unterbrücken“ genannt. Das ist Programm: „Ziel ist es, die heute trennende Hochstraße zu einem verbindenden Anziehungspunkt zu modifizieren.“ Die Neuenlander Straße würde das Team auf zwei Spuren zurückbauen, um sie als Barriere zwischen der Neustadt und dem Flughafen zu entschärfen. Ausgangsfrage: „Wie kann ein Unort ein Quartier zum Leben erwecken?“

Die Drittplatzierten, wollen der Airportcity zu „Produktivität durch Inklusion“ verhelfen. Dilara Aladdinoglu, Gina Zars, Marija Kostjuka, Miray Ciftci und Yijun Zhou planen, bei Firmen am „Hightec-Standort“ Airportstadt Ausbildungsprogramme zu entwickeln, die Arbeitslosen und Schwerbehinderten, Alleinerziehenden, Jugendlichen ohne Schulabschluss und Strafgefangenen in die Arbeitswelt helfen. Das transparent gestaltete Zentralgebäude mit Rampen nennt das Team „Soziomat“. Ziel: „Die Airportstadt wird der sozialste Stadtteil Europas.“

Zu den weiteren Entwürfen zählt der Airportpark, den Seyma Seyhan und Dilara Halimler vorstellten: „Ja zu urbanem Grün in allen Dimensionen“ lautet die Parole – an Flächen, Dächern und Fassaden. Die Idee, die Parkhäuser am Flughafen mit variablen Sieben-Kubikmeter-Würfeln als Wohn- und Gewerberäumen zu flankieren, besticht durch die große Flexibilität und durch das Genossenschaftsmodell, das zur Finanzierung genutzt werden soll. Charmant auch die Idee der „Stimme der Stadt“, deren Zentrum ein Klangtempel ist, in dem die Identität der Stadt auditiv vermittelt wird.

Für die Jury hatte Architekt Jost Westphal gesagt, es sei nicht bewertet worden, ob ein Beitrag groß oder klein sein. „Die Konsequenz, mit der ein Ansatz durchdacht wurde, muss erkennbar sein“, erläuterte er. Die Entwürfe sind noch bis Mitte August im Flughafen-Terminal 1 zu sehen.

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