St. Ansgarii Gemeinde

Freund des Dialogs und offener Worte

Ein überzeugter Protestant und der neue Pfarrer von St.Ansgarii: Benedikt Rogge erklärt, was er nach seiner Amtseinführung plant.
21.10.2019, 07:24
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth
Freund des Dialogs und offener Worte

Die St. Ansgarii-Kirche in der Schwachhauser Heerstraße ist Benedikt Rogges neuer Arbeitsplatz.

PETRA STUBBE

Ganz unbekannt ist der Mann in Bremen nicht. Nach Findorff, Hastedt und der Überseestadt hat Benedikt Rogge jetzt in Schwachhausen eine neue berufliche Heimat gefunden. Zum 15. August hat der 40-Jährige seine erste Pfarrstelle in der St. Ansgarii-Gemeinde angetreten. Und er hat sich viel vorgenommen. Davon zeugt nicht zuletzt der Vers aus dem Markusevangelium, den er sich für seinen Einführungsgottesdienst am Sonntag, 3. November, um 12 Uhr, gewählt hat: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“, fragt darin Jesus von Nazareth einen blinden Bettler. „Das ist eine Frage, mit der alles beginnt, ein Neuanfang quasi“, erklärt Rogge. „Was sie aber besonders macht, ist die Perspektive. Denn Jesus stellt sich hier auf Augenhöhe des Blinden. Er geht nicht davon aus, zu wissen, was dieser benötigt, sondern er sucht den Dialog.“ Seiner Gemeinde möchte Rogge ähnlich begegnen. Es sei ihm wichtig, die Nöte, Wünsche und Freuden der Menschen zu erfahren. „Ich möchte unsere Kirche zusammen mit meiner Kollegin Ulrike Oetken und den Ehrenamtlichen für den Stadtteil und die Stadt öffnen. Miteinander das Gemeindeleben gestalten und sich im Gespräch austauschen, das sind mir Herzensanliegen.“

Benedikt Rogge fand auf Umwegen zu seinem Beruf, den er mit viel Engagement und Freude ausübt. Der gebürtige Krefelder stammt aus einem katholischen Elternhaus. Nach dem Abitur studierte er Psychologie und Soziologie in Freiburg und Tübingen. In dieser Zeit verbrachte er jedes Jahr mehrere Wochen in einem Franziskaner-Kloster und machte hier die Bekanntschaft eines Bruders. „Dieser Mensch hat mir erstmals vor Augen geführt, dass Religion etwas mit dem wahren Leben zu tun hat. Es hat mich tief beeindruckt, wie er seinen Glauben gelebt und bewusst in sein tägliches Handeln integriert hat.“

Mit einem Promotionsstipendium kam Rogge dann 2006 nach Bremen an die International Graduate School of Social Sciences. Er forschte zu den Folgen von Arbeitslosigkeit und engagierte sich ehrenamtlich im Arbeitslosenzentrum Tenever. Und nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob er wirklich der geborene Wissenschaftler ist oder da noch was anderes ist, das ihn beruflich mehr ausfüllt. Ein Urlaub im Harz gab dann den Ausschlag, sich zunächst einmal näher mit seinem Glauben zu befassen. „In Stolberg habe ich mir damals die Biografien von Thomas Müntzer und Martin Luther gekauft und mich zum ersten Mal intensiv mit den Konfessionsunterschieden auseinandergesetzt. Besonders bei Luther fand ich so viele Übereinstimmungen mit meinem Denken“, erzählt Rogge. „Ich begegnete auf neue Weise einem Gott, der Liebe und Freiheit verbindet. Und das bestimmt bis heute mein Bild von Gott: Dass er die Menschen ungeachtet von Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung, Sozialstatus und Äußerlichkeiten mit weit geöffneten Armen empfängt.“ Luthers Denken nachzuvollziehen, sei heilsam für ihn gewesen. Es habe ihm die Augen geöffnet und für seinen weiteren Glaubensweg geprägt: „Gott wendet sich den Menschen um ihrer selbst willen zu. Und er respektiert auch diejenigen, die nein zu ihm sagen.“

Rogge begann intensiv über einen Wechsel der Konfession nachzudenken, tauschte sich mit seiner Frau, Familie und verschiedenen Pastoren aus. 2009 vollzog er den Schritt und trat zum evangelischen Glauben über. Er engagierte sich in der Gemeinde Unser Lieben Frauen, war im Kirchenvorstand aktiv und merkte immer mehr, wie viel Freude ihm die Arbeit bereitete. Nur drei Jahre später im Alter von 33 Jahren entschloss er sich zu einem Theologiestudium für Quereinsteiger, zunächst berufsbegleitend in Münster, danach in Heidelberg. „Das war schon ein richtiger Umbruch und der Beginn einer ganz neuen Lebensphase. Nach sieben Jahren im Beruf habe ich sozusagen wieder die Schulbank gedrückt“, erzählt er schmunzelnd, „und zwei Wochen nachdem mein Sohn zur Welt kam, fuhr ich zum Griechisch-Intensivkurs.“

Für das zweieinhalbjährige Vikariat, die Ausbildung zum Pastor, kehrte er 2015 mit seiner Familie in die Hansestadt zurück. „Die Bremische Evangelische Kirche hat sich sehr aufgeschlossen für meinen Quereinsteigerweg gezeigt“, sagt er. Er durchlief mehrere Gemeinden, war zunächst in der Martin-Luther-Gemeinde in Findorff und wechselte dann zur Hastedter Auferstehungsgemeinde, wo er 2018 seine Ordination feierte – die Einführung in das Amt des Pastors. Anschließend war er noch eineinhalb Jahre in der Wilhadi-Gemeinde und in der Überseestadt tätig, bis er im August dieses Jahres seine neue Stelle in St. Ansgarii antrat.

Hier fühlt sich der Seelsorger sehr freundlich aufgenommen. „Die Menschen sind sehr engagiert und offen. Ehrenamtliche organisieren beispielsweise das Café Dienstag für Obdachlose und Bedürftige. Eine tolle Sache“, schwärmt Rogge, der selbst viele neue Ideen für seine Arbeit hat. Eine Herzenssache ist ihm das Miteinander der Religionen. Jeder könne etwas vom anderen lernen, ist er überzeugt. Gemeinsam mit der Partnergemeinde Unser Lieben Frauen und der katholischen Gemeinde St. Katharina hat er eine ökumenische Kinderbibelwoche ins Leben gerufen hat, die in den Osterferien 2020 stattfindet. Die Ökumene lebt er nicht nur von Berufswegen, sondern auch am Küchentisch, wie er augenzwinkernd sagt, mit seiner katholischen Frau. „Wir haben zwar unterschiedliche Konfessionen, aber was den Kern des Glaubens betrifft, sind wir ganz nah beieinander. Benedikt Rogge wird am 3. November im Rahmen eines Gottesdienstes von der Pastorin Ulrike Oetken und dem Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, feierlich in sein Amt eingeführt. Zeitgleich findet ein Kindergottesdienst statt. Im Anschluss lädt die Gemeinde zu einem Empfang mit Essen ein. Wer teilnehmen möchte, wird um Anmeldung gebeten, an st.ansgarii@kirche-bremen.de oder telefonisch unter 8 41 39 10.

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