Kaum Flächen für Nachpflanzungen

Geplante Fernwärmetrasse: 56 Bäumen werden gefällt

In Schwachhausen soll es einen Ausgleich für die Bäume, die für den Bau der SWB-Fernwärmetrasse gefällt werden müssen, geben. Doch die Experten kennen keine Flächen, die für Neupflanzungen in Frage kommen.
12.03.2020, 09:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Vermeiden, ausgleichen, ersetzen – das ist die Reihenfolge, wenn es in Bremen um Baumfällungen für Baumaßnahmen geht. Für die geplante Fernwärmetrasse der SWB müssen in Schwachhausen voraussichtlich 56 Bäume weichen, die meisten davon zwischen der alten Wendeschleife der Linie 6 an der H.-H.-Meier-Allee und der Kirchbachstraße. Die Zahl sei noch nicht endgültig, erfuhr der Schwachhauser Umweltausschuss am Dienstag. SWB-Sprecher Friedhelm Behrens erklärte, dass es ein halbes Dutzend Grenzfälle gebe, die von den Experten noch näher angeschaut werden müssen. Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf einem stadtbildprägenden Baum an der Ecke H.-H.-Meier-Allee und Schwachhauser Ring, den die Planer unbedingt erhalten wollen, sagte Behrens. Ob das gelinge, werde sich allerdings erst im Zuge der Baumaßnahme herausstellen.

Wo die Ersatzpflanzungen für die zu fällenden Bäume geplant sind, konnte Behrens dem Ausschuss am Dienstag nicht beantworten – denn das sei in Schwachhausen eine überaus schwierige Angelegenheit. Es gebe im Grunde keine geeigneten Flächen im Stadtteil, um neue Bäume zu pflanzen, sagte der SWB-Sprecher. Hinweise aus dem Ausschuss seien aber jederzeit willkommen.

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Baumwurzeln brauchen genug Platz

Geeignet bedeute, dass man am neuen Standort mindestens zwölf Kubikmeter Erdreich für den Wurzelballen ausheben können muss, erklärte Andreas Block-Daniel. Für größere Exemplare muss man laut des vereidigten Baumsachverständigen bis zu 36 Kubikmeter rechnen. Solche Stellen zu finden, sei in Schwachhausen äußerst schwierig. Früher habe man sich bei Neuanpflanzungen oft mit einem deutlich kleineren Aushub begnügt – das räche sich heute dadurch, dass die Bäume längst nicht mehr so alt werden, wie sie eigentlich könnten.

Der Ausschuss zeigte sich angesichts dieser Perspektive enttäuscht. Gudrun Eickelberg (Grüne) erklärte, ihre Fraktion habe eigentlich als Ausgleich für den Stadtteil erwartet, dass es sogar mehr Nachpflanzungen geben werde als Bäume gefällt werden. Das daraus nichts werden wird, galt am Ende der Sitzung als relativ sicher. Gespräche mit den Experten der Naturschutzbehörde und des Referats Grünordnung hätten ergeben, dass man dort keine Möglichkeit für Nachpflanzungen in Schwachhausen sehe, berichtete Gotthard Storz. Als letzte Möglichkeit blieben in solchen Fällen Nachpflanzungen außerhalb des Stadtteils, erklärte der von der SWB beauftragte Landschaftsarchitekt.

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Vera Helling (Grüne) schlug vor diesem Hintergrund vor, prüfen zu lassen, ob im Zuge der Trassenverlegung an geeigneten Stellen quasi ein Tausch von Parkplätzen und Baumstandorten denkbar wäre. Da die zu fällenden Bäume aufgrund der Wärmeabstrahlung der Trasse nicht an ihrem ursprünglichen Standort nachgepflanzt werden könnten, ließen sich dort stattdessen möglicherweise Stellplätze einrichten, sagte sie. Im Gegenzug könnten die Bäume dann auf den ehemaligen Parkflächen nachgepflanzt werden, regte sie an. SWB-Projektleiter Klaus Roocke hielt ein solches Szenario eher für unwahrscheinlich – zumindest mit der SWB als Initiatorin. „Wir können nicht ganze Straßenzüge umgestalten“, sagte er. Das sei Sache der Stadt. Wenn es von dieser Seite ein entsprechendes Signal gebe, könne man sich die Pläne allerdings gerne gemeinsam ansehen. Auf Hellings Nachfrage, wie lange die neugepflanzten Bäume von der SWB betreut werden, um sicherzustellen, dass sie nicht nach kurzer Zeit wieder eingehen, berichtete Roocke, dass die SWB 30 Jahre lang für die Bäume verantwortlich sei. Dazu komme eine fünfjährige Gewährleistung.

Auf Antrag von Jörg Henschen (SPD) beschloss der Ausschuss einstimmig, die Schwachhauser Bevölkerung bei der Suche nach geeigneten Standorten mit ins Boot zu holen. Bürger, die eine geeignete Fläche für neue Baumpflanzungen im Stadtteil benennen können, sind ab sofort vom Ausschuss aufgerufen, einen entsprechenden Hinweis an das Ortsamt zu richten. Voraussetzung für einen solchen Standort ist neben einer Größe von mindestens drei mal drei Metern, dass sich die Fläche nicht auf privatem Grund befindet. Ortsamtsleiterin Karin Mathes wies außerdem darauf hin, dass Nachpflanzungen für Fällungen zur Verkehrssicherung wie aktuell an der Georg-Gröning-, Fitger-, Schubert-, Benque- und Donandtstraße einzig über den Umweltbetrieb Bremen laufen. Die so entstandenen Lücken kämen somit nicht als Standort für Ausgleichspflanzungen der SWB infrage. Das Ortsamt nimmt die Standortvorschläge bis zum 20. April entgegen, damit der SWB ausreichend Zeit bleibt, die eingegangenen Hinweise fachlich zu überprüfen. Ende Mai will die SWB den Antrag zum Planfeststellungsbeschluss einreichen.

Weitere Informationen

Das Ortsamt Schwachhausen ist telefonisch unter 361-18031 und per E-Mail unter office@oaschwachhausen.bremen.de zu erreichen.

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