Bremer Vahr

Wildnis weicht Wohnungsbau in der Vahr

Über das geplante Klimaschutzquartier in der Vahr ist noch wenig bekannt. Bis zu 150 Wohnungen sollen entstehen. Anfang Mai sollen Anwohner und Nachbarn über die Detailplanungen informiert werden.
15.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wildnis weicht Wohnungsbau in der Vahr
Von Christian Hasemann
Wildnis weicht Wohnungsbau in der Vahr

Baggerspuren und abgesägte Bäume am Stichweg an der Ostpreußischen Straße zeugen davon, dass vorbereitende Maßnahmen auf dem Gelände angelaufen sind.

PETRA STUBBE

Noch sind über die Pläne für ein geplantes Wohngebiet an der Ecke Ostpreußische Straße/ Konrad-Adenauer-Allee nur wenige Details bekannt. Klar ist, dass das betreffende Gelände einem Investor gehört und dort bis zu 150 Wohnungen entstehen sollen. Die Anwohner und Nachbarn sollen voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai in einer Einwohnerversammlung über die Detailplanungen informiert werden.

Derzeit wird hinter den Kulissen am Bebauungsplan 2518 für das knapp 23.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem aufgelassene Gartenlauben und Kleingärten liegen, gearbeitet. Noch also herrscht gar kein Baurecht. Das bedeutet aber nicht, dass der Eigentümer nicht schon mit Abrissarbeiten etwaiger Altbauten beginnen kann. Grundsätzlich ist das Gebiet im Flächennutzungsplan (FNP) bereits als Wohngebiet ausgewiesen.

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Flächennutzungspläne sind so etwas wie grobe regionale Leitlinien und legen fest, welche Nutzungen an bestimmten Orten möglich sein sollen, beispielsweise Industrie- und Gewerbegebiete sowie Wohn- und Grünflächen oder auch Flächen für Sport. Bebauungspläne fußen in der Regel auf diesem groben Raster und sind die Grundlage für den Bau vor Ort. In ihnen können Einschränkungen zum Beispiel zur Geschosshöhe oder für eine bestimmte Quote an Sozialwohnungen festgelegt sein. Außerdem sind detaillierte Gestaltungsvorgaben möglich. So kann zum Beispiel die Art der Bepflanzung und die Dachform vorgeschrieben werden.

Der Planaufstellungsbeschluss für den neuen B-Plan 2518 wurde im April 2019 gefasst und anschließend ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt. Auf der Grundlage des Siegerentwurfs soll offenbar ein Wohngebiet mit etwa 150 Wohneinheiten, einer Kindertagesstätte sowie einer Pflegeeinrichtung für Senioren entstehen. Das neue Quartier soll darüber hinaus als zertifizierte Klimaschutzsiedlung gebaut werden.

Aus Sicht der Baubehörde ist das Grundstück aufgrund seiner Lage in der Nähe bereits bestehender Infrastruktur wie der Straßenbahnlinie gut geeignet für die von Bremen angestrebte Innenentwicklung, geht aus der Deputationsvorlage hervor. Bei den Angaben der möglichen Wohnungen gehen die Zahlen derzeit noch auseinander: Während in der Deputationsvorlage von etwa 80 Wohnungen gesprochen wird, nennt der Stadtteilbericht der Vahr eine Zahl von 150 möglichen Wohnungen.

Bei Bauvorhaben gilt in Bremen, dass die Öffentlichkeit beteiligt werden muss. Besonders frühzeitig werden Anwohner informiert. Diese bekommen die Baupläne meist in der Form einer öffentlichen Einwohnerversammlung präsentiert – in Zeiten von Corona müssen allerdings andere Wege gefunden werden. „Wir sind gerade in Gesprächen, wie wir die Einwohnerversammlung organisieren“, sagt dazu Karin Mathes, Leiterin des zuständigen Ortsamtes Vahr/Schwachhausen. Noch stehe kein Termin fest, aber sie schätze, dass es Ende April, Anfang Mai soweit sein könnte. Sie ergänzt: „Wir werden dann eine Hauswurfsendung mit Zugangsdaten für die Videokonferenz machen und einen Link zu den Planungsunterlagen bereitstellen."

Die Vahr gilt in weiten Teilen als hochverdichtet, Neubauten sind kaum mehr möglich. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren mehrere Bauvorhaben auf den Weg gebracht. In der Gartenstadt Vahr sind das zwei Neubauten des Gebäudetyps „Tarzen und Jane“ in der Wilseder-Berg-Straße sowie mehrere Gebäudekomplexe des Typs „Bremer Punkt“ in der Winsener Straße, in der Heidmarkstraße und in der Bispinger Straße. Damit ist die Nachverdichtung der Gartenstadt Vahr abgeschlossen. Derzeit läuft ein Verfahren, das die gesamte Gartenstadt unter Denkmalschutz stellen wird. Danach sind größere bauliche Veränderungen ausgeschlossen. Insgesamt sollen hier etwa 92 Wohnungen entstehen.

In der Kurfürstenallee reißt die Bremische Volksbank eine Villa ab, um im Anschluss auf den Grundstücken vier neue Gebäude mit insgesamt 34 Wohnungen bauen zu lassen. Noch etwas weiter in der Ferne liegt ein Neubauvorhaben zwischen der Straße In der Vahr und der Wilhelm-Leuschner-Straße, der sogenannten Pferdewiese. Im östlichen Bereich wollen Investoren innerhalb eines gültigen Bebauungsplans bauen. Dort könnten bis zu 140 Wohnungen entstehen. Für den Bereich an der Straße In der Vahr soll ein neuer Bebauungsplan entstehen. Ein Planaufstellungsbeschluss könnte noch in diesem Jahr erfolgen.

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Zur Sache

Perspektive bis 2023

Bremen plant, in den kommenden Jahren mehr als 10.000 Wohnungen zu bauen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sein sollen. Insgesamt 77 Projekte zählt ein Senatsbeschluss vom Dezember vergangenen Jahres auf. Das Programm mit dem Namen „Wohnungsbauperspektive 2020-23plus“ zielt insbesondere auf Projekte, die nach dem 1. Juli 2019 angegangen worden sind. Teilweise sind darunter Projekte, die schon genehmigt sind wie Baufelder auf dem Ellener Hof in Osterholz oder in der Gartenstadt Werdersee. Andere wie das Parkhaus Mitte sind noch in der Planung.

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