8. Vegesacker Pappbootregatta

16 Teams und ein neuer Rekord

Kreativ gestaltete Boote, irrwitzige Manöver und ungewollte Bauchklatscher sorgten bei der Pappbootregatta für jede Menge Spaß. In diesem Jahr zierten – dem Motto „Tierisch“ entsprechend – viele Tiere die Boote.
19.05.2019, 16:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch

„Eigentlich freue ich mich immer, wenn der eine oder andere unfreiwillig abtaucht. Es ist ja jedem klar, dass Pappe und Wasser nun mal nicht für eine Weltumseglung halten – und ein bisschen Schadenfreude gehört einfach dazu!“ Ansgar Langhorst moderiert die Vegesacker Pappbootregatta bereits zum siebten Mal. Seine „Pappenheimer“ – um im Bilde zu bleiben – kennt der Bremen Eins-Moderator nur zu gut.

„Wer auf einer Werft arbeitet, hat natürlich ein gewisses Know-how und ist vielleicht im Vorteil“, hat Langhorst beobachtet. Bevor die achte Auflage des Spaßwettbewerbs losgeht, dürfen sich die 16 teilnehmenden Teams auf der Bühne vorstellen.

Griff in kreative Trickkiste

Um den Parcours im Museumshaven möglichst schnell und trocken zu absolvieren, haben die Teilnehmer wieder eindrucksvoll in die kreative Trickkiste gegriffen. „Der Rumpf vom Vorjahr darf wiederverwendet werden, aber die Deko muss neu sein“, erzählt Organisatorin Birgit Benke, die mit Langhorst auf der Bühne die gegeneinander antretenden Mannschaften auslost. „Ich muss den Termin immer danach legen, wann Hochwasser ist“, erläutert Benke, die mit Sabine Rosenbaum die organisatorischen Fäden in der Hand hat. Unter anderem wurden 28 Bierzeltgarnituren mit Tischen und Bänken für die Teams organisiert.

Motto: "Tierisch"

„Tierisch“ lautet dieses Mal das vom Veranstalter MTV Nautilus vorgegebene Motto – angesichts des 200-jährigen Jubiläums des Märchens der „Bremer Stadtmusikanten“. Sophie Spieker und ihre drei Freundinnen vom Team „Tierretter“ garnieren ihre Performance mit sportlichen Einlagen. „Wir springen von einem Trampolin an Bord aus ins Wasser und retten eine aufblasbare Ente und einen Plastikflamingo", kündigt die Zwölfjährige an.

Während das Team „Zeitungsente“ auf ein 50 Kilo schweres Papprollen-Konstrukt im handlich quadratischen Format setzt und „Die Inklusiven“ von Friedehorst auf ihre keck dreinblickende „Turboschnecke“ vertrauen, hat das Vegesacker Geschichtenhaus sein Boot mit einer vorwitzigen Ratte aus Kartonage verziert. „Wir hatten kürzlich eine kleine Rattenplage und haben festgestellt, dass die Viecher im Nu über alle Berge sind, wenn man sie mit Wasser nass spritzt“, verrät ein Teammitglied. „Wenn man hinten ordentlich planscht, schafft man es auf die vorderen Plätze“, lautete die erhoffte Übertragung des Beobachteten auf den Wettbewerb.

Graue Theorie

Doch wie so oft zeigt sich wieder einmal: Alle Theorie ist grau ist und manche selbstherrlichen Prognosen fallen buchstäblich ins Wasser. Punkt 15.30 Uhr beginnen bei bestem Wetter die Wettkämpfe, beobachtet von gut 2000 Besuchern auf der Klappbrücke und rund um den Hafen. In der Kategorie Schnelligkeit muss eine Boje zweifach im Uhrzeigersinn umrundet werden, in der Rubrik Kreativität einmal. Wenn Ansgar Langhorst mit dem Kommando „In die Pappe, fertig, los!“ ein neues Rennen startet, läuft oft alles anders als erhofft – zur Gaudi der Zuschauer.

Die beiden Insassen vom Team „Nachtwanderer“ mit ihrer Nachtkatze als tierischer Galionsfigur landen Sekunden nach dem Start im Wasser. „Unser Boot war einfach zu kopflastig“, schmunzelt Rolf Schumacher die Niederlage buchstäblich feuchtfröhlich hinfort. Unerwartet arbeitslos bleibt auch Roland Pekarczyk vom Team „Zeitungsente“. Während sein Kollege auf dem eigenwilligen Kartonkonstrukt in Hektik alleine losschippert und sich später im Wasser in Bauchlage begibt, muss Pekarczyk tatenlos am Ufer sitzen bleiben. Die Zuschauer lieben die skurrilen Wendungen und irrwitzigen Manöver der Teams. Da wird manch ungewollter Bauchklatscher bejubelt, werden Underdogs angefeuert, ungewohnte Manöver bejubelt. Dafür, dass alle Teilnehmer unversehrt das rettende Ufer erreichen, sorgt das Team der DLRG Bremen-Nord samt wachsamer Taucher.

Drache speit Seifenblasen

Das zweimal antretende Schulzentrum Vegesack sorgt mit seinem Seifenblasen speienden Drachen „Hippo Campo“ und einem „Hai-Speed“-Boot für Hingucker. Für sein „E-Team“ hat Edeka-Chef Frank Damerow zwei junge Männer aus der Fleischereiabteilung ausgesucht. „Die haben die meisten Muckis“. Nach einem ersten Bauchklatscher disponiert man nochmal um. Nun liegt einer der beiden Azubis der Länge nach flach im Boot. Eine fünfköpfige Jury zerbricht sich den Kopf, wer das Rennen in der Kategorie Kreativität macht und den – für besonders solidarisch agierende Teams – verliehenen Sonderpreis „Spezial Pappi“ erhält.

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Mit Blick auf neue Rekordzeiten haben dann tatsächlich wieder die jungen Azubis der Nordbremer Werften die Nase vorn. Das Team "Planke 1" von Abeking & Rasmussen schafft die zweifache Umrundung der Boje in 58 Sekunden. Noch eine Sekunde weniger braucht das Team "Donnerwetter" der Lürssen-Werft: Beides neue Rekorde. Ehrensache, dass beide Teams zum Showdown nochmal gegeneinander antreten. Bereits vor Beginn des Rennens hatten sich Mitglieder des Theater Interaktiwo als Bremer Stadtmusikanten verkleidet. Mitmachspiele für die Kleinen und Schnupperfahrten auf Booten und Motorschiffen sorgten ebenso für Abwechslung wie das Irish-Folk-Festival.

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