Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack verlässt Schönebecker Sand Aus für die alte Badeanstalt

Vegesack. Das Freibad auf dem Schönebecker Sand war eine Institution. Generationen von Vegesackern haben dort den Sommer verbracht und schwimmen gelernt – bis Mitte der 60er-Jahre.
06.01.2014, 00:00
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Aus für die alte Badeanstalt
Von Jürgen Theiner

Das Freibad auf dem Schönebecker Sand war eine Institution. Generationen von Vegesackern haben dort den Sommer verbracht und schwimmen gelernt – bis Mitte der 60er-Jahre. Seither führt das einstige Strandbad ein Schattendasein. Die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV), die das Gelände lange Zeit betreute, zieht sich jetzt zurück. Der Vorstand glaubt nicht mehr an eine Wiederbelebung, über die immer wieder diskutiert wurde.

Schönebecker Sand. Schon der Name klingt irgendwie einladend, nach Sommer, Sonne, Badespaß. Diese Assoziation hatte lange Zeit ihre Berechtigung. Seit Mitte der 30er-Jahre gab es an dem Landzipfel zwischen Weser und Lesum eine Badeanstalt. Bis Mitte der 60er-Jahre wurde sie von einer Fähre über die Lesum angefahren, die in jeder Saison Zehntausende Erholungssuchende auf die äußerste Spitze des Werderlandes brachte. „Das war bei gutem Wetter richtig klasse“, erinnert sich SAV-Vorsitzender Volker Beringer. „Da gab es diesen legendären Schwimmmeister Hermann Plebanski. Der rief immer mit seiner Flüstertüte alle aus dem Wasser, wenn auf der Weser irgendein großer Pott angedampft kam.“

Dann, Mitte der 60er-Jahre, brachten zwei Entwicklungen das Aus für die Freizeiteinrichtung. Zum einen entstand am Fährgrund mit dem Fritz-Piaskowski-Bad ein modernes Allwetterbad, zum anderen sank der Freizeitwert des Schönebecker Sandes durch einen Ausbau des Weser-Fahrwassers. Wo sich zuvor ein Sandstrand erstreckte, legte nun das Niedrigwasser eine steil abfallende Steinböschung frei. Und so schloss die Stadtgemeinde Bremen das Bad am Fluss, mit dem viele ältere Menschen aus Vegesack und umzu noch heute angenehme Erinnerungen verbinden.

Nach einer Übergangszeit in privater Nutzung war das Gebäude des Strandbades bis Mitte der 80er-Jahre weitgehend dem Verfall preisgegeben. Die Umkleiden, der Gastronomiebereich und das Schwimmmeisterquartier waren nicht selten Schauplatz von Vandalismus und Einbruchsversuchen, obwohl es in dem verwaisten Gebäude nun wirklich nichts zu holen gab.

Ende der 80er bemühte sich die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack um einen Neustart. Mithilfe von ABM-Kräften des Arbeitsamtes sanierte sie die Immobilie, sodass dort nicht nur Vereinsfeiern möglich wurden, sondern beispielsweise auch Kindergärten und Schulen von dem Gebäude aus das angrenzende Landschaftsschutzgebiet erkunden konnten.

Diese letzte, durchgreifende Instandsetzung des einstigen Strandbades ist nun allerdings auch schon fast 30 Jahre her. Im Inneren riecht es muffig, was nicht weiter verwundert, denn bei extremem Hochwasser schwappt die Weser schon mal über die Dielen. „Auch die sanitären Anlagen entsprechen natürlich nicht mehr heutigen Standards“, weiß Volker Beringer.

Vor diesem Hintergrund gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Gedankenspiele, ob und in welcher Form es eine Zukunft für das reizvoll gelegene Areal geben könnte. Zuletzt verdichteten sich solche Überlegungen im Frühjahr 2013. Volker Beringer erinnert sich an eine illustre Runde, an der neben Vertretern der SAV und der städtischen Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen (IB) auch der Verein Maritime Tradition Nautilus sowie Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt und dessen Burglesumer Kollege Florian Boehlke, zu dessen Sprengel der Schönebecker Sand gehört, teilnahmen. „Es ging darum, wie man das Gelände aufwerten könnte – durch Gastronomie und möglicherweise auch durch eine Wiederaufnahme der Fährverbindung über die Lesum“, sagt Volker Beringer. Im Sommer sei man nochmals zusammengekommen, doch auch danach seien die vagen Ideen für eine Attraktivierung des einstigen Strandbades nie zu einem greifbaren Konzept zusammengeflossen. Von einer Finanzierung ganz zu schweigen.

Die SAV zieht aus dem Stillstand nun Konsequenzen. Sie kündigt ihren seit Jahrzehnten bestehenden Nutzungsvertrag mit IB und zieht sich vom Schönebecker Sand zurück. „Wir räumen alles aus, zum 30. April sind wir hier weg“, kündigt Volker Beringer an. Gemeint ist vor allem das Mobiliar des Schankraumes, in dem manche Fete gefeiert wurde. Die SAV sei jedenfalls nicht in der Lage, weiterhin Geld und Arbeit in eine Immobilie mit derart ungewisser Zukunft zu stecken. Schon die von IB verlangten Verkehrssicherungsmaßnahmen im Umfeld des Strandbades hätten die SAV überfordert.

Ist das Gelände mit dem Auszug der Sportgemeinschaft nun endgültig dem Verfall preisgegeben? Es scheint so, denn Immobilien Bremen verfolgt keine alternativen Pläne. Sprecher Peter Schulz geht davon aus, „dass es bis auf Weiteres keine neue Nutzung geben wird“. An einen Verkauf des Geländes an private Interessenten sei ebenfalls nicht gedacht. Vermutlich werde IB einen Zaun um das Gelände ziehen – und das war es dann.

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