Nordbremer Musiker

Zurück in den alten Beruf

Normalerweise steht Matthias Monka regelmäßig auf der Bühne. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Um nicht auf finanzielle Hilfen angewiesen zu sein, arbeitet er wieder als Erzieher.
10.03.2021, 15:00
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Zurück in den alten Beruf
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Zurück in den alten Beruf

Zurzeit kann Matthias Monka nicht auf der Bühne stehen. Stattdessen arbeitet er halbtags wieder als Erzieher.

Malte Nasner

Bremen-Nord. Normalerweise lebt Matthias Monka von der Musik. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Deshalb ist er nach 20 Jahren in seinen alten Beruf zurückgekehrt und arbeitet wieder als Erzieher, halbtags und zunächst befristet für ein Jahr.

Als das kulturelle Leben im vergangenen Jahr zum Erliegen kam und Matthias Monka damit keine Konzerte mehr geben konnte, hat er seine Verdienstausfälle zunächst mit speziellen Hilfsangeboten für Künstler ausgeglichen. Dadurch ist der Nordbremer zwar nie in Not geraten, glücklich war er aber trotzdem nicht. „Mein Grundgefühl ist, wenn ich Geld bekomme, muss ich dafür auch etwas tun“, erzählt der Musiker. Deshalb hat er sich auf die Suche nach einem Job gemacht, mit dem er übergangsweise seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Geregeltes Einkommen

Fündig wurde er in einer Grundschule, in der er nun einen Jungen mit Förderbedarf betreut. „Da habe ich sehr, sehr viel Glück gehabt“, sagt er. Denn als Schulassistent ist er nur halbtags im Einsatz und hat damit noch genügend Zeit für die Musik. „Ich brauchte genau so einen Job, weil das Musikgeschäft trotzdem ein bisschen weiterläuft“, erzählt er. „Im Februar habe ich zum Beispiel für ein kleine Filmfirma aus Bremen instrumental etwas im Studio eingespielt.“ Für Monka ein kleiner Auftrag. Doch mit solchen Jobs kann er sich nicht über Wasser halten.

Als Erzieher ist er nun hingegen fest angestellt und hat damit ein geregeltes Einkommen. „Und der Job ist cool“, sagt er. Hauptsächlich besteht seine Aufgabe darin, den Jungen, den er betreut, durch den Schulalltag zu begleiten. Ein- bis zweimal pro Woche muss er zudem Berichte schreiben, in denen er die Arbeit mit dem Schüler dokumentiert. Daneben ist er aber auch für die anderen Kinder in der Klasse da. „Die blende ich natürlich nicht aus“, betont Monka.

Auch wenn er gelernter Erzieher ist, ist diese Aufgabe etwas Neues für ihn. „So etwas in dieser Form habe ich zuvor noch nie gemacht. Ich habe früher hauptsächlich mit Kindern gearbeitet, manchmal auch mit Jugendlichen, aber noch nie in einer Schule“, erzählt er. Deshalb musste er sich zunächst mit den Strukturen vertraut machen. „Das ging aber relativ schnell“, sagt der Künstler.

Wenn er nicht gerade in der Schule ist, arbeitet Matthias Monka an seinem neuen Album, das er spätestens im Herbst veröffentlichen will. „Wir produzieren ein Konzeptalbum, das Krokodil heißen wird“, erzählt er. Die Lieder werden Vorstadtgeschichten mit verschiedenen Charakteren erzählen. „Es wird zum Beispiel um Themen wie Spielsucht und Prostitution gehen“, so Monka. Insgesamt sind 23 Songs entstanden, die er nun gemeinsam mit seinem Kompagnon Oliver Kronhardt aufnimmt.

Künstlerischer Spielraum

Wie lange er gleichzeitig als Musiker und Erzieher tätig sein wird, steht noch nicht fest. „Ich bin jetzt erst einmal für ein Jahr an der Schule angestellt. Wahrscheinlich wird mein Vertrag danach auch verlängert“, erzählt Monka.

Unabhängig von der Corona-Krise gibt ihm die Stelle als Erzieher die Möglichkeit, künstlerisch das zu machen, was ihm gefällt. In der Vergangenheit kam es immer mal wieder vor, dass er an einem Abend gleich für mehrere Veranstaltungen gebucht wurde und sich damit für ein Engagement entscheiden musste. „Künstler-Konzerte sind schlechter bezahlt als Dienstleister-Konzerte“, erzählt er. Ein Gedanke, den er bei der Auswahl der Auftritte immer im Hinterkopf hatte. „Das muss ich jetzt nicht mehr, denn das, was ich bei den Dienstleister-Konzerten verdient habe, verdiene ich jetzt als Erzieher“, sagt Matthias Monka.

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Zur Sache

Konzerte in Zeiten der Pandemie

Im Sommer vergangenen Jahres hatte Matthias Monka trotz der Corona-Krise die Möglichkeit, einige Konzerte zu geben. Gemeinsam mit Oliver Kronhardt stand er zum Beispiel in Wilhelmshaven, Worpswede und in Ganderkesee auf der Bühne. „Wir haben zwar immer vor relativ wenigen Leuten gespielt, aber es waren tolle Konzerte“, erinnert er sich. In Ganderkesee waren pandemiebedingt maximal 15 Zuschauer zugelassen. „Das war ein ganz aufmerksames Publikum, weil die Menschen auch ausgehungert waren“, sagt Monka. Selbst während des Lockdowns hatte der Nordbremer die Gelegenheit, einige Konzerte zu geben. Anlass war das Weihnachtsalbum seiner Verlegerin Anni Heger. „Da hatte ich die Ehre als Pianist zu fungieren. Im Rahmen einer kleinen Andachtstour haben wir die Songs in fünf Kirchen präsentiert“, erzählt er. Auch diese Auftritte fanden vor wenigen Zuschauern, mit sehr viel Abstand und mit Genehmigung statt, betont Monka.

Sobald der Lockdown vorbei ist und Konzerte wieder erlaubt sind, steht Matthias Monka wieder auf der Bühne. „Da sind schon einige Konzerte geplant“, sagt er. „Gott sei Dank.“

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