Seenotrettungskreuzer „Bremen“ Bronze-Plakette für ein maritimes Unikat

Der im Vegesacker Museumshafen liegende Seenotrettungskreuzer „Bremen“ hat eine Bronzeplakette zur Erinnerung an die Restaurierung bekommen. Das Schiff ist weltweit einzigartig.
01.07.2019, 07:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Vegesack. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel. Im Museumshafen Vegesack erstrahlt der historische orange-weiße Seenotrettungs-Versuchskreuzer „Bremen“ schon von weitem. An Deck wartet ein Teil der Mannschaft auf die feierliche Übergabe einer bedeutsamen Bronze-Plakette für das traditionsreiche Schiff. „Gefördert durch die deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale“ ist in das rund 400 Gramm schwere Rechteck graviert. Es erinnert fortan an die gelungene Rückverwandlung des Schiffs in einen Seenotrettungskreuzer.

Das Bremer Landesamt für Denkmalpflege hat die geschichtliche Bedeutung des Schiffs bereits im Jahr 2013 anerkannt. Es wurde unter Denkmalschutz gestellt. Der Denkmalwert ergibt sich insbesondere aus der wichtigen Rolle der „Bremen“ bei der Entwicklung des Seenotrettungswesens. Die Konzeption des Schiffs war in den 1950er-Jahren ein regelrechter Quantensprung. Tausende Arbeitsstunden hat ein ehrenamtliches Team in den Rückbau der „Bremen“ in den Originalzustand gesteckt. Einen großen Teil der Mittel für die Restaurierung stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) bereit. Diese Unterstützung wird nun durch die Plakette dokumentiert. Das freut auch die ehrenamtliche Mannschaft der „Bremen“. Die Männer an Deck kommen aus Schwanewede, Lilienthal, Walle, dem Ostertor und umzu. Sie eint die Begeisterung für den weltweit allerersten Seenotrettungs-Versuchskreuzer. „Das Schiff ist komplett seetüchtig und liegt wieder bei seiner Ursprungswerft vor der Haustür“, sagt Horst Saade, der für die Bordelektronik des Kreuzers verantwortlich ist.

Im Jahr 1931 lief das als Motorrettungsboot gebaute Schiff bei der Vegesacker Lürssen-Werft vom Stapel und wurde von der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) unter dem Namen „Konsul Kleyenstüber“ in Dienst gestellt. Von 1940 bis 1944 war es auf der Insel Borkum stationiert und kam nach einer zweijährigen Einsatzpause von 1946 bis 1949 auf der Insel Amrum zum Einsatz. Am 9. Oktober 1949 zunächst außer Dienst gestellt, wurde das Schiff Anfang der 50er-Jahre für Testläufe zum Prototyp eines Seenotrettungskreuzers umgebaut. Es erhielt den Namen „Bremen“ und war seit diesem Umbau ein echtes Unikat mit Tochterboot und einem besonderen Rumpf, der das Schiff zur Selbstaufrichtung befähigte

Umso entgeisterter war Maschinenbauingenieur Kai Steffen, als er den ehemaligen Versuchskreuzer vor mehr als 20 Jahren in Finkenwerder bei „Airbus“ entdeckte, wo er ein Schattendasein fristete. Es war dort seit 1972 unter dem Namen „Wal“ auf der Elbe als Jacht im Einsatz. „Das hat mich gestört, immerhin ist das Schiff weltweit der allererste Seenotrettungskreuzer. Ich bin Sohn eines Kapitäns, und mein Bruder ist auf dem Seenotrettungskreuzer ,Adolph Bermpohl‘ gefahren, vielleicht kommt mein Interesse daher“, vermutet der Ingenieur, der sich ehrenamtlich als Projektleiter für die „Bremen“ engagiert.

Die Idee zur Rettung des Versuchskreuzers hatte Kai Steffen im Herbst 2007 und konnte sie im Jahr 2013 mit seinen Mitstreitern realisieren. Der Vorbesitzer verkaufte das Schiff an das Hafenmuseum Speicher XI in Bremen. Am 5. Mai erreichte es den Museumshafen in Vegesack und wurde 2016 in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Dazu gehörte auch die Farbgebung der 50er-Jahre.

„In den Hafen Vegesack passt das Schiff sehr gut, weil es bei Lürssen gebaut wurde“, findet Kai Steffen. „Was jetzt noch fehlt, sind Heckwanne und Heckklappe. Wir sitzen gerade am Stellplatz für das Tochterboot“, sagt er. Dieses Beiboot, das im Mutterschiff Huckepack mitfährt, könnte für etwa 100 000 Euro nachgebaut und auf der gen Heck abschüssigen Fläche platziert werden. Steffen: „Aber das Geld ist noch nicht da.“

Beim Landesdenkmalamt ist der Versuchskreuzer „Bremen“ nichtsdestotrotz bereits gelistet. "Wir haben die ,Bremen' aufgenommen, weil sie ein maritimes Denkmal ist, das auf der ganzen Welt einzigartig ist“, sagt Ottmar Struwe, Gebietsreferent für Bremen-Nord. Auch er ist bei der Übergabe der Plakette an Bord. Marion Schoene, Ortskuratorin Bremen der DSD, lobt die „fleißige Mannschaft“ und überreicht die Bronze-Plakette stellvertretend an den Bootsvormann Kai Steffen. Neben der Glücksspirale und der DSD hat auch die Hubertus-Altgelt-Stiftung zur Restaurierung beigetragen. Ohne die 15-köpfige Mannschaft wäre die Reanimation des Seenotrettungskreuzers aber sicher nicht geglückt.

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