Entscheidung am Dienstag Gastronomen zittern

Die Wirte in Bremen-Nord blicken gespannt auf Dienstag. Dann will der Bremer Senat ein Konzept der Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) absegnen, mit dem die Gastronomie wieder öffnen darf.
11.05.2020, 11:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel

Am 18. Mai soll Schluss sein mit der Zwangspause für die Gastronomie, hatte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) nach der Wirtschaftsministerkonferenz am Dienstag angekündigt. Eine entsprechende Empfehlung der Fachminister wurde der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten als Grundlage für ihre Besprechung am Mittwoch vorgelegt, die Bundesregierung gab schließlich grünes Licht. Während die Gastronomie in Niedersachsen deshalb schon am heutigen Montag wieder hochfährt, hängen die Bremer Gastronomen in der Luft.

Erst am Dienstag will der Bremer Senat entscheiden, ob die Gastronomie wieder öffnen kann. Der 18. Mai wird dabei anvisiert, die Vorbereitungszeit der Betreiber und Inhaber wäre entsprechend kurz. Das sorgt schon jetzt für Kritik. "Die Auflagen und Vorgaben wären für mich nicht bis zum 18. Mai umsetzbar. Ich werde wohl erst zu Pfingsten öffnen“, sagt Restaurant-Inhaberin Wenke Tydeks, die das Bootshaus Blumenthal betreibt, mit Blick auf die Entscheidung in Niedersachsen.

„Die Organisation ist für die Betreiber von kleinen Restaurants eine große Herausforderung“

Dort hatte die Landesregierung verkündet, dass schon ab Montag Restaurants, Gaststätten, Cafés und Biergärten wieder öffnen dürfen. Die Auflagen haben es allerdings in sich: Nur die Hälfte der Plätze dürfen besetzt werden, Gäste müssen telefonisch einen Tisch reservieren und dabei ihre Kontaktdaten erfassen lassen. Dazu muss zwischen den Tischen der Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden und das Servierpersonal Masken tragen. Zudem wird von jedem Gastronomen ein Hygienekonzept erwartet. „Die Organisation ist für die Betreiber von kleinen Restaurants, wie meinem, eine große Herausforderung“, sagt Wenke Tydeks.

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Ob der Bremer Senat am Dienstag ähnliche Auflagen beschließen wird, ist noch nicht klar. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt kündigte jedoch an, dem Senat ein konkretes Konzept zu Abstands-, Hygiene- und Arbeitsschutzregeln vorzulegen. „Wenn wir wirklich nur 50 Prozent unserer Plätze besetzen dürfen, müsste ich ganz genau gucken, ob das nicht teurer wäre als einfach weiterhin geschlossen zu haben“, sagt Heiko Grebesich.

Kneipen und Bars bleiben in Niedersachsen geschlossen

Seine beiden Lokalitäten, die Gaststätte Fährhaus Vegesack und die Kneipe Große Freiheit, sind seit Wochen geschlossen. Weil der Bremer Senat noch keine Entscheidung getroffen hat, wann die Gastronomie wieder öffnen darf, hat sich der Inhaber auch keine großen Gedanken darum gemacht. Immerhin dürfte die Frage, ob neben Restaurants auch Gaststätten und Kneipen öffnen dürfen, in Bremen nicht zur Debatte stehen. Niedersachsen hatte die Öffnung von Gaststätten, Bars und Kneipen zunächst untersagt, Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt bezeichnete dies als juristisch schwierig. Viele Gaststätten, Bars und Kneipen würden ebenfalls Essen anbieten.

Auch Heiko Grebesich würde deshalb öffnen, sollte der Bremer Senat am Dienstag einen entsprechenden Beschluss fassen. „Ich muss die Entscheidung abwarten. Wenn der eine aufmachen darf und ein anderer nicht, wäre das für mich aber nicht nachvollziehbar.“ Viel länger könnte der Inhaber zweier Lokalitäten aber ohnehin nicht warten, schließlich habe er bereits einen niedrigen fünfstelligen Betrag investiert, um die Verluste aufzufangen. „Lange reichen die privaten Rücklagen aber nicht mehr. Es muss langsam was passieren, sonst ist auch bei mir bald zappenduster“, sagt Heiko Grebesich.

Außer-Haus-Verkauf als Service für Stammgäste

Seine Mitarbeiter hat er dabei ebenso in Kurzarbeit geschickt wie Luzie Taube, Inhaberin des benachbarten Restaurants Hafenwirt Vegesacker Junge. Auch sie hofft auf eine schnelle Öffnung, schließlich sei in den vergangenen Wochen nichts Nennenswertes eingenommen worden. „Wir haben sehr große Verluste, uns fehlt ein fünfstelliger Betrag“, sagt sie. Derzeit steht die Hafenwirt-Inhaberin zwar täglich vor ihrem Lokal, um Bratwürste und Frikadellen zu verkaufen. „Aber mit dem Außer-Haus-Verkauf verdiene ich nichts. Das mache ich, um für die Stammgäste da zu sein und mit ihnen zu reden.“

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Ihre Bänke hat sie dafür aufgestellt, doch die würden immer häufiger missbraucht. „Viele kaufen sich etwas am Kiosk und setzen sich dann auf meine Bänke. Das wäre zurzeit ja noch zu tolerieren, aber sie hinterlassen dann ihren Müll in Massen“, sagt Taube und ärgert sich. Sollte der Bremer Senat die Öffnung der Gastronomie zum 18. Mai erlauben, müsste auch sie sich erst einmal mit den Auflagen beschäftigen. „Wir müssen dann wieder investieren und noch mehr Geld ausgeben. Aber unsere Gäste freuen sich schon auf die Wiedereröffnung, wir haben bereits erste Reservierungen“, sagt Luzie Taube.

Auflagen sind nicht für alle erfüllbar

Damit ist die Hafenwirt-Inhaberin einen großen Schritt weiter als Wenke Tydeks. Die Inhaberin des Bootshauses Blumenthal beklagt, dass sie die Auflagen mit ihrem kleinen Restaurant kaum erfüllen kann. „Ich habe nur ganz schmale Gänge zwischen den Tischen, zur Küche und zu den Toiletten. Die sind nicht breiter als ein Meter.“ Sollten die Auflagen, die ab Montag in Niedersachsen gelten, auch vom Bremer Senat auferlegt werden, könnte das einer Wiedereröffnung im Weg stehen. Dabei ist das Bootshaus Blumenthal dringend auf Einnahmen angewiesen. „Mein Verlust beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Ich musste einen Kredit aufnehmen, denn die Fördergelder haben zwar kurzfristig geholfen, waren aber schneller weg, als ich gucken konnte“, sagt Wenke Tydeks.

Dabei sei es wichtig, die Wiedereröffnung für die Branche so umsetzbar wie möglich zu machen, findet Heiko Grebesich. „Ansonsten werden viele Gastronomien doch für immer schließen müssen.“

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