Nordbremer VHS-Leiterin im Interview

„Kochkurse gehen gar nicht“

Zehn Wochen lang musste die Volkshochschule in Vegesack wegen der Corona-Pandemie schließen. Wie der Kursbetrieb wieder aufgenommen wird, erzählt Haleh Soleymani im Interview.
18.06.2020, 06:41
Lesedauer: 5 Min
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„Kochkurse gehen gar nicht“
Von Aljoscha-Marcello Dohme
„Kochkurse gehen gar nicht“

Verzeichnet während der Corona-Pandemie eine gestiegene Nachfrage nach Online-Seminaren: Haleh Soleymani, Leiterin der Volkshochschule in Vegesack.

Fabian Wilking

Frau Soleymani, bedingt durch die Corona-Pandemie musste der Kursbetrieb der Volkshochschule (VHS) in Vegesack einige Zeit ruhen. Wie sieht das Angebot nun nach der Wiederaufnahme aus?

Haleh Soleymani: Der Unterrichtsbetrieb findet in sehr eingeschränktem Umfang wieder statt. Zurzeit bringen wir das Semester zu Ende, das heißt, es finden letzte Kurstermine statt sowie Bildungszeiten und Einzel- und Wochenendveranstaltungen, die für die Monate Juni und Juli geplant waren. Für den Publikumsverkehr haben wir jedoch immer noch geschlossen, das heißt, es findet momentan keine persönliche Beratung statt. Anmeldungen für Veranstaltungen in diesem Semester sind jedoch telefonisch und online möglich.

Welche Kriterien gab es für die Wiederaufnahme des Kursbetriebs in der VHS-Nord?

Grundsätzlich findet alles entsprechend den aktuellen Auflagen seitens des Ordnungsamts statt. Auch der Hygieneplan der Bremer Volkshochschule wird regelmäßig gemäß dieser Verordnungen angepasst. Wir sehen allerdings davon ab, in diesem Semester noch Veranstaltungen im Programmbereich Gesundheit durchzuführen, auch wenn es gemäß der aktuellen Verordnung unter bestimmten Auflagen möglich wäre.

Was spricht dagegen, Gesundheitskurse anzubieten?

Die Rückkehr zum Normalbetrieb soll schrittweise erfolgen. Das bedeutet für uns, wir beginnen in den Unterrichtsräumen, zum Beispiel mit Sprachkursen und Bildungszeiten. Die Gesundheitskurse finden im Bewegungsraum statt. Den werden wir erst in einem weiteren Schritt wieder in Betrieb nehmen.

Wie laufen die Kurse in Vegesack nun ab?

Bei der Durchführung der Veranstaltung ist vor allem die Abstandsregelung zu beachten. In unseren Kursräumen sind die Tische entsprechend gestellt. Auch auf den Fluren und den Sanitärbereichen gilt unbedingt: Abstand halten. Da das Gustav-Heinemann-Bürgerhaus zurzeit geschlossen hat, erhalten die Kursteilnehmer möglichst gesammelt Einlass. Das übernimmt in der Regel die Kursleitung. Bevor der Kursraum betreten wird, sollten natürlich die Hände gewaschen werden, und auch Desinfektionsmittel halten wir vor. Auch das regelmäßige Stoßlüften gehört unbedingt zum Unterrichtsablauf. Der Mund-Nasen-Schutz wird auf den Fluren getragen, im Unterricht ist dies aber nicht erforderlich.

Sie sprachen den Hygieneplan der VHS-Nord bereits an. Wie sieht der aus?

Der für die VHS-Nord geltende Hygieneplan gilt für die gesamte Bremer Volkshochschule und ist hier vor Ort natürlich mit dem Bürgerhaus abgestimmt. Unser derzeitiges Veranstaltungsvolumen ist vor allem auf die Abstandsregelung zurückzuführen, allerdings ist bei uns auch aus dem Hygieneplan abgeleitet, dass pro Tag und Etage nur eine Veranstaltung durchgeführt wird.

Welche Kurse können Sie nun gar nicht anbieten?

Kochkurse gehen im Moment gar nicht. Auch Kurse mit einer zu großen Teilnehmerzahl führen wir zurzeit nicht durch, das geben auch unsere Räume nicht her.

Warum reduzieren Sie nicht die Zahl der Teilnehmer und bieten einen Kurs dafür mehrfach an?

Das war vor allem im Hinblick auf die Deutschkurse eine Option, die wir in mehreren Varianten durchdacht haben – gemäß der Richtlinien des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die auf die aktuelle Situation angepasst sind, wäre dies auch möglich. Hier ist aber zu bedenken, dass die allermeisten unserer Deutschkursteilnehmer auch Eltern sind, für die es sehr schwierig wäre, regelmäßig am Deutschunterricht teilzunehmen, solange die Schulen noch nicht wieder im Regelbetrieb sind. Das Bundesamt arbeitet zurzeit intensiv daran, die Rahmenbedingungen für die Durchführung der Integrationskurse so zu gestalten, dass die Kursträger bald wieder Präsenzunterricht durchführen können. Für unsere Teilnehmer bieten wir zurzeit Online-Tutorien auf dem VHS-Lernportal an, die sehr gut angenommen werden.

Warum bieten Sie derzeit keine Kochkurse an?

Für uns hat es oberste Priorität, die Volkshochschule schrittweise wieder zu öffnen. Vorrangig werden dabei die eigenen Standorte entsprechend der Hygieneverordnung umdisponiert. Die Kochkurse finden in der Gerhard-Rohlfs-Oberschule statt. Kurse an externen Veranstaltungsorten bedeuten im Moment viele Absprachen, etwa zum Hygieneplan. Deshalb sehen wir derzeit von Kursen außerhalb des Gustav-Heinemann-Bürgerhauses ab. Wir nehmen die Verordnungen sehr ernst und wollen das Ansteckungsrisiko sowohl für die Teilnehmer als auch für die Kursleiter so gering wie möglich halten.

Wann wird das Angebot der VHS-Nord wieder so umfangreich sein, wie vor der Krise?

Das lässt sich nicht einmal ungefähr schätzen. Zurzeit fahren wir auf Sicht. Die Öffnung erfolgt schrittweise, und wir sind jetzt in der vierten Woche, nachdem wir zehn Wochen pausieren mussten. Erst einmal gilt es wie gesagt, das Semester zu Ende zu bringen. Was die Programmplanung anbetrifft: Die haben wir durchgeführt wie immer. Wir sind gespannt darauf, was im Herbst möglich sein wird und was nicht.

In Bremen-Nord ruhte der Betrieb länger, als in der Zentrale im Bamberger sowie in der Regionalstelle in der Vahr. Woran liegt das?

Das hatte tatsächlich organisatorische Gründe wie Absprachen zur Reinigung, Rücksprachen mit den Dozenten, Entscheidungen, welche Veranstaltungen noch genügend Termine haben und so weiter. Nachdem die Kulturbehörde entschieden hatte, dass die VHS ab Mitte Mai ihren Unterrichtsbetrieb schrittweise wieder aufnehmen kann, haben wir alle Vorkehrungen getroffen. An einigen Standorten war das schneller zu bewerkstelligen als an anderen. Mit der Pandemie selbst hat das jedoch nichts zu tun.

Welche Rolle spielen Online-Seminare in dieser Zeit?

Natürlich ist das Interesse an digitalem Lernen während des Lockdowns enorm gestiegen. Die Bremer Volkshochschule hat aber schon seit einigen Jahren Online-Angebote in ihrem Programm, die erfolgreich laufen – unter anderem entwickelt in Kooperation mit der Hamburger und der Lübecker VHS. Zurzeit aktualisieren wir unsere Online-Angebote laufend.

In welchen Bereichen finden diese Kurse statt?

Das sind im Wesentlichen Webinare und Online-Vorträge. So gibt es zum Beispiel Veranstaltungen zur Planung des Sommer-Radurlaubes oder zu Rad- und Wandertouren mit Smartphone und GPS. Es ist sehr praktisch, sich kurzfristig anzumelden und von zu Hause aus lernen zu können, nicht nur während der Pandemie. Diese Veranstaltungen finden in allen Programmbereichen statt – von Kultur, Computer & IT, Umweltbildung und Politischer Bildung über Deutsch als Fremdsprache bis hin zu Kochkursen ist sehr vieles möglich.

Sind solche Webseminare ein vollwertiger Ersatz für Präsenzkurse in der Volkshochschule?

Grundsätzlich stellen Webinare neben dem Präsenzunterricht eine weitere Lernform dar. Das Blended Learning – zu Deutsch: Integriertes Lernen – zum Beispiel ist ein Lernkonzept, bei dem die Vorteile von Präsenzunterricht und E-Learning kombiniert werden. All dies kann den Wert von Präsenzunterricht sehr bereichern. Gerade hier bei uns in der VHS-Nord gibt es langjährig bestehende Kurse, in denen die Teilnehmer seit vielen Semestern gemeinsam lernen. Das sollte nach Möglichkeit bewahrt werden. Hier sind gemeinschaftliches Lernen und andere soziale Aspekte ganz entscheidend. Online Angebote sollten als Ergänzung zum Präsenzunterricht betrachtet werden, als Erweiterung, nicht als Umstellung.

Wird sich an den Angeboten der VHS im Bereich Webseminar nach der Pandemie etwas ändern?

Unabhängig von der Pandemie entwickeln und erweitern wir seit Jahren unser Online-Angebot. Aber natürlich bedeutet die Pandemie einen großen Schub im Bereich Digitales Lernen. Wichtig ist hier vor allem, dass die VHS dabei ihrem Auftrag und sich selbst treu bleibt – Bildung für alle.

Die Fragen stellte Aljoscha-Marcello Dohme.

Info

Zur Person

Haleh Soleymani

leitet seit 2015 die Regionalstelle der Volkshochschule (VHS) in Bremen-Nord. Die gebürtige Iranerin ist in Minden aufgewachsen und kam 1995 nach Bremen, wo sie Kulturwissenschaften, Germanistik und Philosophie studiert hat. Nach ihrer akademischen Ausbildung an der Universität Bremen organisierte sie zunächst stadtteilorientierte Kulturprojekte für die gemeinnützige Gesellschaft Quartier. 2011 übernahm sie zusätzlich die Leitung der VHS-Regionalstelle in Gröpelingen, für die sie nach wie vor zuständig ist.

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