Neues Projekt der Volkshochschule

Mehr Unterstützung bei den Schularbeiten

Die Volkshochschule Bremen-Nord baut eine neue Hausaufgabenhilfe auf, sie soll kostenlos sein und insbesondere Kindern mit Migrationshintergrund helfen. Dafür werden noch ehrenamtliche Lehrkräfte gesucht.
30.07.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Hildebrandt/jöh
Mehr Unterstützung bei den Schularbeiten

(von links) Monika Göckel, Projektkoordinatorin, Diana von Rudkowski (Zentrumsleitung Kita Bremen) und Jan Hauschild, (VHS Bremen-Nord) planen kostenlose Hausaufgabenhilfe für Kinder anzubieten.

Christian Kosak

Vegesack. „Die Corona-Krise hat insbesondere unter Migrantenkindern den Bildungsrückstand noch verschärft“, sagt Jan Hauschild, neuer Leiter der Volkshochschule (VHS) Bremen-Nord, „vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien kamen mit dem digitalen Lernen nicht nach. Sie haben einen Riesen-Rückstand nachzuholen.“

Im Rahmen der Bildungspartnerschaft zwischen der Bremer VHS und der Senatorin für Kinder und Bildung soll ab September diesem Defizit mit einer kostenlosen Hausaufgabenhilfe entgegengearbeitet werden. „Immer mehr Kinder der Jahrgangsstufen vier und fünf haben diese Unterstützung nötig“, sagt Diana von Rudkowski vom Kinder- und Familienzentrum Grohn, „denn der Ausbau der Ganztagsschulen in Bremen stagniert, und viele Kinder erhalten keinen Hortplatz.“

Bei einem ganztägigen Unterricht gehört die Hilfe bei den Hausaufgaben am Nachmittag dazu, doch wenn für Kinder bereits mittags die Schule vorbei ist und sie danach allein Hausaufgaben machen müssen, haben insbesondere Kinder im Alter zwischen zehn und elf Jahren Probleme. Denn Jugendfreizeitheime, in denen Hausaufgabenhilfe angeboten wird, nehmen erst Schüler ab zwölf Jahren, so Rudkowski. „So entsteht für Kinder dieser Altersgruppe ohne Hortplatz eine Lücke, die wir gern auffüllen möchten“, sagt Monika Göckel, Koordinatorin des Projekts bei der VHS Nord. "Insbesondere Familien mit geringem Einkommen können sich die Kosten für eine private Hausaufgabenhilfe nicht leisten.“

Großer Bedarf bestehe vor allem bei Migrantenkindern, so Diana von Rudkowski, viele würden nach der Schule ihre Deutschkenntnisse nicht verbessern können, da in den Familien nur die Muttersprache gesprochen wird. So hätten Kinder große sprachliche Defizite wie häufig auch die Eltern, die ihnen nicht bei den Hausaufgaben helfen können.

„Wir werden vier Mal in der Woche jeweils zwei Stunden anbieten, in denen wir Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen“, sagt Jan Hauschild von der VHS, „doch bedingt durch die Corona-Auflagen können wir nur zehn bis 13 Kinder pro Kohorte aufnehmen.“ Der Schwerpunkt der Hausaufgabenhilfe soll zunächst in Grohn liegen, die Räumlichkeiten werden von der VHS Nord im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus gestellt.

Als Lehrkräfte könne er sich pensionierte Lehrer oder Lehrerinnen vorstellen, die über genügend Zeit und Erfahrung verfügen und an der Unterstützung der Kinder Freude haben, so Hauschild. „Im Idealfall wird die Lehrkraft von zwei studentischen Hilfskräften unterstützt,“ blickt Monika Göckel schon voraus.

Die VHS Nord will sich mit dem neuen Projekt nicht auf Hilfestellungen für Kinder beschränken: „Zusätzlich planen wir auch ein Beratungsangebot für Eltern, denn viele wissen nicht, wie sie die zahlreichen Dokumente, die von der Schulbehörde kommen, ausfüllen sollen“, sagt Jan Hauschild. „Angesichts der Kompliziertheit des Schulsystems brauchen viele Unterstützung. Da flattern viele Briefe ins Haus, die Eltern nicht verstehen.“ Über die Hausaufgabenhilfe hinaus sei es sinnvoll, den Kindern auch Tipps zur Organisation des Lernens zu geben, zum Beispiel in Form von Zeitplänen – was von vielen Eltern nicht vermittelt wird, führt Hauschild aus.

Die Förderung von Migrantenkindern dieser Altersstufe sei schließlich auch eine sinnvolle Investition in die Zukunft, so Jan Hauschild: „Wenn es mit der Bildung bei der ersten ankommenden Generation nicht klappt, wird sie in Zukunft große Probleme haben, einen Job zu finden“, sagt er. „Letztlich ist es die Aufgabe der VHS, ein Bildungsangebot für alle zu schaffen. Die Regionalstellen haben dabei den großen Vorteil, dass sie gute Kontakte zu Partnern vor Ort haben und dass eine intensive Vernetzung besteht.“ So habe sich auch das Quartiersmanagement Grohn intensiv an der neuen Bildungspartnerschaft für Schulkinder beteiligt.

Zur Sache

Angebote für Schulkinder am Nachmittag

Eltern, die für ihr Schulkind ein Angebot am Nachmittag benötigen, sollten es vorrangig an einer Ganztagsschule anmelden, empfiehlt die Senatorin für Kinder und Bildung. Erhalten sie dort keinen Platz, kann das Kind von montags bis freitags im Anschluss an die verlässliche Grundschule eine Kindertageseinrichtung, also einen Hort, besuchen. Dort nimmt es auch am Mittagessen teil. Für ältere Schulkinder bieten zum Beispiel die Jugendfreizeiteinrichtungen Lücke-Projekte an. Für die Betreuung im Anschluss an die Schule müssen Eltern einen Beitrag zahlen, der sich nach ihrem Verdienst, der Familiengröße und den Wochenstunden richtet. Für Ganztagsschulen werden keine Beiträge erhoben.

Info

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Für die Hausaufgabenhilfe im Rahmen der Bildungspartnerschaften sucht die VHS Nord Personen, die diese Arbeit ehrenamtlich übernehmen. Beginn des Projekts ist im September im Anschluss an die Sommerferien. Weitere Informationen erteilt Monika Göckel unter Telefon 0421/ 36 18 94 38 oder unter der E-Mail monika.goeckel@vhs-bremen.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+