Szenische Lesung: Momo im Kito Beeindruckende Interpretation

Schauspieler Walter Sittler und Percussionist Stefan Weinzierl haben im Kito "Momo" als szenische Lesung vorgetragen. Was die rund 60 Besucher erleben durften.
21.11.2022, 17:23
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Pfeiff

Diese Geschichte ist vielen geläufig: die von Momo, Meister Hora, seiner Schildkröte Cassiopeia und den finsteren „Grauen Herren“, die Menschen ihre Lebenszeit durch unnütze Tätigkeiten und sinnlose Geschäftigkeit stehlen. Fast fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen hat Michael Endes Roman, dessen Kategorisierung als „Kinder- und Jugendbuch“ viel zu kurz gegriffen wäre, nichts an Faszination und vor allem Aktualität eingebüßt.

Auch der umtriebige Hamburger Musiker Stefan Weinzierl, dessen instrumentales Hauptaugenmerk auf Schlag- und Percussioninstrumenten beruht, zeigt sich von dem Stoff ebenso fasziniert wie seine Ehefrau, Kulturmanagerin Friederike Weinzierl, weshalb beide bereits noch vor Corona eine Bühnenfassung für eine szenische Lesung des Romans für einen Musiker und einen Schauspieler ausarbeiteten – wobei Stefan Weinzierl selbstredend für die Musik zuständig war.

60 Besucher im Kito

In dem TV-Schauspieler Walter Sittler fanden beide schließlich einen Gleichgesinnten, der auf eine entsprechende Anfrage schnell zusagte, den Part des Vorlesers zu übernehmen – allerdings nur noch für begrenzte Zeit: Aufgrund zahlreicher weiterer Terminverpflichtungen wird der Schauspieler seinen Part des Projekts in Kürze an seine Schauspielkollegin Claudia Michelsen übergeben.

So kamen die rund 60 Zuhörenden im Kito in den Genuss einer der letzten Gelegenheiten, weite Teile von Endes „Momo“ in der Interpretation des Bühnenduos Sittler/Weinzierl zu lauschen.

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Nicht wenige dürften Sittler dabei als Idealbesetzung wahrgenommen haben: Mit ebenso nuancierter wie unaufgeregter Sprechweise und natürlicher Souveränität verkörpert er den namenlosen Erzähler, von dem Ende offen lässt, ob es sich bei diesem vielleicht sogar um Meister Hora selbst handelt – und zieht seine Zuhörer somit mühelos in einen Bann, dessen Intensität durch den Beitrag Weinzierls nochmals zusätzlich verstärkt wird.

Der Percussionist hat eine vielfältige, beeindruckende Instrumentenbatterie um sich herum drapiert, die er nicht minder vielseitig einsetzt und zum Teil mit elektronischen Hilfsmitteln zusätzlich verfremdet.

„Zuallererst überlegt man bei der musikalischen Umsetzung eines solchen Stoffes natürlich, an welchen Stellen Musik eine Ebene betonen und verstärken kann, die sprachlich bereits vorhanden ist und deren Inhalt somit zusätzlich betont“, erklärt Weinzierl. Schließlich solle der musikalische Anteil eines solchen Unterfangens weder banal noch selbstzweckhaft wirken, sondern die bereits vorhandene Dramaturgie und Dynamik zusätzlich hervorheben.

Beachtliche Intensität

Dieses Unterfangen kann nach dem Genuss der szenischen Lesung nur als vollends gelungen bezeichnet werden: Während Momo und Cassiopeia mit warmen, versöhnlichen Marimba-Leitmotiven ausgestattet wurden, unterlegen bedrohliche Trommelrhythmen und dunkle Perkussivelemente Momos Kampf gegen die „Grauen Herren“,steigern sich im Showdown sogar zu einem „Finale Furioso“. Die beiden Bühnenprotagonisten agieren hierbei ähnlich einem improvisationsfreudigen Jazzduos, antizipieren gegenseitig stimmliche und instrumentale Impulse, signalisieren sich durch Blickkontakt und kurzes Kopfnicken ihre jeweiligen Einsätze.

Obwohl es sich „nur“ um eine szenische Lesung handelt, erreicht Endes Text durch die Vortragsweise eine beachtliche Intensität. So ist es vielleicht besser, dass sich unter den 60 Zuhörenden im Kito keine Kinder befanden, die Sittler und Weinzierl ohnehin nicht als die primäre Zielgruppe für dieses Projekt definieren: „Zum einen ist Momo trotz seiner einfach und zugänglichen Sprache keineswegs ein reines Jugendbuch, zum anderen zeichnet sich gute Jugendliteratur grundsätzlich auch immer dadurch aus, dass sie auch für ein erwachsenes Publikum ansprechend ist“, befindet Sittler.

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