Meine Woche Schnee an Ostern unerwünscht

Was hat Kathrin Baumgart alles in der vergangenen Woche erlebt? Die 40-Jährige ist Kindertrainerin beim Vegesacker Ruderverein und seit Sommer 2007 dort Mitglied.
06.04.2021, 12:00
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Von Olaf Schnell

Mittwoch, 31. März: Der Tag startet mit Sonnenschein. Es sollen bis zu 23 Grad werden. Somit steht der Trainingseinheit am Grambker Sportparksee nichts im Wege. Wir befinden uns mit der Kindergruppe mitten in einem Trainingslager, das aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt auswärts stattfinden kann. Wir versuchen aber trotzdem, ein wenig das Feeling herzustellen - natürlich unter Bewahrung der Abstands- und Hygieneregeln. Im Spätsommer 2016 wurde ich gefragt, ob ich nicht beim Kindertraining mit einsteigen möchte. Ich übernahm die Gruppe Ende Juni 2018 dann komplett. Für mich startet der Tag damit, dass ich die am Vortag verladenen Einer am Verein abhole und zum Grambker Sportparksee bringe. Den Vormittag nutze ich, um einigen Sportlern auf stehendem Gewässer weiter mit dem Einer-Rudern vertraut zu machen, denn unser eigentliches Ruderrevier ist die Lesum. Dort haben wir aber mit den Gezeiten zu tun. Und die machen den Einstieg ins Einer-Fahren etwas schwieriger. Für die Erfahrenen nutze ich die Einheit zum Üben von Starts, hohen Schlägen, Wenden über Backbord und Steuerbord auf voller Fahrt heraus. Mit den Rädern geht es über den Lesum-Deich zum Verein, wo es eine Mittagspause gibt. Da das Wetter sehr gut ist, habe ich zum Nachtisch kurzerhand Eis gekauft. In den Pausen verstelle ich noch etwas an den Booten, während die Sportler meist Werwolf spielen. Das ist ein Karten- beziehungsweise Gesellschaftsspiel, in dem die Spieler Dorfbewohner verkörpern, die versuchen, die Werwölfe zu entlarven. Und anders herum versuchen die Werwölfe, die Dorfbewohner zu eliminieren. Die Nachmittagseinheit besteht aus flottem Radfahren bis nach Farge und zurück. Auf dem Weg nach Hause gehe ich den Tag noch einmal durch und freue mich, dass wirklich alle Sportler heute Vormittag trocken geblieben sind.

Donnerstag, 1. April: Leider muss ich feststellen, dass das schöne Wetter vom Vortag schon wieder weg ist. Der letzte Tag des Trainingslagers kann deshalb nicht so stattfinden, wie dieser im Vorfeld angesetzt wurde. Es sollen laut Plan Belastungen gefahren werden, die aber durch die Strömungs- und Wetterverhältnisse nicht machbar sind. Nachdem ich verkündet habe, dass die 3000-Meter-Belastung ausfällt, denken einige Ruderer, dass es sich bei der Absage um einen Aprilscherz handelt. Aber zum Scherzen ist mir in Zeiten wie diesen wirklich nicht zumute. Daher fällt auch ein April-Scherz aus. Man kann nichts richtig planen und muss immer wieder kurzfristig neu umplanen - das nervt gewaltig. Es wird in beiden Einheiten trotzdem gerudert. Und es ist schön zu sehen, wie sich die Sportler in den vergangenen sechs Tagen entwickelt haben. Zum Abschluss gibt es von den Sportlern als kleines Dankeschön für mich noch eine Kleinigkeit in Form eines Blumenstraußes und Osterglocken sowie einen selbstgebackenen Osterhasen, was das Trainerherz weich werden lässt. Nachdem alles beim Verein geregelt ist, gehe ich noch kurz einkaufen. Dann entspanne ich mich ein wenig daheim in Burgdamm.

Freitag, 2. April: Ich verbringe einen entspannten Vormittag mit einem ausgiebigen Frühstück. Für mich gilt es, erst einmal runter zu kommen, denn auch wenn die vergangenen Tage nicht so lang waren, wie sie sonst im Trainingslager sind, waren sie doch recht anstrengend. Mich beschäftigen natürlich darüber hinaus die Entwicklungen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen Absagen beziehungsweise Verschiebungen der Regatten in dieser Saison. Als erstes erreicht mich die Verschiebung der für uns im Kinderbereich ersten Regatta in Lübeck, die für Anfang Mai geplant war. „Okay, ist nicht ganz so schlimm, denn eine Woche später findet ja die Jungen- und Mädchenregatta auf dem Bremer Werdersee statt", denke ich. Aber auch hier sieht es derzeit für die Durchführung der Regatta nicht besonders gut aus. Es ist sehr schade, denn die Sportler möchten sich messen und zeigen, was wir über den Winter getan haben. Den Nachmittag verbringe ich noch draußen und mache etwas im Garten.

Sonnabend, 3. April: Eigentlich ist der Sonnabend-Morgen für mich immer etwas stressig, da um 10 Uhr das Kindertraining losgeht. Durch die Trainingslagerwoche, an der die erfahreneren Sportler teilnahmen, machen wir heute aber kein Training. Daher können mein Partner und ich in Ruhe frühstücken. Wir genießen das auch sehr. Da das Wetter recht gut ist, zupfe ich danach noch etwas im Garten herum und fange später an, das bereits gesägte Holz aufzustapeln. Als der erste Haufen vom Holz weg ist, mache ich mich ans Holzspalten mit einem elektrischen Spalter. Hier kann ich mir auch ein wenig Gedanken darüber machen, wie ich zum Beispiel die Kinder, die im vergangenen Jahr mit dem Rudern angefangen und durch den erneuten Lockdown im November nicht mehr am Training teilgenommen haben, wieder integrieren kann. Wie kann ich sie wieder ins Boot setzen? Ab wann ist es wirklich möglich? Kommen wirklich alle wieder? Oder wie kann man sogar neue Sportler im Alter von elf bis 14 Jahren gewinnen? All diesen Fragen stellen sich derzeit wahrscheinlich fast alle Übungsleiter in den meisten Sportarten. Mit den üblichen Gelegenheiten, wie zum Beispiel der „Schnellsten Klasse Deutschlands“ auf dem Ergometer oder dem Kindertag in Vegesack Anfang Mai wird es sehr schwer für uns Ruderer, neue Sportler zu gewinnen. Im Rahmen der Aktion „Rudersport und Schule – gemeinsam noch stärker“ sucht die Deutsche Ruderjugend regelmäßig die schnellste Klasse im Ergometer-Rudern. Dabei werden die Zeiten der einzelnen Schüler addiert. Ob es auch in diesem Jahr zu diesem Wettbewerb kommen wird, ist aber wegen der Corona-Pandemie sehr fraglich. Den Abend genieße ich vor dem Ofen.

Sonntag, 4. April: Ich bedauere, dass das Wetter am Ostersonntag wieder umgeschlagen und unangenehm ist. Es ist kalt und sehr windig. Ohne die Corona-Krise hätte man den Tag im Kreise der Familie und auch mit den Verwandten verbracht. Aber das ist auch in diesem Jahr, wie schon während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr, leider nicht so möglich. Somit wird es ein entspannter Tag. Mittags backen mein Partner und ich noch schnell einen Apfelkuchen und besuchen kurzerhand meine Eltern, die im selben Haus in Burgdamm wohnen. Zwischendurch schaue ich aber auch mal auf das Ergebnis beim Spiel in der Fußball-Bundesliga zwischen dem VfB Stuttgart und dem SV Werder Bremen. Richtiges Interesse besteht bei mir nicht mehr, aber trotzdem freue ich mich als Bremerin immer, wenn der SVW gewinnt. Aber unterstützen möchte ich die Bundesliga auch nicht gerade, da ich es nicht in Ordnung finde, dass die Profis noch spielen dürfen und bei uns im Rudersport im Kinder- und Juniorenbereich nacheinander die Regatten abgesagt werden, so wie nun auch die für den 8. und 9. Mai geplante Jungen- und Mädchen-Regatta in Bremen. Damit haben wir nun auch in dieser Hinsicht Gewissheit. Für die Sportler stellt es eine weitere Niederlage dar, weil sie sich erneut nicht miteinander messen können. Die Werderaner ziehen durch ein unglückliches Eigentor von Ludwig Augustinsson mit 0:1 in Stuttgart den Kürzeren. Aber noch beträgt der Abstand der Grün-Weißen zu einem Abstiegsplatz sieben Punkte. Ich glaube nicht, dass da noch etwas anbrennen wird, auch wenn es die beiden nächsten Partien der Bremer gegen den Zweiten RB Leipzig und Borussia Dortmund durchaus in sich haben.

Montag, 5. April: Es schneit mal wieder, auch wenn der Schnee nicht liegen bleibt. Aber auch wenn ich ihn liebe, möchte ich jetzt im April keinen Schnee mehr haben. Zum Glück ist es nur von kurzer Dauer. Zwischendurch scheint auch die Sonne wieder - die Laune steigt. Und so zieht es einen ein wenig nach draußen. Der Garten ist noch lange nicht fertig. Weil Ostern ist, gehe ich alles eher entspannt an und genieße meinen letzten freien Tag des Urlaubs. Wenn heute nicht ein Feiertag wäre und wir uns nicht mitten in einem Lockdown befänden, würde ich am Abend ins Fitness-Studio gehen und am Reha-Sport teilnehmen. Mittlerweile zwickt es bei mir auch immer mal wieder im Rücken. Man vermisst die Einheiten für sich selber. Somit nutze ich den Abend, die aufgenommenen Fotos vom Trainingslager durchzuschauen und den Sportlern noch einige Bilder zu schicken.

Dienstag, 6. April: Der Wecker klingelt bereits um 4.25 Uhr. Für mich geht es in dieser Woche in der Frühschicht zur Arbeit. Ich bin gespannt, was mich dort so erwartet. Da es sich durch den Ostermontag um eine kurze Woche handelt, bedeutet es für mich immer, etwas mehr zu tun zu haben. Ich arbeite als kaufmännische Angestellte in einem Betrieb im Neustädter Hafen. Den Dienstag und den Donnerstag nutze ich immer dazu, mich im Auto nach der Arbeit aufs Training einzustimmen. Am Abend findet noch die virtuelle Vorstandssitzung des Vegesacker Rudervereins statt.

Jonas Pfeiffer, der Handballer des Landesligisten SV Grambke-Oslebshausen, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Kathrin Baumgart (40)

ist Kindertrainerin beim Vegesacker Ruderverein und seit Sommer 2007 dort Mitglied. Hier erlernte sie über die Ruderschule das Rudern. Die gelernte Speditionskauffrau arbeitet als kaufmännische Angestellte und lebt in einer Partnerschaft in Burgdamm.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+