Vandalismus in Vegesack Hakenkreuze und SS-Runen auf Stolpersteinen

Unbekannte haben Donnerstagvormittag, 3. Juni, zwei Gedenksteine mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Der Staatsschutz der Polizei Bremen ermittelt. Bürgermeister Andreas Bovenschulte verurteilt die Tat.
03.06.2021, 17:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Iris Messerschmidt/mes

Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise zu einem Vandalismus-Fall geben können. Demnach haben Unbekannte am Donnerstagvormittag zwei Gedenksteine mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Laut Polizeimitteilung wurden die Beamten gegen 10.10 Uhr am Donnerstag in die Reeder-Bischoff-Straße gerufen. Die Einsatzkräfte stellten dort an zwei in den Gehweg eingelassenen Stolpersteinen, welche an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern, Hakenkreuzschmierereien und weitere Schriftzüge fest. Der Staatsschutz der Polizei Bremen hat nun die Ermittlungen wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gemeinschädlicher Sachbeschädigung aufgenommen. Zeugen können sich jederzeit beim Kriminaldauerdienst der Polizei Bremen unter der Rufnummer 04 21/ 3 62 38 88 melden.

Mit Entsetzen hat die Landeszentrale für politische Bildung, als Trägerin des Projektes Stolpersteine Bremen, die Schmierereien in der Reeder-Bischoff-Straße zur Kenntnis genommen. Dazu Leiter Thomas Köcher am Donnerstag: "Diese Aktion zeigt einmal mehr, dass die Erinnerungskultur an die Verbrechen des Nationalsozialismus zum Austragungsort von rechten/rechtsextremen Politikvorstellungen geworden ist. Mit Angriffen auf das Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus soll eine ,erinnerungspolitische Wende' eingeleitet werden. An dieser Stelle ist die demokratische Gesellschaft herausgefordert."

Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte äußerte sich zu dem Vorfall: "Ich verurteile diesen widerwärtigen Akt des Vandalismus scharf. Er zeigt wie wichtig es ist, gegen jegliche antisemitischen und faschistischen Tendenzen vorzugehen." Die Landeszentrale für politische Bildung hat angekündigt, dass sie sich um die Säuberung der Stolpersteine bemühen wird und weist auf die generelle Bedeutung der Erinnerungskultur in Bremen hin.

"In Bremen sind über 1500 Menschen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden; die Zahl der deportierten, verfolgten oder in ,Schutzhaft' genommenen Menschen liegt um ein Vielfaches höher", so die Landeszentrale für politische Bildung. Schon länger habe es in Bremen Überlegungen gegeben, wie man das Leben jener Menschen symbolisch sichtbar machen könnte, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden: Juden, Sinti und Roma, Opfer der "Euthanasie", politisch Verfolgte, Jehovas Zeugen und Homosexuelle. Die Stolpersteine sollen dem Vergessen entgegenwirken. Der Betonstein wird so im Bürgersteig versenkt, dass nur die Tafel sichtbar bleibt. Stolpern soll man nur im übertragenen Sinn. Bis heute hat Gunter Demnig in Europa an mehr als 1300 Orten mehr als 70.000 solcher Gedenksteine verlegt, darunter 727 in Bremen.

"Stolpersteine Bremen" ist ein Projekt der Landeszentrale für politische Bildung Bremen und des Vereins „Erinnern für die Zukunft “. Die Arbeit am Projekt wird getragen vom Initiativkreis Stolpersteine Bremen.

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