Fußball-Lottopokal

Der harsche Weckruf in der Pause

Der Fußball-Bremen-Ligist SG Aumund-Vegesack deutet erst in der zweiten Halbzeit beim 2:0-Pokalsieg in Blockdiek seine Klasse an
25.06.2021, 13:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Der harsche Weckruf in der Pause

Vegesacks Mehmet Polat (Zweiter von rechts) konnte mit seinen Teamkollegen im Viertelfinale gegen SC Vahr Blockdiek einen 2:0-Erfolg feiern.

Frank Thomas Koch

„Ich bin ausgerastet. Unsere erste Halbzeit war schließlich eine Katastrophe“, fand der Trainer der SG Aumund-Vegesack, Björn Krämer, nach dem 2:0-Sieg im Bremer Lotto-Pokal beim Fußball-Landesligisten SC Vahr Blockdiek deutliche Worte im Hinblick auf seine Halbzeitansprache. Seine Mannen seien die erste Hälfte viel zu leichtsinnig angegangen. „Ich weiß nicht, ob wir unseren Gegner vielleicht unterschätzt haben“, so Krämer.

Die Gäste wirkten in den ersten 45 Minuten pomadig und statisch. Insgesamt gab es auch viel zu wenig Bewegung und Kombinationen im Offensivspiel des Bremen-Ligisten. Die verzweifelten langen Bälle in die Spitze brachten meist nichts ein. Meistens waren die Nordbremer am gegnerischen Strafraum mit ihrem Latein am Ende. Deshalb blieben Chancen auch lange Zeit Mangelware. Die Gastgeber verkauften sich aber auf der anderen Seite auch gut auf dem kleinen Kunstrasenplatz auf der Bezirkssportanlage in Blockdiek. Sie machten die Räume eng und holten immer wieder Ecken, Einwürfe und Freistöße heraus.

Wenn SAV-Keeper Jan Dähne nicht das eine oder andere Mal gut gehalten hätte, wäre sogar ein Rückstand für den Goliath möglich gewesen. Björn Krämer reagierte bereits in der ersten Halbzeit, indem er hinten von einer Dreier- auf eine Viererkette umstellte, die fortan Lennart Kettner, Marius Bosse, der eingewechselte Lokman Abdi sowie Manuel Broekmann bildeten. Abdi ersetzte in der Innenverteidigung Boris Cordes. Zudem kam Marcel Burkevics für Mehmet Polat, um das Spiel im Mittelfeld breiter zu gestalten.

Gegen Ende des ersten Abschnitts erspielten sich die Mannen um Kapitän Christian Böhmer dann auch zumindest mal zu zwei Halbchancen. Schlitzohr Abdullah Basdas wollte SC-Keeper Alexander Tedsen mit einer Direktabnahme überlisten. Doch Tedsen roch den Braten und entschärfte die Situation (38.). Außerdem geriet ein Abschluss von Alexander Schlobohm Sekunden vor dem Pausenpfiff zu schwach. Dem kopfballstarken Angreifer gelang es zu selten, seinen Nebenmann Bashkim Toski mit Ablagen nach langen Bällen in Szene zu setzen.

Die harschen Pausenworte von Björn Krämer schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Der Gast kam mit einer ganz anderen Körpersprache aus der Kabine zurück. Alexander Schlobohm zog nach einem Zuspiel von Abdullah Basdas Sekunden nach dem Wiederanpfiff sofort ab, traf aber nur das Außennetz.

„Gut so“, freute sich Krämer an der Außenlinie. Nun ging es auch mit Chancen fast im Minutentakt für die Grün-Weißen weiter. Die Hausherren kamen kaum noch über die Mittellinie. „Abdu“ Basdas zielte aber aus aussichtsreicher Position ebenso in die fangbereiten Arme von Alexander Tedsen, wie kurz darauf Bashkim Toski (49./42.). „Leute weiter so. Das sieht besser aus“, motivierte Björn Krämer seine Schützlinge.

Der Bremen-Ligist vermochte das Tempo aber nicht hoch zu halten. Lennart Kettner bewies jedoch seinen großen Sportsgeist, indem er seinen Gegenspieler Philip Glombik tröstete, nachdem dieser einen fest getretenen Ball in den Unterleib kassiert hatte (65.). Drei Minuten später hätte der gerade erst eingewechselte Mola Lamine Khan mit einem Querschläger das 1:0 für die Platzherren eingeleitet. Vahrs Batuhan Cigdem tauchte daraufhin völlig frei vor Jan Dähne auf. Dieser kam zwar noch mit der Fußspitze an den Ball. Dieser hätte aber dennoch die Linie überschritten, wenn ihn nicht Marius Bosse kurz vorher noch in höchster Not weggedroschen hätte.

„Den muss ich einfach reinmachen“, trauerte Cigdem seiner verpassten Großchance noch mehrere Minuten nach. Was Mola Khan vorne so alles anstellen kann, stellte der Youngster nach 72 Minuten unter Beweis. Mit einem beherzten Schuss ins lange Eck zum 1:0 ließ er Alexander Tedsen überhaupt keine Abwehrchance. Die Führung war zwar nicht unverdient, aber zumindest zu diesem Zeitpunkt doch etwas überraschend.

Nachdem zuvor „Kette“ Kettner gleich mehrere völlig harmlose Eckbälle von der rechten Seite in den Strafraum geschlagen hatte, legte Abdullah Basdas gleich bei seinem ersten Versuch eine viel bessere Präzision an den Tag. Der Mittelfeldmotor fand genau den Kopf von „Xandi“ Schlobohm, der den Sack mit dem schnellen 2:0 nach 75 Minuten zumachte. „Meine Mannschaft hat zum Glück eine Reaktion gezeigt. Sie hat es in der zweiten Halbzeit ein bisschen besser gemacht, auch wenn auch da natürlich noch nicht alles klappte“, erklärte Björn Krämer.

Aber auch wenn bei den Vahrern die Kräfte nachließen, blieben diese bis zum Ende gefährlich. Marco Dzien zog die Kugel vollkommen freistehend knapp links am Pfosten vorbei (78.). Auf der Gegenseite vergab noch Bashkim Toski eine gute Gelegenheit (85.). Dieser fackelte nicht lange, ließ aber wie bereits am gesamten Abend die nötige Genauigkeit vermissen.

„Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Deshalb hat die SAV auch verdient gewonnen“, zeigte sich SC-Trainer Wojciech Glombik als fairer Verlierer. „Ich möchte unserem Gegner Respekt zollen. Er hat gezeigt, weshalb er den VfL 07 Bremen in der Pokalrunde zuvor mit dem Ausschalten mehr als nur ärgerte“, betonte Krämer.

Zur Sache

Personell wird sich nichts ändern

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Bereits an diesem Sonntag um 15 Uhr gastiert die SG Aumund-Vegesack im Halbfinale des Lotto-Pokals beim Liga-Rivalen aus der Bremen-Liga, Brinkumer SV. „Das wird natürlich ein ganz anderes Spiel als am Donnerstag“, gibt SAV-Trainer Björn Krämer zu bedenken. Bisher habe es seine Formation gegen Gegner eines solchen Kalibers immer richtig gut gemacht. „Deshalb wollen wir es den Brinkumern wieder so richtig schwer machen und den Favoriten gehörig ärgern“, sagt Krämer. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der Bremen-Liga hatte der Brinkumer SV mit 22 von möglichen 24 Punkten aus acht Spielen den ersten Platz belegt. Personell wird sich bei den Gästen im Vergleich zur Partie beim SC Vahr Blockdiek nichts ändern. Die Brinkumer gaben sich bei ihrem 5:0-Sieg im Viertelfinale des Pokalwettbewerbs beim Landesliga-Spitzenteam Tura Bremen überhaupt keine Blöße. KH

Info

Lotto-Pokal Bremen

Viertelfinale

SC Vahr Blockdiek – SG Aumund-Vegesack 0:2 (0:0)

SC Vahr Blockdiek: Tedsen; Markart, Patrick Glombik, Pierre Balczus, Philip Glombik (79. Alami), Al-Maliki (71. Maaß), Janny Balczus (79. Bosson), Chris Kriewitz, Dzien, Kevin Kriewitz (60. Melka), Cigdem

SG Aumund-Vegesack: Dähne; Kettner, Bosse, Cordes (37. Abdi), Broekmann, Böhmer (77. Cristescu), Polat (37. Burkevics), Syla (67. Khan), Toski, Basdas, Schlobohm

Tore: 0:1 Mola Lamine Khan (72.), 0:2 Alexander Schlobohm (75.)

Schiedsrichter: Jianfeng Cui (Brinkumer SV)

Zuschauer: 100 KH

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